Aquaristik

Fische und Aquarien – auf diesem Gebiet betätige ich mich seit 1967. Das ist jetzt beinahe ein halbes Jahrhundert lang. Allerdings muss ich einschränken: Praktisch nur mit Süßwasser. Mit Seewasser-Aquarien hatte ich bislang nur wenig Berührungspunkte. Manchmal möchten Neulinge wissen, wie sie eine Aquarienaufstellung bzw. -neueinrichtung vorzunehmen haben. Deswegen mache ich da mal einen kleinen Beitrag drüber. Am Anfang stehen die Entscheidung über die Beckengröße und über den Standort. Das Aquarium sollte nach Möglichkeit wenigstens für ein bis zwei Stunden Sonne abbekommen, denn das ist dem Pflanzenwachstum förderlich und wirklich kein Kunstlicht lässt die Farben der Tiere so einmalig erstrahlen wie das Sonnenlicht es fertigbringt. Auf der anderen Seite aber ist zuviel Sonne unbedingt zu vermeiden, denn die verwandelt zumindest im Sommer den Beckeninhalt gerne mal in Fischsuppe.

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Ich bin per Mail gefragt worden, ob ich mal einen allgemein verständlichen Beitrag über das Aquarium und über die Aquarienchemie bringen kann. Nun, ich kann es ja mal versuchen. Zumindest das Süßwaseraquarium betreffend, denn so etwas betreibe ich seit 1969. Das Aquarium: Für die einen ist es ein Pott mit Wasser und Fischen drin. Für die anderen ist es ein Ökosystem. Beide Einstellungen halte ich für grundfalsch. Bleiben wir zunächst bei dem Begriff System. Das Aquarium ist ein offenes System. Offenes System bedeutet, dass es auf Input und Output angewiesen ist. Input, das sind u. a. Licht, Wärme, Fischfutter, Sauerstoff. Output, das sind Ausscheidungsprodukte oder schlicht Dreck, egal ob im Filter oder im Wasser. Wir haben in diesem System eine Lebensgemeinschaft. Sie besteht im Wesentlichen aus Fischen, Schnecken, Mikroorganismen und Pflanzen.

fangtechnik

Komm’ mal schnell – da liegt einer von den Großen auf dem Rücken! Ich glaube, der ist tot!” Ich hingegangen, geguckt, fotografiert, leider verwackelt. Dann meine Antwort: “Nee, bei großen Ancistrus-Welsen ist das normal. Das sind zwar von Haus aus Pflanzenfresser, aber manchmal brauchen die eben ‘nen Protein-Happen. Bei dem Maul wie ein Scheunentor müssen die nur abwarten, bis sich ein passender Fisch nähert. Dann wird tief eingeatmet, der Fisch ist weg und der Wels ist satt! Ist eben ‘ne Fangtechnik …

Wie bereits erwähnt, wird die fleischfressende Raubschnecke Clea helena zum Kannibalen, sobald sie ihre zahlenmäßig hoffnungslos überlegenen – aber wehrlosen – Opfer allesamt hingemeuchelt hat und wieder Hunger verspürt. Dann fallen die helenas gegenseitig übereinander her. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob das wirklich nur “Fressen-und-Gefressen-werden” ist oder ob es sich nicht vielleicht auch – da Clea helena ja zweigeschlechtlich ist – um ein Paarungsspiel in Form einer sehr extremen SM-Variante handeln könnte. Spinnenweibchen z. B. fressen die Männchen ja hinterher auch auf. Aber seht euch die Bilder selbst mal an.

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(Clea helena, Bilddownload von Google)

Zur indonesischen Süßwasser-Raubschnecke Clea helena hatte ich ja HIER und HIER schon einmal etwas gesagt. Sie ist m. E. das beste Mittel, um anderweitigen Schneckenplagen Herr zu werden. Mittlerweile ist die Population bei mir im Aquarium am Schwinden. Einfach deswegen, weil zuwenig Nahrung in Form von anderen Schnecken vorhanden ist. Ich will daher mal versuchen, den zeitlichen Ablauf meiner “biologischen Schneckenbekämpfung im Aquarium” ungefähr darzustellen. Etwas Geduld braucht man nämlich schon. Es beginnt ganz schleichend langsam. Aber irgendwann wird es rasend schnell!

Ich hatte mich die Tage ja schon mal über die Raubschnecke Clea helena bzw. Anentome helena geäußert. Heute nun – und das war reiner Zufall – hatte ich Gelegenheit, die Raubschnecke in Aktion zu beobachten: Helena macht Beute! Und zwar eine recht große Posthornschnecke Planorbarius corneus. Da es sich um reinen Zufall handelte und ich die Jagd mal dokumentieren wollte (ich habe keine Ahnung, ob so etwas überhaupt schon mal dokumentiert worden ist; jedenfalls konnte ich dazu nichts finden), musste alles schnell gehen. Keine Zeit, um im Supermakrobereich die Kamera noch großartig irgendwie einzustellen, sondern stattdessen nur frei Hand und drauf! Insgesamt lief die Jagd nach folgendem Schema ab: Helena witterte die Beute und schlug einen Bogen darum, griff von hinten an. Das dauerte drei Minuten. Es folgte der eigentliche und eine Minute in Anspruch nehmende Zugriff. Nochmal eine Minute benötigte der Killer, um seine Beute zu überwältigen. Danach schloss sich eine Viertelstunde an Mahlzeit und Verdauung an. Und hier ist ist die Fotosequenz (aber wie schon gesagt, bitte nicht zuviel erwarten).

Mit dem “Aquaristik-Virus” habe ich mich 1969 infiziert. Bei allen Becken, die ich bisher besaß – zu Spitzenzeiten waren das gut zwanzig gleichzeitig und z. Zt. ist das nur noch ein kleines 60l-Becken, das jetzt schon seit zwölf Jahren steht – kam es früher oder später zur Schneckenexplosion. Da kann man nichts gegen machen. Auch wenn man Wasserpfanzen desinfiziert und sowas: Schnecken entstehen durch permanente Neuschöpfung aus Mulm und Dreck! :) Früher, in meiner Anfangszeit, bin ich mit Schneckengiften aus der Zoohandlung dagegen vorgegangen. Funktionierte gut, aber unerwartet: Bis auf die Schnecken ging alles kaputt. Später habe ich dann den Trick mit dem Schälchen Fleischfutter unter Wasser und dem Herausheben der sich im Schälchen sammelnden Schnecken ausprobiert. Der hat auch ganz gut hingehauen. Aber die Schnecken, die dabei entkommen, sind extrem vermehrungsfreudig und in der Überzahl. Besagter Trick erwies sich folglich als Mastkur.

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