(Teil 5 dieses Reiseberichts ist HIER zu finden.)

Selbst auf die Gefahr hin, den einen oder anderen aus der Leserschaft mit diesem Reisebericht zu langweilen, mache ich dennoch mal damit weiter. Denn ich bevorzuge abgeschlossene Sachen und zwei Beiträge stehen in diesem Zusammenhang noch aus – nämlich dieser und ein Weiterer. Außerdem macht man ja auch nur einmal im Jahr Urlaub – wenn überhaupt! Jedenfalls, was meine Wenigkeit betrifft. Also weiter mit Fehmarn. Weiter mit einer ganz besonderen Gegend dieser Insel, wo man auf Wanderer, Naturliebhaber und Maler trifft und wo auch schon mal ein Taucher neben einem durch den Wald marschiert.

Ungefähr gegenüber von Wallnau, so rund zwanzig Kilometer Luftlinie entfernt und am Ostende der Insel, sieht die Küstenlinie völlig anders aus. “Steinkiste” nennt sich der Steilküstenbereich hinter Katharinenhof und diese Gegend besticht durch ihre atemberaubende, wildromantische Schönheit. Wir waren deswegen auch gleich zweimal da. Einmal mit den Rädern, die oben im Wald stehen blieben, um dann ein Stück in Richtung Süden am Steinstrand entlang zu wandern. Und einmal mit dem Auto, das auf dem Parkplatz stehen blieb, damit wir ein ganz gehöriges Stück in Richtung Norden wandern konnten. Dabei zeigte sich: Ein Kilometer Radweg oben in den Dünen entspricht am Strand und unmittelbar an der Wasserlinie entlang schon ziemlich genau vier Kilometern. Wir machten zwölf – über die Steine und über die abgestürzten Bäume. Der dadurch entstehende Muskelkater hatte was, echt jetzt! Aber es hat sich gelohnt. Ich will daher die folgenden Bilder hier nur mal kommentarlos einstellen – einfach was für’s Auge. Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab. Doch wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Deswegen bitte ich dringend darum, auch noch den auf die Bilder folgenden Textabschnitt zu beachten.

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Man kann an der Steilküste selbstverständlich Steine sammeln. Ob sich das lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden – einen Vergleich mit Rügen halten die Fossilien auf Fehmarn allerdings nicht mal annähernd aus. Und ungefährlich ist das Sammeln auch nicht; jedenfalls hatten sowohl unsere Vermieterin wie auch der NABU davor gewarnt. Denn in der Lübecker und Kieler Bucht und auch auf Fehmarn bestehen Gefährdungen durch Altlasten, sprich: Durch versenkte Munition. Konventionelle Munition – wozu aus mir unerfindlichen Gründen auch Weißer Phosphor zählt – hat man bis 1974 sowohl in die Nord- wie auch in die Ostsee gekippt. Auch missbrauchte man beide Meere im küstennahen Bereich zur “Entsorgung” von Chemiewaffen. Der Unterschied dabei: Die Nordsee bekam “nur” 90 Tonnen Chemiewaffen ab. Die Ostsee hingegen 5.000 Tonnen, und zwar vornehmlich Senfgas und Tabun.

Wenn derartiger, gemeingefährlicher Dreck über viele Jahrzehnte hinweg im Meer rumliegt, dann rostet die Ummantelung weg und der Inhalt verändert sich durch Alterungsreaktionen. Der Weiße Phosphor sieht dann aus wie Bernstein; er ist ihm sogar zum Verwechseln ähnlich geworden. Bis er trocknet. Bis er sich bei 20°C garantiert von selbst entzündet, dabei giftiges Phosphorpentoxid bildet (welches mit Wasser zu Phosphorsäure reagiert) und mit 1.300°C heißer Flamme verbrennt. Das löscht keiner. Das frisst sich in jedes Gewebe rein. Im genannten Gebiet (Lübeck-Kiel-Fehmarn) kommt es dadurch nachweislich zu einem Unfall pro Vierteljahr und manchmal entzündet sich eben auch Strandgut “aus heiterem Himmel”.

Das Tabun, ursprünglich eine ölige Flüssigkeit, wird im Seewasser und unter Druck fest, bräunlich und kann ebenfalls mit dem Bernstein verwechselt werden. Der Kontakt mit diesem Nervengas ist tödlich, zumal die äußere, feste Hülle i. d. R. nur aktives, unbeeinflusstes Material im Innern einschließt. Das gleichfalls ursprünglich flüssige Senfgas mutiert zu schwefelgelben, festen und wachsartigen Klümpchen, die aber hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit dem zugrunde liegenden Kampfstoff in nichts nachstehen – die man allerdings auch für Steine halten kann.

