Aus gegebenem Anlass – weil kürzlich ein Gespräch darauf kam – will ich hier mal wieder eine kleine Geschichte erzählen. Es handelt sich um eine wahre Geschichte aus der bundesdeutschen Arbeitswelt. Ich veröffentlichte diese Story bereits 2013 in meinem eBook “Abgestrampelt! – Wie Minijobber ausgebeutet werden” und war mir ziemlich sicher, dass ich das hier im Blog schonmal gebracht hatte. Die Suche danach verlief allerdings ergebnislos – folglich muss die Veröffentlichung wohl doch schon im meinem alten und nicht mehr existenten Blog “Quergedacht! v2.0″ erfolgt sein. Egal. Denn da derartige Machenschaften mit absoluter Sicherheit auch heute noch vorkommen, hat die Geschichte nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Was zum Lesen und Nachdenken für graue Tage …
_______________________________

2009: Sportstätten-Aufsicht

Ich erfuhr durch Buschrommelkontakte (weil man als Arbeitsloser und als Minijobber ja nichts unversucht lässt und selbst die Todesanzeigen in den Zeitungen nach potenziell frei gewordenen Jobs durchsucht), dass in einer verkehrsgünstig gelegenen Eishalle Mitarbeiter als Sportstätten-Aufsicht gesucht wurden. Der Lohn sollte sich auf 9 Euro pro Stunde belaufen. Deswegen rief ich deren Chef an. Der tat sehr abweisend und erzählte mir, er habe schon 38 Bewerbungen vorliegen und bräuchte niemanden mehr. Hääähhh? Bei nicht offiziell ausgeschriebenen Jobs? Leck mich doch! Gut – Thema durch, dachte ich. Ich war gerade zuhause beim Tapeten an die Wand pappen, als das Telefon klingelte. In zwei Tagen – es war Anfang November – sollte ich mich abends um 20:00 Uhr in der Eishalle einfinden, wenn ich noch interessiert wäre. Ich ging hin.

Der Boss dieser Sportstätte präsentierte mir (ohne mich zu kennen) einen Arbeitsvertrag, befristet bis Saisonende im Februar: Eine Tätigkeit als Eishallenaufsicht, 66 Stunden im Monat und zu sechs Euro die Stunde vergütet. Ein 400-Euro-Job. Besser als gar nichts. Ich unterschrieb. Die Arbeit fing sofort an, noch am gleichen Abend, nämlich mit einem Erste-Hilfe-Kursus zum Thema Eisrettung. Auch gut; das Meiste kannte ich ohnehin schon durch meine langjährige Tätigkeit als betrieblicher Ersthelfer. Zwei Tage später die Eröffnung und ich lernte so nach und nach die Kollegen kennen: Werner, den Hausmeister. Gerd, den Eismeister. Rosi und Heidi an der Kasse. Alles “alte Hasen”. Dazu die anderen Aufsichten, nämlich Tom, Tina, Biggi und Dankwart. Zuletzt noch Günni als langjährigen technischen Betriebsleiter. Nach anfänglich misstrauischem Beschnuppern rauften wir uns ganz gut zusammen. Nur Heidis ruppig-unfreundliche Art war sehr gewöhnungsbedürftig. Als Ende November das Geld nicht kam und sich Dankwart und Heidi auch noch verkrachten – man muss dazu sagen: Dankwart hatte das Arbeiten nicht gerade erfunden und Heidi ihm dazu ihre Meinung gegeigt – da schmiss Dankwart alles hin und kündigte mit den Worten “Diesen Kindergarten hier tue ich mir nicht mehr an!” Von jetzt auf gleich. Günni entschied, dass er nicht ersetzt werden sollte. Ich ließ mich breitschlagen, den Job zusätzlich zu meiner eigenen Schicht noch zu übernehmen, denn ich brauchte das Geld dringend. Damit aber wurde für uns verbleibende Aufsichten die 400-Euro-Grenze überschritten. Ich sprach Günni darauf hin an und er meinte nur abwiegelnd, dass sich dafür schon irgendeine Lösung finden würde, notfalls eine Auszahlung nach Saisonende, hinten dran gehängt.

