“Mit Musik geht alles leichter” – das habe ich so manches Mal gedacht, als ich vor rund einem Jahr am Fließband stand und einen Job machte, der neben körperlicher Anstrengung und Gesundheitsgefährdung an Monotonie kaum noch zu überbieten war. Aber Musik war verboten, wie fast alles für uns Arbeitnehmer. Die obige Binsenweisheit wurde ignoriert. Weil man nach “GMP” (Good Manufacturing Practice) arbeitete, was de facto zu einer reinen Verbotsliste für Arbeitnehmer verkommen war. Hinterfragen durfte man den Schwachsinn ebenso wenig wie an den gesetzlichen Urlaubsanspruch erinnern oder sich weigern, schwarz länger zu arbeiten bzw. unbezahlte Überstunden zu machen. Dann war man nämlich sofort draußen. Es handelte sich eben um einen typischen, deutschen Minijob im industriellen Umfeld – detailliert HIER nachzulesen. Hartz-IV und Zwangsarbeitszuweisung seitens der Jobcenter machen sowas möglich.

Doch zurück zur Musik. Mit Musik erscheint einem das Arbeiten wirklich einfacher. Körperliche Anstrengung wie bspw. im Nutzgarten – und dazu zählt neben der Arbeit übrigens auch Sport – geht leichter von der Hand. Einige Musikgenres haben ihren Ursprung sogar in der Arbeit. Man nehme dazu als Beispiel nur mal die Shanties, bei denen der Gesang den Arbeitstakt vorgab. Bei Segelschiffen ist das sogar ausgesprochen sinnvoll, weil alle bspw. zum Segelsetzen simultan am Fall ziehen müssen. Lange Zeit wurde daher angenommen, dass die Musik nur Taktgeber und Unterhaltung zugleich war. Dann ist die Musik im Rahmen der Lernpsychologie näher unter die Lupe genommen worden. Dabei fand man heraus:

- Das langsam gespielte Tongeschlecht (Moll/ Dur) definiert die Gefühle von Traurigkeit bis Ausgeglichenheit.
- Das schnell gespielte Tongeschlecht (Moll/ Dur) definiert die Gefühle von Wut bzw. Angst bis Freude.
- Die ansteigende Geschwindigkeit des in Moll gespielten Stückes beeinflusst die Gefühle von Traurigkeit bis hin zu Wut und Angst.
- Die ansteigende Geschwindigkeit des in Dur gespielten Stückes beeinflusst die Gefühle von Ausgeglichenheit bis hin zu Freude.
- Die Harmonie beeinflusst die Stimmung: Je harmonischer ein Stück ist, desto stimmungsaufhellender wirkt es.
- Der Takt beeinflusst die Motorik sowie die Bewegung und die Bewegung fokussiert das Denken auf ein bestimmtes Ziel hin.
- Gesang lenkt die Aufmerksamkeit hin zur Musik.
- Die Abwesenheit von Gesang fördert Konzentration, Lernen und Problemlösungsvermögen.

Das nun sind psychische, und mindestens unterschwellig (subliminal) stimmungsbeeinflussende Wirkungen. Eigentlich auch schon ein alter Hut, denn Stalin, Hitler und Goebbles, Friedrich der Große oder Napoleon Bonaparte – sie alle bedienten sich der Musik in manipulativer Absicht, nämlich zu Propagandazwecken. Auch die Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts verwendete Lieder wie “Die Internationale“, “Dem Morgenrot entgegen“, “Auf auf zum Kampf” usw., um ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen. Jede Szene, jede Gruppe von kultureller Zusammengehörigkeit, hat ihre ganz eigenen Vorlieben hinsichtlich eines bestimmten Musikstils. Es ist folglich der Stil, der zum Zusammengehörigkeitsgefühl führt. Und der Stil wechselt häufiger – in dem Maße, wie die Kultur sich wandelt. Die bevorzugte Musikrichtung drückt daher immer auch eine bestimmte Lebenseinstellung aus: “Sage mir, was Du hörst und ich sage Dir, wie Du denkst.”

Aber das ist noch längst nicht alles! Wie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig jetzt herausgefunden haben, verbrauchen Muskeln bei begleitender Musik tatsächlich weniger Energie. Musik hat also neben psychologischen auch nachweisbare, positive physiologische Wirkungen. Und unter dem Gesichtspunkt wundert es mich gar nicht mehr, dass ich die zwanzig Kilometer per Rad durch den Deister zwar mit “Highway To Hell” oder “TNT” häufiger schaffe, aber niemals ohne. Mit Musik geht eben alles leichter …

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