betreuung
Eine der üblichen Verletzungen durch meine geistig behinderte Schwägerin (diese hier v. 27.07.2017 und heute ging sie mit ‘ner Spatengabel auf mich los).

Alte und geistig behinderte Menschen machen es einem nicht einfach; das sehe ich tagtäglich zuhause. Da ist Schwiegermutter, ihres Zeichens dement und 80 Jahre alt. Aber nicht entmündigt, obgleich ich sie (und beileibe nicht nur ich allein!) mittlerweile für unzurechnungsfähig halte. Sie ist durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) begutachtet worden. Da sie nicht entmündigt worden ist, sollte lt. ihrem Wunsch kein Angehöriger bei der Begutachtung mit dabei sein. Im Endeffekt ist dabei rausgekommen: Pflegegrad 1, weil sie angeblich fast gesund ist. Zumindest gemäß der Märchen, die sie, seit Jahren in ihrer Traumwelt lebend, dem MDK erzählt hat. Erst dann, als ich ganz massiv damit drohte, sie das konsequenterweise wirklich alles alleine machen zu lassen, was sie schon seit Jahren nicht mehr auf die Reihe kriegt, da willigte sie in den Widerspruch gegen die Einstufung ein. Der läuft jetzt. Ansonsten verhält sie sich durch und durch unkooperativ und wird auch gerne mal laut und ausfallend. Das nennt sich dann verbale Aggression.

Da ist mein Schwiegervater mit seinen 85 Jahren, altersstarrsinnig, vergesslich, inkontinent, herzkrank, schwer gehbehindert mit viel zu hohem Blutdruck und Diabetes, ein Strich in der Landschaft. Seine Medikamente verweigert er. Essen und Trinken lehnt er ab; das Duschen bzw. überhaupt Körperpflege häufig genug ebenso. Er benötigt permanent (beim Aufstehen, Hinsetzen, Toilettengang usw.) Hilfe. Ein sinnvolles Gespräch mit ihm ist nicht mehr möglich. Kooperation ist für ihn ein Fremdwort. Um ihn kümmern wir uns. Und seine demenzkranke Frau, die selbst ein Pflegefall ist, behauptet auch, sich um ihn zu kümmern. Was aber schon seit Jahren nicht mehr der Fall ist. Er ist in Pflegegrad 1 eingestuft und sträubt sich mit aller Kraft gegen eine Höherstufung. Entmündigt ist auch er nicht. Nach wie vor ist dieser Pflegefall offiziell Betreuungsperson und Vormund für die geistig schwerbehinderte Tochter.

Da ist meine geistig schwerbehinderte Schwägerin, 58 Jahre alt, die mir tagtäglich vor Augen führt, was Masern im Kleinkindalter anrichten können. Ihre Aggressivität nimmt geradzu stündlich zu und wenn sie mich mal zwei Tage pro Woche nicht angreifen sollte (weil sie sich ein anderes Opfer sucht), dann kann ich das getrost schon rot im Kalender ankreuzen. Wasser hasst sie wie die Pest und das riecht man selbstverständlich auch. Jeder Versuch zur Körperpflege (allein schon der Kleidungswechsel) wird mit hemmungsloser Aggression beantwortet. Jeder Versuch, sie zur Ordnung zu rufen, selbstverständlich auch. Sie benutzt zum Angriff, wenn das in ihrer Reichweite liegen sollte, auch gerne Messer, Schere oder Gabel. Ansonsten tun es aber Kratzen, Beißen, Spucken und das Verschmieren von Exkrementen auch. Sie ist übrigens stuhl- und harninkontinent. Sie ist nicht nur nach meiner Meinung längst schon ein Fall für die Geschlossene, denn sie ist abolut und vollkommen unberechenbar geworden. Sie ist völlig unselbständig und das ärztliche Attest spricht von “grenzwertiger Debilität” in Verbindung mit epileptischen Krampfanfällen. Das sind die Aggressionsanfälle. Ihr Pflegegrad soll, wie mir gesagt wurde, bei 3 liegen. Doch dem Vormundschaftsgericht gegenüber hat Schwiegervater seit Jahrzehnten falsche Angaben gemacht, so dass sie (obwohl sie nicht mal richtig sprechen kann) auch schonmal Post vom Jobcenter erhielt. Um diesen Pflegefall kümmert sich Pflegefall Schwiegervater. Offiziell jedenfalls. Real haben das meine Frau und ich auch noch an der Backe.