Die Lösung fand sich aber nicht und unser Geld kam auch nicht. Günni sorgte dann dafür, dass wir wenigstens einen Vorschuss erhielten. Es kam die erste Abrechnung (die von Seiten einer kommunalen Verwaltung gemacht wurde) und die war ein schlechter Witz: Man hatte den 400-Euro-Job vollkommen vertragswidrig voll versteuert. Und auch nur 400 Euro abgerechnet, nicht aber die tatsächlich geleistete und weit darüber hinaus gehende Arbeit. Wir gingen auf die Barrikaden. Alle. Man speiste uns mit einem EDV-bedingtem Buchungsfehler ab und sagte uns eine Abrechnungskorrektur zu. Anfang Dezember schied Gerd dann krankheitsbedingt und endgültig aus (er war weit über Siebzig und litt an Lungenkrebs). Es wurde dringend ein neuer Eismeister gebraucht. Günni bat mich inständig, den Job zusätzlich zu Dankwarts Aufsichtszeit auch noch zu übernehmen, weil ich am dichtesten dran wohnte, folglich auch am schnellsten vor Ort sein konnte und es kein anderer machen wollte. Wohl war mir bei der Bedienung der Eismaschine nicht.

Ein Sechs-Tonnen-Monster, über das man nicht hinweg sehen konnte, mit dem aber millimetergenau gefahren werden musste: Nach Gefühl! Egal – ich lernte es und machte es. Jede Stunde wurde aufgeschrieben und sollte bezahlt werden. Das Fahren von dem Ding war die eine Sache. Die simultane Eismaschinenbedienung eine ganz andere. Aber ich packte das. Und die Eislaufprofis des Sportvereins waren immer froh, wenn ich das Eis gemacht hatte – es war dann glatter und härter. So “wettkampfmäßig”. Warum weiß ich auch nicht. Ich lernte in dieser Zeit aber viel über die Physik des Eises: Eine Welt für sich. Es gibt über 200 verschiedene Arten von Eis und nur einige davon eignen sich auch zum Eislaufen.

Ende Dezember schied Werner krankheitsbedingt aus. Er hatte sich in der Halle über die Jahre hinweg Wirbelsäule und Knie kaputt gemacht. Da er mich in die Bedienung der Eismaschine eingewiesen und ich ihm beim Hausmeisterjob geholfen hatte, lag es nur nahe, dass ich jetzt auch noch den Hausmeister machte. Ich kloppte Stunden ohne Ende; eine 7-Tage-Woche ohne jegliche Pausen. Auch Weihnachten, auch Feiertags, auch Samstags und Sonntags. Keinerlei Urlaub, keine freien Tage: Ich war immer da. Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich in der Halle übernachten würde. Ständiger Sechzehn-Stunden-Tag bei minus 5°C Luft- und minus 10°C Bodentemperatur. Konnten auch schon mal achtzehn Stunden werden; das passierte häufiger. Jedenfalls war ich immer froh, wenn ich das Schlachtfeld nach Ende meiner Arbeitszeit (der Arbeitszeit von vier Personen!) verlassen und zuhause halbtot ins Bett fallen konnte.

Der Weg rund um die Bahn maß gut zweihundert Meter und musste stündlich unzählige Male zurückgelegt werden. Das bedeutete Tag für Tag auch zig Kilometer bei Kälte und Eis. Das bedeutete Reparaturen, Aufsicht, Schlittschuhausgabe, Erste Hilfe bei Gehirnerschütterungen, Knochenbrüchen und Amputationsverletzungen (weil Schlittschuhkufen scharf wie ein Rasiermesser sind und wessen Finger darunter geraten …). Das bedeutete Jogging mit dicker Winterbekleidung, Toilettenreinigung, Zuständigkeit für Dekoration sowie Sitzgelegenheiten bei Veranstaltungen, Müllentsorgung, Containerabwicklung, Störungsbeseitigung usw. Besonders schwierig war es immer, quadratmetergroße Blutflecken von der Eisfläche zu entfernen, damit die Gäste nicht verschreckt ausblieben. Gerade Kopfwunden, abgefahrene Finger und gebrochene Nasen verursachten jedes einzelne Mal eine unglaubliche Schweinerei.

Die meisten Menschen haben vom Eislaufen vollkommen falsche Vorstellungen, weil sie die Bahn immer nur für kurze Zeit besuchen. Wenn man aber permanent anwesend ist, dann kommt einem irgendwann zu Bewusstsein, wie oft man Bewusstlose vom Eis bergen muss. Oder wie oft – nämlich mehrmals täglich – der Rettungswagen vorfährt. Mit den Rettungssanitätern stand ich seinerzeit auf du und du und fragte die, ob sie nicht gleich eine Zweigstelle an der Bahn aufmachen wollten. Nach meiner Erfahrung – und die habe ich in dem Job sehr intensiv gemacht – ist Eislaufen eine einzige, gigantische Risikosportart. Gefährlicher noch als Bungee-Jumping oder Drachenfliegen oder Kampfsport.

