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Wikipedia definiert RFID als (Zitat): “… eine Technologie für Sender-Empfänger-Systeme zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen …” Das gesamte System beinhaltet drei Komponenten, nämlich den Sender, der den eigentlichen RFID-Chip induktiv mit Energie versorgt. Dazu den Transponder (umgangssprachlich RFID-Chip genannt), den das zu überwachende Objekt trägt und der bei Stromaufnahme per Funk Informationen abgibt. Letztlich kommt als Lesegerät noch der eigentliche Scanner hinzu, bei dem es sich um einen kleinen Kurzwellenempfänger handelt. Sender und Scanner sind üblicherweise zu einer Einheit zusammengefasst worden. Wann immer sich ein RFID-Chip im Bereich des Lesegerätes – also des Scanners – befindet, kann die auf dem Chip gespeicherte Information ausgelesen werden. Moderne Geräte gestatten darüber hinaus sogar das Beschreiben des Chips mit Informationen.

Man nutzt RFID-Einheiten heute im Kaufhaus bspw. für automatisierte Zahlungssysteme und als Diebstahlsicherungen, in Bibliotheken zur Buchidentifikation sowie im Rahmen der Tieridentifikation. Im letztgenannten Fall zum Erlangen wissenschaftlicher Erkenntnisse, aber auch zur Lenkung von Haus- und Nutztieren, bspw. auf dem Bauernhof. Die Kuh oder das Deichschaf mit dem Chip im Ohr sind gewohnte Anblicke, was nur zeigt, wie weit verbreitet und allgemein akzeptiert diese Technologie inzwischen schon ist. Mussten RFID-Einheiten in der Anfangszeit noch diskret aufgebaut werden, was zu relativ hohem Preis und relativ voluminösen Geräten führte (wobei auch die schon winzig waren), so hat sich auch das im Zuge der Mikrominiaturisierung geändert. Seit einigen Jahren lassen sich zumindest die Transponder auf drucktechnischem Wege herstellen.

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen: RFID-Einheiten werden zunehmend winziger und preiswerter. Tausenderpacks sind übliche Ordergrößen und anstatt mehreren Euros pro Stück werden – je nach technischer Ausstattung – heute nur noch Centbeträge fällig. RFIDs sind damit allgemein erschwinglich geworden, für staatliche Institutionen ebenso wie für Wirtschaftsunternehmen. Aus Logistik und Verkauf sind sie bereits nicht mehr wegzudenken und auch in Öffentlichkeit und Arbeitsleben finden sie, bedingt durch den Preisverfall, zunehmend Verwendung.

Obwohl die RFID-Technik im Grunde genommen eine Nahbereichstechnik ist, kann die Transponderreichweite durchaus in den Kilometerbereich gehen – je nach zur Verfügung stehender Energie und Aufwand der Antennenanlagen. D. h. in Grenzen ist auch eine Fernüberwachung für RFIDs möglich. Wenn jetzt also Produkte (und Tiere) zunehmend mit RFIDs geortet werden können, dann lassen sich daraus diverse Rückschlüsse ziehen. Das Erfassen von Produkten in der Einkaufstasche mit nachfolgend passend eingespielter Werbung ist da noch die harmloseste Variante, auch wenn sie bereits zu Handlungen verleiten soll und damit der Verhaltenssteuerung des Menschen dient.

Auch Zutrittskontrollen, Bewegungsmuster, wer macht wann zuviel Pausen, die Arbeitsplatzüberwachung, korrekte Mülltrennung inklusive Bestrafung, wer trägt welche Kleidung von wem u. v. a. m. liegen im Bereich des Möglichen. Bei einem Auto mit Transponder kann problemlos ermittelt werden, wohin und wie schnell dessen Besitzer im Verlauf seines Lebens gefahren ist. Das alles zusammen läuft auf eine Totalüberwachung hinaus. Datenschutz existiert dabei nicht, denn die Transponder sind mit vergleichsweise simpler Technik, die für wenig Geld zu haben ist, auszulesen. Auch heimlich. Von jedermann. Auch aus der Ferne: Es lebe die Bespitzelungskultur!

In Hannover ist heute der letzte Tag des Computerkarnevals der Cebit. Big Brother Big Data war dort wieder einmal das große Thema. Aber wieso soll man sich auf schnöde Metadaten-Analysen mit all ihren Nachteilen beschränken, wenn es möglich ist, per RFID Gegenstände ganz konkreten Personen zuzuordnen? Damit erhält man doch sehr viel zutreffendere Daten! Und warum eigentlich nur Gegenstände? Da ist es doch nur konsequent, gleich den Menschen selbst mit einem Chip zu versehen. Wie das o. e. Schaf oder die o. e. Kuh! Wo liegt da noch der Unterschied? Ist es vielleicht genau das, was Merkel meint, wenn sie ein “höheres Tempo beim digitalen Umbau der Wirtschaft” fordert und wenn sie sagt: Die Zeit drängt? Als gegenüber nachweislich lügenden “Volksvertretern” äußerst misstrauisch eingestellter Mensch befürchte ich nämlich, dass genau so etwas gemeint sein könnte: Wahnsinn mit Methode!

Eine Antwort auf Wahnsinn mit Methode

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