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Vatertag. Das Tatü-Tata der RTWs und KTWs ist schon am Vormittag zu hören. Gröhlende Horden ziehen durch Ortschaft, Feldmark und Wald. War es früher nur der Bollerwagen mit obligatem Bierfässchen, der gezogen wurde, so muss es heute der kleine Gummiwagen mit aufgesetzter Brauerei und einer Musikanlage sein, die als bodengestützte Schallwaffe eigentlich schon unter die Kriegswaffengesetzgebung fällt. Zu allem Überfluss dröhnt aus den Lautsprechern dann auch noch Helene Fischer. Das ist so eine Art von fortgeschrittener Survival-Übung, denn wem davon nicht schlecht wird, der kann wirklich was vertragen! Die Meisten können es nicht und so benötigt man auch keine speziellen Kenntnisse des Spurenlesens, um anhand der Kotzspuren den Weg der Väter in spe nachvollziehen zu können.

Draußen dichte, graue, geschlossene Wolkendecke. Eben der typisch norddeutsche, strahlend graue Himmel. “Leichte Bewölkung” nennt das der Wetterbericht. Kein gutes Fotowetter, denn das Licht in dieser grauen Düsternis ist katastrophal. Doch mir fehlten noch ein paar Aufnahmen. Vor ein paar Wochen bastelte ich mir nämlich ‘ne Diashow vom Wisentgehege. Ich wollte so ziemlich alle dortigen Tierarten mal versammelt haben. Dabei fiel mir auf, dass ich von den Timber- bzw. Polarwölfen und vom Sikawild so gut wie keine wirklich ordentlichen Fotos habe. Von den Schlangen die Bilder hätten auch besser sein können und vom Fischotter waren es mir mit nur drei guten Bildern viel zuwenig Aufnahmen. Folglich fuhr ich zum Wisentgehege, um diese Lücken mal ganz gezielt aufzufüllen. Wobei: Fahren? Na ja … Auf dem Hinweg stop’n go. Auf dem Rückweg reichte der Stau (zum Glück in Gegenrichtung) bereits von Springe bis Nettelrede, war also rund zwanzig Kilometer lang. Was ich nämlich nicht bedacht hatte: Morgen ist Himmelfahrt bzw. Vatertag. Da ist im Vorfeld halb Deutschland unterwegs!

selbstoptimierung

Wahnsinns-Trend oder Trend des Wahnsinns? Ein allseits bekannter Spruch besagt: “Nobody is perfect.” Findet euch doch einfach damit ab, verdammt nochmal! Teils mit Unverständnis und teils mit Abscheu beobachte ich nämlich einen Trend, der seit rund fünf Jahren immer mehr um sich greift und der – glücklicherweise! – vornehmlich in den Städten zu finden ist, während unsereiner auf dem platten Land (noch) weitgehend davon verschont bleibt. Daher kenne ich auch nicht viele Leute, die den Wahnsinn mitmachen. Aber doch einige. An denen ist mir vor allem eine wahnsinnige Uniformität aufgefallen, ein Verlust des eigenen Selbstbewusstseins, welches durch eine Art von indoktinierter Hörigkeit ersetzt worden ist, so dass ich manchmal das Gefühl habe, mich mit den Mitgliedern einer Psychosekte zu unterhalten. Wovon ich spreche? Vom Trend der Selbstoptimierung!