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Was zunächst wie ein Belemnit (Donnerkeil) und damit wie ein Fossil aussieht, kann in Wirklichkeit eine verrottete Treibladungspulverstange aus Nitrozellulose (ein Sprengstoff) oder Nitroglyzerinzellulose (mit Nitroglyzerin getränkte Zellulose) sein. Von zersetzungsbedingt abgegebenen, organischen Nitroverbindungen und deren Gefährdungen mal abgesehen im nassen und kalten Zustand weitgehend harmlos, aber dann … Ein vermeintlicher Stein, besonders dann, wenn er metallisch schimmernde Einschlüsse beinhaltet, kann in Wirklichkeit “Schießwolle” sein und ohne die metallischen Einschlüsse kann es sich um gealterte Pikrate handeln, ursprünglich Explosivstoff in Granaten und Minen. Oder eben um einen Stein – who knows? Das Problem mit Munitions-Altlasten haben nicht nur Kriegsgebiete von heute und aus jüngster Vergangenheit. Auch wir haben es, und zwar direkt vor der Haustür. Es spricht nur keiner darüber. Und was nicht berichtet wird, das ist ja bekanntlich auch nicht passiert … :(

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Stein mit metallischen Einschlüssen oder doch vergammelter Sprengstoff (Schießwolle) – das ist hier die Frage!

3 Antworten auf Über Fehmarn (6)

  • elfina sagt:

    das habe ich noch nicht gewusst worüber du schreibst mit den chemikalien in nord- und ostsee.
    das ist typisch mensch, was er verseuchen oder ksputtmachen kann wird auch zerstört warum auch nicht.
    es kräht wohl kein hahn danach.

  • Soeckchen sagt:

    Gibts denn wenigstens irgendwelche Hinweise auf Piraten und Störtebeker? Das kann doch net sein, dass so ne Lichtgestalt nirgends an Ost- und Nordsee Spuren hinterlassen hat. Gottes Freund und aller Welt Feind! :-) Den muss es gegeben haben, sonst würden doch nicht die Leute immer noch nach 600 Jahren von ihm erzählen. Stimmts?

    Passt mir an Ostsee bei vermeintlichem Bernstein auf! Das kann Phosphor aus dem 2. Weltkrieg sein, der wie Bernstein aussieht, sich aber in Taschen höllisch entzündet. Der entzündet sich schon bei eimem Grad über Körperwärme was in Hosentaschen schnell passieren kann und dann gibts bei Frauen Grillmuschi und bei Kerlen Spiegelei vom Feinsten. Meine tiefe kreisrunde Brandnarbe auf rechtem Oberschenkel ist von so ‘nem Teil und da half nur Jeans ausziehen und zugucken wie die in Flammen aufging und im Schlübber zum Campingwagen laufen (18km). Es sit bekannt, dass man in Nord- und Ostsee Chemiewaffen entsorgte. Wer das nicht weiss, ist in meinen Augen suppendoof. Die Tatsache der alten Kampfstoffe ergibt sich doch schon daruas, dass Nazideutschland von seiner Ost- und Nordseeküste die sogenannten Vergeltungswaffen V1 und V2 auf Coventry und London abschoss, die ersten Mittelstreckenraketen der Welt. Also das weiss man und wer das nicht weiss, war nicht kostenlos in der Schule, sondern umsonst, liebe “elfina”. Wenn ich als 25jährige Trine das weiss, dann sollte das ein Mensch mit über 50 gerade erst recht wissen. Oder habt Ihr alle in Eurem Leben geschlafen? Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie unwissend doch die meisten Wessis sind. Liegt vielleicht auch daran, dass die im “Wirtschaftswunder” immer nach Italien in Urlaub sind und schnell vergessen haben. Allgemeinbildung jedenfalls ist im Westen immer auf der Strecke geblieben.

    • Zur Ehrenrettung von elfina muss ich dazu sagen, dass derartige Infos hier im Westen früher … na ja, nicht gerade unterdrückt, aber doch zumindest nur “unter der Hand” und gerüchteweise weitergegeben worden sind. Deswegen wissen es tatsächlich sehr, sehr viele Leute nicht. Groß aufgebauscht wurde es dagegen, wenn mal in einem Schleppnetz oder so eine Mine oder Bombe mit an Bord geholt wurde. Doch über den Phosphor und über die chemischen Kampfstoffe deckte man mit einem vornehm gelogenen “nein, wir doch nicht” ganz bewusst den Mantel des Schweigens. Zu Störtebe(c)ker: Nein, auf Fehmarn keinerlei Hinweis. Warum auch? Er kam seinerzeit den Hamburger Pfeffersäcken gehörig in die Quere und sowas kann man doch nicht als Volkshelden feiern! Meinung wird von oben gemacht – schon immer!

      BTW: Eine m. E. ziemlich gute Störtebecker-Verfilmung findet sich unter https://www.youtube.com/watch?v=Uc-30_AFZXc (Teil 1) und unter https://www.youtube.com/watch?v=HgSh_wTKPDM (Teil 2).

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