Wissenschaft

Im vergangenen Monat hatte ich hier im Blog keine Science News. Nicht etwa, weil es diesbezüglich nichts zu berichten gegeben hätte. Ganz im Gegenteil sogar. Ich hatte bloß zuviel um die Ohren, um den einzelnen Meldungen nachgehen zu können. Oder kurz: Ich hatte schlicht keine Zeit. Der Grund ist simpel: Seit fünf Wochen im Fahrdienst, allerdings mit Unterbrechungen. Während der Unterbrechungen riefen der Garten und die drei Pflegefälle. Aber jetzt geht es mit den Wissenschaftsmeldungen weiter. Teil 46 der Science News ist HIER zu finden.

Medizin: Weichmacher können Asthma fördern
Das würde einiges erklären, zumal Phthalate in so ziemlich jedem verformbaren Plastik zu finden sind, vom Wasserrohr bis hin zur Tupperdose.

chemrad

Im Beitrag über die Kompetenzen scheine ich mich missverständlich ausgedrückt zu haben, als ich das Fachwissen über die Kompetenz, besagtes Fachwissen erwerben zu können, stellte. Das Wichtigste an der ganzen Sache ist nämlich das Denken in Zusammenhängen. Das aber ist m. E. ohne vorhandenes Fachwissen nicht machbar. Ich will einmal versuchen, das am Beispiel der Chemie darzustellen, und zwar gleich aus zwei Gründen: Weil ich selbst eine chemische Ausbildung genossen sowie über ein Vierteljahrhundert lang in dem Beruf gearbeitet habe und weil in meinem entfernteren Bekanntenkreis zwei angehende Chemieingenieure ihr Studium abbrachen, weil es ihnen zu schwierig wurde. Sie hatten die Komplexität der Materie schlichtweg unterschätzt. Von der Schule her weiß man: “Chemie ist, wenn es knallt und stinkt!” Leider verhält es nicht annähernd so einfach.

Vorsicht, denn heute kommt wieder einmal ein Fachbeitrag! Aber einer, den vielleicht jeder irgendwie und irgendwann mal gebrauchen kann und der mir persönlich am Herzen liegt, weil ich diese Methodik für schlichtweg genial halte. Im Beitrag über die “Statistik einmal anders” hatte ich ja als Stichwort bereits die “Faktorenversuchsplanung” genannt. Was ist damit gemeint? Um es mal in aller Kürze und in aller Deutlichkeit auszudrücken: Arbeits- und Kostenerleichterung. Jedem dürfte klar sein, dass man herkömmliche Versuche – ganz gleich in welcher Wissenschaft oder Branche – so aufbauen kann, dass man von Versuch zu Versuch immer nur einen der beteiligten Parameter verändert. Aus der Differenz beider Versuchsergebnisse ergibt sich dann der Einfluss des betreffenden Parameters. Anders ausgedrückt: Kocht die Hühner-Nudelsuppe einmal mit und einmal ohne Carolina Reaper. Der RTW-Einsatz bei Nicht-Chiliheads macht dann den Unterschied und damit den Einfluss des Parameters “Carolina Reaper” aus. Diese Art von Versuch kennt jeder, denn das ist die Standardvorgehensweise: Der so genannte “Einfaktorenversuch”.

Mal so ein Beitrag zur Verbesserung des Allgemeinwissens, in dem es um ein paar eher weniger bekannte Grundlagen geht: Statistik ist ja als die Lehre von Methoden zum Umgang mit quantitativen Informationen definiert. Ich habe früher im Rahmen der chemischen Forschung sowie der Qualitätskontrolle sehr viel mit Statistik gearbeitet. Wenn man heute – wie es von offizieller Seite gerne gemacht wird – der Bevölkerung Statistiken präsentiert, dann wird dabei allerdings liebend gerne auf eine unbedingt erforderliche Differenzierung verzichtet und man beschränkt sich gar nicht mal selten auf im Grunde genommen ungeeignete Verfahren. Simples Beispiel für den letztgenannten Fall: “Deutschland geht es gut!” Denn im Mittel (wissenschaftlich Median genannt) besitzt jeder Deutsche ein paar Tausend Euro. Also, entweder bin ich dann kein Deutscher oder aber es ist etwas an den offiziellen Beteuerungen oberfaul. Es ist tatsächlich was oberfaul. Man hat dabei nämlich die Reichtumsverteilung außer Acht gelassen. Entspricht diese Verteilung einer Glockenkurve (auch Normalverteilung oder Gauss-Kurve genannt), dann können die mathematischen Methoden der so genannten deskriptiven sowie der induktiven Statistik angewandt werden. D. h. man bestimmt Mittelwert, Standardabweichung, Varianz etc. und rechnet die an einer Stichprobe ermittelten Daten auf das Ganze hoch.

Also: Bielefeld gibt’s gar nicht! Wer schlecht schläft, der wird durch Erdstrahlen beeinflusst. Und jeder Kondensstreifen am Himmel ist ein Chemtrail, der nur dazu dient, uns allesamt zu vergiften. Impfstoffe auch. Außerdem ist die Erde ‘ne Scheibe und Schweine können fliegen, aber das wird aus Gründen der inneren Sicherheit streng geheim gehalten. Lassen wir das, denn der ganze Schwachsinn ist absolut indiskutabel. Befassen wir uns stattdessen mal mit richtiger Wissenschaft. Klar, die ist schwieriger. Die setzt nämlich Mit- und Nachdenken voraus. Außerdem seriöse Information und Lernen. Kann man heutzutage wirklich nicht mehr von jedem erwarten. Teil 45 der Science News ist HIER zu finden.

epigenetik

Vorsicht, denn jetzt kommt ein (sehr) schwieriges Thema, bei dem es um wissenschaftliches Neuland geht. Aber auch ein Thema mit politischer Dimension. Es geht nämlich um die Epigenetik. Ich will einmal versuchen, dieses Fachgebiet so darzustellen, dass es allgemein verständlich wird und verzichte daher weitgehend auf komplizierte Fachbegriffe. Stattdessen arbeite ich mit Beispielen. Die Epigenetik befasst sich nämlich mit der Vererbung von Eigenschaften, welche eben NICHT auf Veränderungen in der DNA (d. h. auf Mutationen) zurückzuführen sind. D. h. im Rahmen der Epigenetik können zumindest in Grenzen auch erworbene Eigenschaften an die Nachkommen weitergegeben werden. Wie soll das funktionieren? Um diese Frage zu beantworten muss ich etwas weiter ausholen.

Es gibt offenbar immer mehr Menschen, die alles, was wir heute wissen, infrage stellen und die wieder glauben, dass die Erde eine Scheibe ist. Die sich lieber an so genannte “alternative Fakten” in einer “postfaktischen Gesellschaft” halten – Meldung bei Twitter: “Wenn etwas Fakt ist, dann muss es deswegen ja noch lange nicht wahr sein!” Na ja … Mit anderen Worten: Die Menschen, die mangels wissenschaftlichen Verständnisses in einer simplifizierten Traumwelt leben, werden immer mehr. Idiocracy lässt grüßen. Vielleicht kann man die ja mit Wissenschaftsmeldungen zum Nachdenken anregen, obwohl ich da meine ernsthaften Zweifel hege. Für alle anderen habe ich mal wieder was zum Erhöhen der Allgemeinbildung rausgesucht. Teil 44 der Science News ist HIER zu finden.