Die Hausarbeit ist erledigt und der Rasen ist gemäht. Letzteres hat mir den ersten Zeckenbiss in diesem Jahr eingebracht und das juckt wie Hölle! Ist schon ziemlich verrückt: Ich kann im Wald stundenlang durch’s dickste Unterholz kriechen und da passiert sowas niemals. Nie! Aber mit schöner Regelmäßigkeit bei dem Sch…-Rasenmähen! Dann wurde noch die Rohfassung meines kleinen TYPO3-Tutorials fertiggestellt, so quasi als “Plan B” für den Fall, das jemand anders mal die SG-Lauenau-Seite pflegen muss. Muss ich aber noch querlesen, korrigieren und PDFen. Irgendwann im Verlauf des Nachmittags dachte ich mir dann nur noch: Schluss – Auszeit. Ab in den Wald! Draußen am Himmel braut sich was zusammen. Eine Gewitterwarnung haben wir zwar nicht – noch nicht – aber das kann noch kommen. Sowas ist typisches Eidechsen- und Blindschleichen-Wetter. Bei solchen Wetterlagen zeigen sich diese Tierarten nämlich. Was auch prompt der Fall war: Ich konnte meine zweite Blindschleiche in diesem Jahr erlegen (mit der Kamera, versteht sich). OK, so schön wie in der letzten Woche sind die Aufnahmen dieses Mal nicht geworden. Das mag vielleicht daran liegen, dass mein Motiv (ein noch recht junges Tier) es eilig hatte. Musste wohl noch was erledigen; man kennt das ja. Eigentlich hätte es auch eine etwas ausgedehntere Wanderung werden sollen, aber die fliegenden, facettenäugigen Blutsauger haben mich dann doch schnell vom Gegenteil überzeugt. Mit ausgedehnten Wanderungen ist das bei mir ja sowieso so eine Sache: Meistens bleibe ich mit der Kamera irgendwo hängen und dann interessiert mich alles andere nicht mehr. Sieben Fotos von “meiner” Blindschleiche: Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!

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- Menschen, die eine Blindschleiche für eine Schlange halten.
- Tierparkbesucher, die versuchen, Eulen, bei denen es sich bekanntlich um Raubvögel handelt, mit Körnern zu füttern.
- Leute, denen der simple Dreisatz ein Buch mit sieben Siegeln ist.
- Personen, die ein Spurenelement wie bspw. Iod für gefährlich halten, wenn es nicht aus ökologisch-biologischer Quelle stammt.
- Mitbürger, die der Prozentrechnung nicht mächtig sind.
- Soziopathen, die glauben, aufgrund eines dicken Finanzpolsters ärmere Menschen wie Dreck behandeln zu können.
- Experten, denen simple Bruchrechnung fremd ist.
- Politiker, die meinen, man müsse die Menschen zu schlecht bezahlter Arbeit zwingen.

Gestern, nachmittags: Kleine Auszeit. Einfach mal raus, was anderes sehen, hören, erleben. Ich begab mich zum Krater in Bad Nenndorf. Den kleinen Tierpark dort gibt’s schon seit Jahren nicht mehr. Das war mal Privatbesitz und ein Event für alle. Kinder und Kindergeburtstage, Schulklassen und Kindergärten, Kurgäste, Besucher von außerhalb, familiäres Grillen bei gutem Wetter, Brautpaare, die im dortigen Brunnen traditionell die Brautsträuße versenkten, weil das schwefelhaltige Wasser die Blumen für Wochen konserviert. Und alles kostenlos. Aus, vorbei. Nachdem der Besitzer verstarb übernahm ein Verein den kleinen Zoo, doch reichten die Geldmittel irgendwann nicht mehr aus. Die Stadt hatte am Fortführen dieser Traditionseinrichtung kein Interesse, denn mit kostenlos lässt sich ja nunmal nicht wirklich viel verdienen. Nachdem der kleine Zoo seine Pforten für immer geschlossen hatte, sollte das Gelände renaturiert werden. Ich muss schon sagen: Wenn zwei Meter hohes Unkraut und verfallende Gebäude, umgeben von einem Zaun, Renaturierung sein sollen, dann war das ein voller Erfolg! Dann haben wir hier in der Gegend soviele “renaturierte” Industriebrachen … Mir dreht sich jedesmal der Magen um, wenn ich das sehe. Ich weiß schon sehr genau, warum ich Politikern – angefangen beim einfachen Ratsherren – von Grund auf misstraue!

Unser Komposter im Garten sah in den vergangenen Wochen ja häufiger wie ein Handgranaten-Wurfstand aus: Zerwühlt, der Inhalt im Garten verteilt und sogar richtige Gänge darin. Nun wollte ich wissen, wer dafür verantwortlich ist. Wie macht man das? Mit einer Wildkamera. Die habe ich mir von einem Bekannten für rund zwei Wochen geliehen (Danke, Andreas!). Letzte Nacht kam sie erstmals zum Einsatz. Auf den Bildern fand ich dann aber nur die üblichen Verdächtigen, die auch tagsüber zugange sind, nämlich Spatzen, Elstern und Krähen. Aber die Kamera bleibt weiterhin im Einsatz und eigentlich ist das ja auch eine gute Gelegenheit für einen kleinen Testbericht von so ‘nem Teil.