Die zuständige Krankenkasse ist schriftlich und mehrfach über die Zustände informiert worden. Daraufhin erfolgte keinerlei Reaktion. Aussitzen ist ja auch billiger – Schema: “Seht doch gefälligst selbst zu, wie ihr zurecht kommt!” Deswegen habe ich mich jetzt mal schlau gemacht, wie das mit Betreuung und so aussieht. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Es sieht beschissen aus! Meine Frau und ich können die Pflege von drei pflegebedürftigen Personen nicht sicherstellen, zumal wir obendrein noch beide berufstätig sind. Damit rücken die Pflegeeinrichtungen ins Blickfeld, und zwar Heimunterbringung für meine Schwägerin und Tagespflege für meine Schwiegereltern.

In Bezug auf meine Schwägerin müsste mein Schwiegervater in seiner Funktion als Vormund eine neue Begutachtung anstrengen. Was er niemals tun wird, denn die führt zwangsläufig zur Heimunterbringung. Die Heimunterbringung dürfte dennoch in absehbarer Zeit erfolgen. Wenn sie nämlich jemanden – im günstigsten Falle, an Tote will ich gar nicht erst denken – so angegriffen hat, dass der oder die Betreffende verletzt liegenbleibt und die Polizei aufgrund der Körperverletzung ermitteln muss. Und ich für meinen Teil verspüre keinerlei Hemmungen mehr, im Fall der Fälle auch die Polizei zu rufen. Die Klapse ist ihr dann sicher.

Problematischer wird es mit den Tagespflegeeinrichtungen. Erstmal haben die alle eine Warteliste. Dann sieht es so aus, dass man für den Besuch einer Tagespflege (Tagespflegeeinrichtungen betreuen pflegebedürftige Menschen, die aufgrund körperlicher, geistiger oder seelischer Beeinträchtigungen nicht oder nicht mehr in der Lage sind, tagsüber allein in der Wohnung zu bleiben) zwar nicht an einen Pflegegrad gebunden ist, man aber selbst zahlt, wenn kein Pflegegrad da ist. Die Nachfrage bei der Krankenkasse hat ergeben, dass die überhaupt erst ab Pflegegrad 2 einen Zuschuss zahlt. In welcher Höhe und so, das wurde nicht mitgeteilt, denn dazu ist eine Einzelfallberechnung vonnöten. Das allerdings setzt voraus, dass die nicht entmündigten, betroffenen Personen selbst Anträge auf Hochstufung und Nutzung einer Tagespflege stellen. Es setzt auch Kooperation voraus. Und wenn beides nicht gegeben ist? Dann bleibt alles beim Alten. Bestenfalls eine Sozialstation kann versuchen, die schlimmsten Verwahrlosungen abzumildern.

Irgendwas in der Richtung droht uns jetzt. Wie lange es dann dauern wird, bis das Sozialamt aufmerksam wird, vermag niemand zu sagen. Übrigens: Die Entmündigung wurde mit dem Betreuungsgesetz abgeschafft und durch die rechtliche Betreuung ersetzt. Letztlich ist das aber irgendwo unter dem Strich so ziemlich das Gleiche. Das kann von Amts wegen angeordnet werden (die Betreuungsanordnung erfolgt in einem gerichtlichen Verfahren) und mündet in einer Heimunterbringung, bei der das Sozialamt die Kosten trägt. Allerdings erst dann, wenn wirklich gar nichts mehr geht. Dabei müsste es im Grunde genommen gar nicht dazu kommen, wenn eine frühzeitig informierte Krankenkasse entsprechend handeln könnte und würde. Aber das geschieht nicht, stattdessen lässt man es laufen, bis es zum Äußersten kommt: Betreuungswüste Deutschland! Denn selbst wenn man als Angehöriger frühzeitig helfen will, dann geht das rein rechtlich gegen den Willen der Betroffenen nicht!

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