Ihr kennt das sicherlich: “Ihr Datenvolumen für diesen Monat ist aufgebraucht. Sie surfen ab sofort mit reduzierter Geschwindigkeit.” Diese absolut widerliche Meldung vom Provider, die immer dann kommt, wenn bei einer Flatrate gedrosselt wird und die keiner haben will. Wobei das eigentlich schon eine Verarschung an sich ist, denn die so genannte “reduzierte Geschwindigkeit” bezieht sich i. d. R. auf 64 Kbit/s u. d. h. Surfen ist damit im Grunde genommen bereits vollkommen ausgeschlossen. Wovon kommt das? Es kommt daher, dass der gebuchte Tarif zuwenig freies Datenvolumen bereit stellt. Wer mit seinem Smartphone mehr macht als nur telefonieren, SMS tippern, Mails abfragen und ein paar PNs loszulassen und das Ding ansonsten nur im WLAN verwendet, der stößt mit dem üblichen 500-MB-Minimum ganz schnell an seine Grenzen, denn Surfen und Streamen mit den o. e. 500 MB provozieren die eingangs angeführte Meldung binnen weniger Tage.

Aber auch ein bewusst sparsamer Umgang mit dem verfügbaren Datenvolumen u. d. h. die vorwiegende Verwendung des Smartphones im WLAN (im WLAN fällt kein Verbrauch vom vertraglich vereinbarten Datenvolumen an) und außerhalb des WLANs der Verzicht auf Surfen und Streaming schützt nicht unbedingt vor der leidigen Drosselung, denn bspw. das Google-Navi, eine sich selbst aktivierende Google-Play-Music-App sowie Apps, welche permanent den Standort erfassen wie bspw. Blitzer.de sind nicht nur Energie-, sondern auch Volumenfresser. Wenn dann aber besagte Meldung erst einmal gekommen ist, dann taugt das Handy eigentlich bis zum nächsten Monat nur noch zur Offline-Verwendung (Telefon und Messenger einmal ausgenommen), also zum Abspielen von lokal vorgehaltenen MP3s, Filmen und Bildern oder als Reader für (PDF-) eBooks. Warum ist das so?

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Die deutschen Handytarife zählen mit zu den teuersten Tarifen der Welt, wenn man sich einmal das dem “dummen Kunden großzügig zugestandene” Datenvolumen ansieht. Denn das ist wirklich auffallend mickrig; in Europa ist lediglich Ungarn noch teurer, Finnland hingegen fünfzig- und Frankreich zwanzigmal billiger. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend, nämlich die technische Infrastruktur und das satte Abkassieren. Je mehr Datentarif-Nutzer auf ein- und dieselbe Mobilfunkantenne zugreifen, desto weniger Bandbreite (d. h. Highspeed-Internet Geschwindigkeit) steht jedem einzelnen Nutzer zur Verfügung. Deswegen wird gedrosselt. Dann kan man mehr Nutzer mit einer Antenne versorgen. Das ist der technische Grund. Aber: Als Hans Eichel in Deutschland die UMTS-Lizenzen versteigern ließ, da mussten sich die Lizenznehmer ein System ausdenken, um mit möglichst wenig technischem Aufwand einen möglichst großen Reibach zu erzielen.

Diesen Reibach versprach die Reduzierung des Datenvolumens. Funktioniert so: Man macht dem Kunden das Angebot eines Super-Duper-Nonplusultra-Vertrags, so dass der gar nicht nein sagen kann. Doch im Kleingedruckten des Vertrages versteckt sich die Begrenzung des Datenvolumens und wer verfügt schon über hinreichene Fachkenntnisse, um die Falle zu bemerken? Ergo schließt der Kunde den Vertrag ab, freut sich ein paar Tage lang, erhält die Drosselungsmeldung und beginnt zu fluchen. Um ihm “entgegen zu kommen” bietet man ihm das kostenpflichtige Zubuchen von weiterem Datenvolumen an. Das ist ungefähr so, als würde man einen Neuwagen kaufen, bei dem zum Grundpreis nur erster und zweiter Gang benutzt werden können. Wer den dritten, vierten oder gar fünften Gang verwenden will, der muss draufzahlen, so lange er das Auto fährt.

Wenn das alle machen (und es machen alle!) und wenn man das über einen jahre- oder jahrzehntelangen Zeitraum macht (und das machen auch alle!), dann kann man mit einem Minimum an Technik, welche nie erweitert werden muss, den Kunden wie eine Milchkuh melken und bekommt hinterher die Kosten für die UMTS-Lizenzen mindestens doppelt und dreifach – eher noch viel mehr – wieder rein. Und so lange das alles so wundervoll zugunsten der Wirtschaft – Merke(l): “Die Wirtschaft dient uns allen!” – läuft wird sich das auch niemals ändern. Das Nachsehen hat der deutsche Kunde. Der zahlt. Während der Finne und der Engländer und der Österreicher sich über den blöden Deutschen schlapp lachen.

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Was kann man dagegen tun? Ursächlich und (sehr) langfristig den unverschämten Abzockern die Unterstützung durch das richtige Kreuzchen auf dem Wahlzettel entziehen. Symptomatisch und kurzfristig bewusst sparsam mit dem zugestandenen Datenvolumen umgehen. Tipps dazu sind HIER und HIER zu finden. Im Netzbereich der Telekom hilft (unter Android) aber noch eine kleine und kostenlose App weiter, nämlich “Datenvolumen Telekom“.

Die macht nichts weiter als außerhalb des WLANs das bereits verbrauchte Datenvolumen, das insgesamt bis zur Drosselung zur Verfügung stehende Datenvolumen und die noch verbleibende Zeit des Monats anzuzeigen – ein simples Messgerät, welches ohne Zugriffsberechtigungen auskommt. Wenn man das runterlädt und öfter mal draufguckt, dann kontrolliert man schonmal seinen eigenen Verbrauch an Datenvolumen. Wenn man darüber hinaus noch zu den Zeiten, an denen das Handy nicht losquäken soll, den Flugmodus einschaltet und das Ding vielleicht nur offline als MP3-Player verwendet, dann reduziert man sogar seinen eigenen Verbrauch. Das kann bspw. dann sinnvoll sein, wenn man für eine Fahrt in den Urlaub reichlich Datenvolumen für das Google-Navi oder für Blitzr.de einplanen muss. Nur das Zurückschalten in den Online-Modus im Bedarfsfalle darf man nicht vergessen.

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