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Vatertag. Das Tatü-Tata der RTWs und KTWs ist schon am Vormittag zu hören. Gröhlende Horden ziehen durch Ortschaft, Feldmark und Wald. War es früher nur der Bollerwagen mit obligatem Bierfässchen, der gezogen wurde, so muss es heute der kleine Gummiwagen mit aufgesetzter Brauerei und einer Musikanlage sein, die als bodengestützte Schallwaffe eigentlich schon unter die Kriegswaffengesetzgebung fällt. Zu allem Überfluss dröhnt aus den Lautsprechern dann auch noch Helene Fischer. Das ist so eine Art von fortgeschrittener Survival-Übung, denn wem davon nicht schlecht wird, der kann wirklich was vertragen! Die Meisten können es nicht und so benötigt man auch keine speziellen Kenntnisse des Spurenlesens, um anhand der Kotzspuren den Weg der Väter in spe nachvollziehen zu können.

Denn echte Väter finden sich eher selten darunter. Zumeist handelt es sich um Jugendliche oder Präpubertierende, die den Vatertag als offiziellen Anlass zum willkommenen Komasaufen betrachten. Und wenn die Verdauung erstmal den Rückwärtsgang eingelegt hat, dann passt ja umso mehr Nachschub rein, nicht wahr? Die Leber will ja auch beschäftigt sein und so lallt man mit schwerer Zunge: “Swischnleberunmilzpsstimmernochnpils!” Von Promille Alkohol im Blut redet da keiner mehr. Eher schon von Promille Blut im Alkohol und Trunkenheit am Klingeldeckel ist noch das kleinste Delikt. Die jüngeren Möchtegernplatzhirsche halten kaum bis zur Mittagszeit durch und die Notaufnahmen sind dann bereits überfüllt. Die erfahreneren Komasäufer lassen es langsamer angehen und sorgen zwischendurch für eine vernünftige Grundlage, bestehend aus schwarzverkokelter Bratwurst, verbranntem oder rohem Steak und vielleicht noch Schmalzbrot, damit sich das spätere Wettkotzen auch wirklich lohnt. Sie setzen mit ihrem eruptivem Auswurf farbige Akzente in der Königsklasse.

Ganz wichtig beim Vatertag ist auch das korrekte Outfit. Wer das nicht vorweisen kann, der gehört einfach nicht dazu! Shorts muss sein, bei jedem Wetter. Das T-Shirt mit einem Aufdruck, der vor vierzig Jahren schon veraltet war, versteht sich von selbst und dazwischen quillt unverkennbar eine unbedeckte Wampe hervor: Bier formte diesen unvergesslichen Körper! Gerne wird das auch noch mit Kniestrümpfen und Sandalen kombiniert, nicht zu vergessen ein möglichst blödig ausssehender Hut: Willkommen im Reich der Deppen und Vollidioten! Torkelnd und nur unzureichend vom Fahrradklingel-besetzten Spazierstock gestützt ist der erfahrene Vatertags-Vollpfosten daran zu erkennen, dass sein Gang einem Himmelfahrtskommando gleichkommt, während er selbst kaum noch dazu in der Lage ist, sich verständlich zu artikulieren. Vatertag, Vatertag – für die Leber wird das hammerhart! Ähnlich desolat verhält es sich mit seinem Gehör, so dass er leicht etwas falsch versteht und das anschließend mit Aggressivität beantwortet: Ein höhlenbewohnender Frühmensch wirkt dagegen geradezu geradezu zivilisiert.

Manch einer hält in der Feldmark das Wettpinkeln gegen einen Elektrozaun für eine grandiose Idee, bis er dann schlagartig eine gewisse Ernüchterung erfährt. Selbstverständlich schleppen die Väter in spe bergeweise Lümmeltüten mit sich rum, sind aber aufgrund ihres körperlich ziemlich desolaten Zustandes ohnehin zu keinerlei Reproduktion mehr fähig – sehr zum Gaudi der sie mitunter recht ausgelassen begleitenden Damen. In den Ortschaften hingegen zieht man von einer Kneipe zur nächsten und wer ausscheidet wird von seinen Kumpels – denen mittlerweile klar geworden ist, dass die Erde sich dreht – vor der Haustür abgelegt. Anders hingegen im Wald, denn da wird gewandert und geradelt, was das Zeug hält! Da dient der Vatertag noch der Körperertüchtigung. Logisch, dass derartige Extremsportarten durstig machen und so müssen selbstverständlich etliche Kisten Bier und Flaschen mit Hochprozentigem igendwie mehr schlecht als recht auf den Drahteseln verstaut werden. Der Trip erfolgt immer etappenweise, weil die Getränke ja wirklich sauschwer und somit schnellstmöglich zu beseitigen sind.

