Beim Fahren in der vergangenen Woche hörte ich im Radio so einen NDR1-Beitrag über ein neues und kostenloses Browsergame namens “Fake It To Make It” von der “Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung“. Nun interessieren mich Computergames zwar nur herzlich wenig, doch ich nahm mir in Anbetracht der Lobpreisungen durch den Rundfunk vor, mir das einmal genauer anzusehen. Ergo suchte ich das Spiel – es ist aus welchem Grunde auch immer ziemlich gut versteckt worden – und testete es mal an. Dabei entstand bei mir persönlich ein doch sehr zwiespältiger Eindruck u. d. h. den Lobeshymnen aus dem eingangs erwähnten Radiobeitrag vermag ich mich nun wirklich nicht anzuschließen.

pgame

Zunächst mal zur Spielidee und zum Spielverlauf: Jemand – der Spieler – will eine größere Anschaffung tätigen und es fehlt ihm dazu am nötigen Kleingeld. Deswegen erstellt er eine eigene Internetseite (die Ähnlichkeiten mit einem Blog sind unverkennbar und wahrscheinlich beabsichtigt) und kopiert dort kostenpflichtige Artikel aus dubiosen Quellen hinein. Besagte Artikel werden anschließend über Social Media Kanäle verlinkt und verbreitet (die Ähnlichkeiten mit Facebook und Twitter sind unverkennbar und wahrscheinlich auch beabsichtigt), wobei es für Likes und Shares Einnahmen gibt. Der Spieler startet mit einem gewissen – geringen – Grundkapital und hat im Zuge der Erstellung besagter Internetseite Kosten. Er kann zwar einen ihn begleitenden, virtuellen Assistenten anpumpen, muss dem das Geld aber hochverzinst wieder zurück zahlen. Das zwingt ihn dazu, binnen Rekordzeit jede Menge an Fake News in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, damit schnell Geld in die Kasse zu kommt. Nach der ersten Anschaffung kommt die zweite, dann die dritte usw. – open end. Das Spiel besticht nicht gerade durch Action (obwohl immer innerhalb einer gewissen Zeitspanne zu handeln ist) oder durch eine super aufgemachte Grafik, sondern vielmehr dadurch, dass man überlegen muss, was man wo teilt bzw. verlinkt, um ein Maximum an Einnahmen zu erzielen. Wobei schnell klar wird: Ohne das Anpumpen des lachenden Dritten (d. h. des virtuellen Assistenten, der im Spielverlauf Druck auf den Spieler ausübt) geht gar nichts. Mit anderen Worten: Der Spieler lässt sich von dieser Person lenken. Die Spieldauer ist offen.

So, und nun zur Kritik. Es gibt Pro und Contra. Das Pro ist schnell abgehakt: Das Spiel simuliert die Verbreitung von Fake News in sozialen Medien recht gut und auch realitätsnah. Zumindest bei mir (PC mit FF) lief es flüssig und ohne technische Störungen. Nun zum Contra und da weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, wo ich eigentlich anfangen soll. Beginnen wir mal damit: Das Spiel vermittelt den Eindruck, dass in sozialen Netzwerken ausschließlich Fake News aus Gründen der Gewinnsucht Einzelner geteilt werden und dass Social Media User schlicht naiv sowie ungebildet, um nicht zu sagen allesamt blöd, sind. Ferner bilden einige restlos weltfremde Internet-Vorurteile von unbeleckten #Neuland-Politclowns offensichtlich die Grundlagen der ganzen Geschichte, als da wären:

1. Private Blogs und Internetseiten erreichen nur dann ein breites Publikum, wenn sie über eine Hauptdomain und nicht über eine Subdomain erreichbar sind.
2. Kostenlos gibt es im Internet gar nichts.
3. Auf privaten Blogs und Internetseiten erscheinen ausschließlich Kopien von Artikeln aus dubiosen, um nicht zu sagen unseriösen, Quellen.
4. Die Besucher solcher Seiten wie auch die User von sozialen Netzwerken übernehmen all das völlig unreflektiert und machen es sich zu eigen.
5. Mit Likes und Shares wird ziemlich schnell das ganz große Geld verdient.
6. Hinter in Social Media verlinkten Artikeln stehen ausschließlich egoistische, finanzielle Interessen von denen, die das veröffentlichen.
7. Es wird suggeriert, dass nur Beiträge aus den offiziellen Medienkanälen seriös und korrekt sind.
8. Es wird suggeriert, dass alle anderen Beiträge Fake News sind.
9. Die Betreiber privater Seiten sind unfähig, eigene Beiträge zu schreiben.
10. Es gibt immer einen großen Unbekannten im Hintergrund, der andere für sich Fake News verbreiten lässt und dadurch ganz fett absahnt.

Und das ist letztlich eigentlich das, was mit diesem Spiel unter die Leute gebracht wird – zumindest aber unter die, die vom Internet keine Ahnung haben und es so sinnentleert wie die heimische Glotze benutzen. Das dürfte aber leider die Mehrheit sein! Allein schon, wenn ich mir mein eigenes Blog angucke, habe ich aufgrund der obigen zehn Punkte allen Grund, ausgesprochen wütend zu sein – da mein Blog (als nur eines von unglaublich vielen) das exakte Gegenteil belegt! Außerdem: Wer schonmal versucht hat, im Internet mit einem privaten Blog Einnahmen zu erzielen (und ich weiß dabei verdammt genau, wovon ich spreche, denn ich habe ja schon gesponsorte Beiträge gebracht), der weiß, was für ein verflucht hartes Brot das ist und dass man davon keinesfalls leben kann geschweige denn reich wird. Wenn man das alles berücksichtigt, dann hat “Fake It To Make It” mit politischer Bildung herzlich wenig zu tun – dafür aber sehr viel mit erstklassiger staatlicher Propaganda, über die ein Herr Gobbels oder ein Herr Herrmann sowie diverse Führer totalitärer Regime entzückt gewesen wären. Weil hier pikanterweise ein auf Fake News basierendes Spiel über Fake News entstanden ist – der Steuerzahler finanziert’s ja!

Fazit: “Fake It To Make It” ist einerseits ein kostenloses Browsergame, welches die Verbreitung von Fake News realitätsnah und technisch ausgereift simuliert. Andererseits aber ist es m. E. auch ein ziemlich ausgefeiltes Instrument staatlicher Propaganda zur Manipulation der Spieler im Sinne der Führung. Gäbe es das Dritte Reich oder die DDR noch heute, dann würde dieses Spiel geradezu als Lehrbuch-Beispiel für die Weiterentwicklung von subtil-perfider Propaganda herhalten können. Das es das Spiel in dieser Form aber in einer so genannten “Demokratie” gibt, ist an sich schon irgendwie bezeichnend … Spielt es ruhig, denn es ist wirklich interessant! Aber behaltet den Propaganda-Aspekt dabei IMMER im Hinterkopf!

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