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Ich habe mir gedacht, es ist wohl mal wieder an der Zeit für so eine Art von heimatkundlichem Beitrag. Was kann man über das Schaumburger Land schon groß sagen? Es gibt hier eine geologisch-mineralogische Besonderheit, nämlich die so genannten “Schaumburger Diamanten“, von Sammlern auch kurz und liebevoll “Schaumis” genannt. Mit echten Diamanten haben die Schaumis – chemisch betrachtet – allerdings nicht das Geringste zu tun, denn sie bestehen nicht aus Kohlenstoff, sondern stattdessen aus Quarz, SiO2, oder ganz trivial ausgedrückt, aus Sand. Und doch nehmen sie es hinsichtlich ihrer Klarheit und ihres “Feuers” nicht nur spielend mit jedem echten Diamanten auf, sondern stellen den u. U. sogar noch weit abgeschlagen in den Schatten.

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Wovon kommt das? Da ist zunächst einmal die Reinheit. Normaler Bergkristall enthält alle möglichen Einschlüsse und ist daher oftmals mehr oder weniger trüb. Wasserklar ist er nur in den allerseltensten Fällen, wie bspw. bei den Herkimer Quarzen. Oder eben beim Schaumburger Diamanten. Dann ist da die Kristallform. Der normale Bergkristall besteht aus einer Säule mit aufgesetzter Pyramide. Anders beim Schaumburger Diamanten. Er zeigt die Form einer doppelseitigen Pyramide, die einem Diamanten täuschend ähnlich ist, so dass die Brillianz eines echten Diamanten durchaus übertroffen werden kann. Schaumburger Diamanten sind zudem noch klein wie Diamanten: Ihre Größe reicht von wenigen Millimetern bis hin zu max. 3,5 Zentimetern. Es wird gesagt, dass in früheren Zeiten schon der Fürst der alten Grafschaft von Schaumburg-Lippe seine Krone mit den Schaumburger Diamanten geschmückt haben soll. Ob’s stimmt?

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Woher aber stammen nun die abweichende Kristallform und die Reinheit, die man durchaus schon mit der von Laborchemikalien vergleichen könnte? Zumal Quarz üblicherweise aus SiO2-reichen Magmaschmelzen kristallisiert und es solche Schmelzen hier nicht gegeben hat? Des Rätsels Lösung liefern das Leben und ein chemischer Aufreinigungsprozess, der sich Umkristallisation nennt. Zunächst zur Umkristallisation. Hat man eine Substanz synthetisiert und auskristallisieren lassen, dann schließen die Kristalle noch Verunreinigungen mit ein. Im Falle des Quarzes entspräche das dem normalen Bergkristall. Man löst folglich die Kristalle noch einmal in sauberem Lösemittel auf und lässt erneut auskristallisieren. Jetzt verbleiben die Verunreinigungen weitgehend im Lösemittel, während die neuen Kristalle hochrein sind. Sie entsprechen hier dem Schaumburger Diamanten.

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Nun zum Leben und damit zur Herkunft des Siliziumdioxids. Vor rund 200 Millionen Jahren lag die Gegend, in der sich heute die Schaumis finden lassen (Taubenberg bei Rinteln bis hin zu Bösingfeld im Extertal) in einem langsam austrocknenden, feuchttropischen Flachmeer. In diesem Flachmeer existierten Billionen von Kleinstlebewesen, nämlich Radiolarien und Kieselalgen. Bei ihrem Tod lagerten sie sich am Meeresgrund ab. Ihre SiO2-Gehäuse bildeten dort Schichten von schon ziemlich reiner, ausgefällter Kieselsäure, was der Erstkristallisation entspricht. Parallel dazu entstanden im Zuge der Austrocknung knollenartige Sedimente aus Mergel mit Gips im Innenraum. Der Innenraum solcher Knollen wurde im Verlauf geologischer Aktivitäten ausgelaugt, so dass sich Hohlräume bilden konnten. Es müssen eben auch besagte geologische Aktivitäten gewesen sein, welche bewirkten, dass die ausgefällte Kieselsäure erneut aufgelöst wurde und in besagte Hohlräume eindringen konnte.

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Dort kristallisierte sie erneut aus – die Umkristallisation hatte folglich auf ganz natürliche Weise stattgefunden – und es wuchsen die hochreinen Schaumburger Diamanten in extrem beengten Platzverhältnissen, was zur anderen Form führte. Solche Entstehungsbedingungen sind hinsichtlich ihrer Häufigkeit durchaus mit dem berühmten Sechser im Lotto vergleichbar! All dies erstreckte sich über einen Zeitraum von rund 70 Millionen Jahren. Bis das Deckgestein dann aber im Zuge der Erosion soweit abgetragen worden ist, dass die Knollen mit den Schaumis darin zutage treten konnten, sollten noch einmal mindestens 100 Millionen Jahre vergehen. Die Schaumis sind dabei nach der nahe gelegenen Schaumburg benannt worden. Man findet die Schaumburger Diamanten ebenso ungefärbt wie auch in zahlreichen, farblichen Variationen, aber immer wasserklar. Manchmal können Steine eben doch sprechen und eine interessante Geschichte erzählen. Man muss nur mal richtig hinhören!

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