Wer noch kann schiebt schwankend sein Fahrrad und versucht, sich krampfhaft daran festzuhalten, dabei den ollen Newton wegen seiner Erfindung der Schwerkaft verfluchend: Saufen ersetzt Yoga! Wohl dem, der jetzt zu den Wanderern zählt, denn der hat es mit seinem Rollator, der anstelle der Sitzfläche mit einer Grillschale ausgerüstet worden ist und bei dem vorne auch ein Kasten Bier draufpasst, wirklich einfacher: The Walking Dad! Oder derjenige mit dem zum fahrbaren Grill umgebauten Kinderwagen. Die berittene Polizei organisiert anschließend den Abtransport der verfrüht Ausgeschiedenen. Je weiter der Vatertag fortschreitet, desto mehr trennt sich die Spreu vom Weizen. Es trinkt der Mensch; es säuft das Pferd, doch heute ist es umgekehrt! Irgendwann finden die Überlebenden der Gruppen aus Feldmark, Wald und Ortschaften wieder zusammen, meist spätabends. Die Gesichter sind röter, die Stimmen lauter und die Themen schlüpfriger geworden. Klar denken kann ohnehin keiner mehr und deswegen setzt so mancher auf schlagkräftige Argumente. In den Notaufnahmen sind jetzt weniger Alkoholvergiftete als mehr vermeintlich “Gestürzte” zu finden. So wird es Nacht und das Konzert der Grillen wird nur noch vom allgenwärtigen Schnarchen übertönt.

Anderntags meldet das Gehirn den Verlust der vom “Allohol” massenhaft abgetöteten Gehirnzellen. Glücklich derjenige, der sich für diesen Tag vorsorglich freigenommen und eine Klinikpackung Aspirin besorgt hat. Manch einer fragt sich auch “Wo bin ich?“, “Was bin ich?” oder “Wer bin ich?“, wenn er irgendwo in einem Gebüsch oder Sumpfloch liegend, nach Urin und Erbrochenem müffelnd erwacht oder wenn er eine nur leicht bekleidete, ihm völlig fremde, entfernt-menschenähnliche Gestalt neben sich vorfindet. Dann wird resümiert, was gestern eigentlich abgegangen ist und die letzte Erinnerung besagt, dass die anderen so besoffen waren, dss sie ihn dauernd fallen gelassen haben. Glücklicherweise aber zählt das Gehirn ja zu den Organen, die sich regenerieren können. Es braucht dazu bloß seine Zeit, nämlich ungefähr ein Jahr. Dann kommt der nächste Vatertag!

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Eine Antwort auf Vatertag

  • Soeckchen sagt:

    Na die meisten, wenn nicht sogar alle dieser Säufer werden gar nicht wissen was Christi Himmelfahrt überhaupt ist und wieso dieser Tag später und heute als “Herrentag”, “Vatertag”, “Männertag” gefeiert wird.

    Seit dem vierten Jahrhundert feiern die Christen 40 Tage nach Ostern “Christi Himmelfahrt”. Biblische Grundlage ist neben dem Markus- und Lukas-Evangelium das erste Kapitel der Apostelgeschichte im Neuen Testament. Dort steht, dass der nach seiner Kreuzigung vom Tod auferstandene Jesus Christus vor den Augen seiner Jünger “aufgehoben” wurde: “Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.” (Apostelgeschichte 1,9) Christi Himmelfahrt wird am 40. Tag der Osterzeit, also 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag.

    In traditioneller Theologie gibt es eine deutliche Abgrenzung zum Osterfest, an dem die Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach seinem Tode gefeiert wird. Jesus stieg nach seinem Kreuzestod zunächst in ein “in der Tiefe” lokalisiertes Jenseits hinab (“hinabgestiegen in das Reich des Todes”), aus dem er am dritten Tage wieder zu den Lebenden auferstand. Die Himmelfahrt Jesu bezeichnet demgegenüber das später folgende Ereignis, dass Jesus leiblich ins Jenseits gelangte, ohne (nochmals) zu sterben und ohne einen Leichnam zurückzulassen. Bei dieser Himmelfahrt stieg er in ein “in der Höhe” gelegenes Jenseits auf. Hält man sich an die einzige konkrete Zeitangabe in der Bibel, so vergingen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt 40 Tage (Apostelgeschichte 1,3.9), wenngleich auch Lukas-Evangelium 24,51 eine Himmelfahrt am Ostertage nahezulegen scheint. Daher wird das Fest Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern gefeiert.

    Das Grundereignis ist der Sieg. Gott zieht seinen Sohn heraus und empor. Dies ist ein Triumph über alle Mächte dieser Welt, ein Triumph, an dem alle Christen Anteil haben.

    Im Umfeld des Himmelfahrtstages finden an vielen Orten Prozessionen durch Felder oder Weinberge statt, in denen die Gläubigen um ein gutes Erntejahr beten. Schon seit dem 17. Jahrhundert gibt es Berichte darüber, dass diese Umzüge in manchen Gemeinden ihren religiösen Sinn verloren und in Trinkgelagen endeten.

    Daraus entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert in manchen Großstädten so genannte “Schinkentouren”. Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen. In den 1930er Jahren propagierten holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger dann am Himmelfahrtstag den “Vatertag” als Gegenstück zum etablierten Muttertag.

    2008 fiel Christi Himmelfahrt auf den “Tag der Arbeit” (1. Mai). Dies passiert aber nur sehr selten, zuvor im Jahr 1913 und nach 2008 erst wieder 2160.

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