(Alle Aufnahmen sind beim Draufklicken in groß in einem separaten Tab verfügbar.)

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Drei Wochen Fahrdienst liegen jetzt hinter mir. Zwei muss ich noch. Das schlaucht. Es waren auch drei Wochen, in denen ich nicht weiter rausgekommen bin. Entweder war ich zu kaputt oder das Wetter spielte nicht mit oder ich pflegte meine mittlerweile überstandene Lungenentzündung (die allerdings erst im Nachhinein und auf Druck von meiner besseren Hälfte diagnostiziert worden ist, weil ich ja nicht wegen jedem kleinen “Hüsterchen” zum Arzt renne und sich Bluthusten sowie Fieber schnell wieder gelegt haben). Allerhöchste Zeit, um mal wieder “im Busch” nach dem Rechten zu sehen. Vormittags, versteht sich. Denn der Nachmittag stand ja ganz im Zeichen des Rasens. Ich sag’s ja: Planieren, Beton drüber, ‘n paar Kübel grüne Farbe aus dem Baumarkt und Plastikblumen reinstecken. Das ist viel pflegeleichter! ;)

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Das Wetter spielt mit: Wir haben am Morgen hochsommerlich-subtropische +11°C (das “+” ist das Subtropische daran). Also ab in den Wald. Wohin? Rauf zum alten Bergwerk, dem Feggendorfer Stolln, denn da bin ich schon seit gut einem Vierteljahr nicht mehr gewesen. Erstmal geht es stramm bergauf. Mal sehen … Ich rechne zwar angesichts der frühen Stunde nicht wirklich damit, aber wenn schon Bergleute da sind, dann könnte ich vielleicht außer der Reihe einfahren. Meine Klamotten müssen ja ohnehin in die Wäsche. Die dürfen also ruhig schmutzig werden. Andernfalls werde ich einfach weitergehen, nämlich ganz rauf. Immer vorausgesetzt, dass der Jägersteig passierbar ist.

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Kurz vor dem Erreichen des Bergwerks ist eine neue Abraumhalde entstanden. Gegen eine Spende kann man dort in Absprache mit den Bergleuten Steine aller möglichen Größen zur Grundstücks- und Gartengestaltung mitnehmen. Das setzt natürlich ein stabiles und vor allem geländegängiges Fahrzeug voraus. Immerhin ist jetzt mal die Farbenpracht, die man sonst nur unter Tage in dem “schwarzen Loch” mit mitgebrachtem, richtigem Licht bewundern kann, bei Tageslicht zu sehen.

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Der Aufstieg hat geschlaucht. Oben am Stolln herrscht Ruhe; der Eingang ist verschlossen. Keiner da, also wird es nichts mit dem Unter-Tage-Ausflug. Auch gut, macht nichts. Ich genehmige mir erst einmal einen großen Schluck aus der Quelle des frischen Bergwassers. “Kein Trinkwasser”, steht dran, aber das juckt mich nicht. Das Schild besagt lediglich, dass dieses Wasser noch keine Aufbereitung erfahren hat. Und die paar Brunnenwürmer, die da vielleicht mit aufgenommen werden, sind hochwillkommene Proteine. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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Vom Stolln aus zieht sich der Jägerweg (oder “Jägersteig”, wie er im Volksmund auch genannt wird) weiter nach oben in Richtung Deisterkamm. Ein steiler und stellenweise nur schwer passierbarer Pfad. Weil hin und wieder Wasser aus dem Berg tritt oder Bergrutsche Teile des Pfades mitgenommen haben. Diese Stellen werden umklettert, was aber eigentlich ganz einfach ist.

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Zugegeben, manchmal kommen einem da auch Gedanken an den “Herrn der Ringe” und an die Treppe rauf nach Cirith Ungol in den Kopf. Oben wartet allerdings nicht Kankra (obwohl es da auch Höhlenspinnen gibt), sondern eine Wetterrösche, nämlich die Jägerrösche.

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Die Jägerrösche reicht schier endlos weit in den Berg hinein. Sie dient der Be- und Entlüftung des Bergwerks, ist also ein so genannter Wetterschacht. Lichte Höhe vielleicht so 0,8-1m – da kann man durchlaufen bzw. -kriechen, wenn geöffnet ist. Ist es aber nicht: Stille des Waldes.

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OK, also weiter in Richtung Ausgangspunkt den Schraubeweg entlang. Das werden dann summa summarum so rund zehn Kilometer werden, also ein ganz netter Rundgang und kein Weg aus der Welt. Am Wegesrand fallen die Brennnesseln auf, die voll in Frucht stehen. In früheren Zeiten hat man die Fruchtstände gesammelt, getrocknet, pulverisiert und zum Essen genommen. Als Vitamin- und Mineralstoffbombe ein echtes Kraftfutter von mehlig-grasartigem Geschmack (sollte man mal probiert haben), für das allerdings der Ausspruch von Crocodile Dundee gilt: “Man kann davon leben, aber es schmeckt beschissen.

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Immer nur auf dem Weg entlang ist langweilig und folglich schlage ich mich in die Büsche. Der Deister besteht aus lichtem Wald, vorwiegend Buchen. Wenn man sich die Karte eingeprägt hat, die Himmelsrichtungen kennt und berücksichtigt, dass Wasser immer bergab fließt, dann kann man sich eigentlich gar nicht mehr verlaufen. Außerdem gibt’s z. Zt. noch an den Stellen mit Dickicht Waldhimbeeren. Die schmecken deutlich aromatischer als Gartenhimbeeren.

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And this is my way … – irgendwann stoße ich wieder auf einen Weg. Übersichtlich und breit wie ‘ne sechsspurige Autobahn. Also richtig gut ausgebaut. Jedenfalls bis so ungefähr 1m Höhe. Darüber allerdings eher zugewachsen. Könnte folglich von Rehwild angelegt worden sein.

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Außerdem ist der Weg deutlich feuchter geworden. Jeder meiner Schritte wird skeptisch beäugt. Tausend Augen belauern mich und versuchen, sich zu verbergen. Klappt aber nur manchmal: Viecher, ich sehe euch!

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So nach zwei Stunden – es ist inzwischen 10:30 Uhr geworden – ist der Ausgangspunkt wieder erreicht. War schön und mal wieder dringend nötig, aber stellenweise auch auffallend dunkel. Mittlerweile füllt sich der Wald auch so nach und nach mit Menschen. Zeit für mich, um mich vom Acker zu machen. Zuhause Mittagessen kochen, weil meine Frau mit dem Wäschewaschen beschäftigt ist und am Nachmittag ist der Rasen dran. Drei Stunden lang! Anschließend ist ohnehin schon wieder Regen angesagt.

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