Ich engagierte mich – denn man köderte mich mit einer unbefristeten Festanstellung. Rechtlich war das alles vollkommen unzulässig. Aber ich brauchte das Geld! Vom Hausmeisterjob hatte ich völlig falsche Vorstellungen. Das war nicht nur Stress hoch drei, das war auch dreckig, dreckig, noch mal dreckig, unappetitlich und widerlich. Blut, Kotze, Scheiße, Pisse, Schimmel – alles musste ich beseitigen, teilweise die angefrorenen Lachen mit einem Behelfsspachtel abkratzen. In den Damentoiletten waren gebrauchte Monatsbinden von betrunkenen Frauen dekorativ an die Wände geklebt worden. Und Arbeitsmittel gab’s nicht; was ich brauchte, das hatte ich selbst beizusteuern. Mitunter allein und ungesichert in vier Metern Höhe rumturnen, Gruppen von geistig behinderten Menschen, die einen Ausflug zur Eisbahn machten, betreuen (was sehr viel Einfühlungsvermögen voraus setzte) usw. Inklusive so einer Art von Gebäudereinigung im Akkord. Kam noch die Logistik der Ver- und Entsorgung hinzu. Und immer gab’s irgendein Arschloch, das irgendwo was dran auszusetzen hatte. Da hieß es nur: Augen zu und durch! Tagein, tagaus …

Dann kam die nächste Abrechnung. Der Eishallenchef hatte zumindest bei mir 50 Arbeitsstunden unterschlagen. Wie viele bei den anderen fehlten, ist mir nie genau gesagt worden; ich weiß nur, dass da auch vieles im Argen lag. Von Werner erfuhr ich, dass dem 300 Stunden fehlten – nämlich die ganzen Vorarbeiten der Monate September und Oktober. Ich für meinen Teil – immerhin machte ich mittlerweile ja schon vier Jobs, nämlich zweimal Aufsicht, Eis- und Hausmeister, tobte. Günni vermittelte mir ein Gespräch mit dem Boss der Halle ich spürte so deutlich wie nie zuvor in meinem Leben: Der Typ ist ein ganz linker Betrüger! Er sammelte unsere Stundenzettel ein, machte davon eine ominöse “Aufstellung” und leitete die zur Abrechnungsstelle bei der kommunalen Verwaltung weiter.

Warum blieb ich trotzdem dabei? Wir hatten Schulden. Beide Girokonten – das von meiner Gattin und meins – dümpelten immer so am Kreditlimit rum. Die Stromabschaltung drohte und vom Jobcenter erhielt ich keinen müden Cent mehr, weil man mich “statistikbereinigt” hatte. Wie Millionen andere auch. Das war der eine Punkt. Der andere: Wir bildeten in der Halle ein echtes, eingeschworenes Team, wie ich es während meiner Anfangszeit in der chemischen Forschung bei einer Festanstellung kennen gelernt hatte. Einer baute den anderen wieder auf und jeder sprang ganz selbstverständlich für den anderen ein. Abgesehen davon hatten wir alle mit Hartz-IV die gleichen, extrem schlechten Erfahrungen mit diesem so genannten “Sozialstaat” und der Bundesagentur für Existenzvernichtung und Menschenrechtsverletzung machen müssen.

Bei Tom und Werner bspw. hatte die BA tatkräftig dafür gesorgt, dass sich die Beiden kein Auto mehr erlauben konnten. Beide kamen jeden Tag (es war ein Rekordwinter mit Temperaturen, die wochenlang unter minus zehn Grad lagen!) mit dem Fahrrad aus den Nachbarorten rüber. Biggi sollte nach weit über 500 Bewerbungen auf einen Kursus zum Erlernen des Schreibens von Bewerbungen geschickt werden – man kennt das ja. Ich war beileibe kein Einzelfall: Existenzvernichtung und Demütigung mit System! Im Januar arbeitete ich dann Siggi – 69 Jahre alt – als Eismeister ein. Er war außer mir jetzt der Einzige, der den Ice-Refresh machen konnte.

Ich ließ mich vom Eishallenchef – der im Ort unter der Hand mit “der alte Betrüger” tituliert wurde – also belabern. Die linke Bazille präsentierte mir eine Vertragsergänzung, nach der ich mindestens bis zum Mai weiterbeschäftigt werden sollte, verbunden mit einer zum November rückwirkenden Lohnerhöhung auf zehn Euro pro Stunde. Zusätzlich winkte “bei Bewährung” noch eine SV-pflichtige Festanstellung über den Mai hinaus, denn auch im Sommer fielen Wartungsarbeiten in der Halle an. Arbeiten, welche die Anwesenheit eines Hausmeisters erfordern. Wer sagt da schon nein? Ich unterschrieb. Ich ahnte nicht, dass der alte Betrüger diese Vertragsergänzung nur als wertloses Stück Papier betrachtete. Die Denkweise dieses “Herrn Wichtigheimer” lernte ich erst später so richtig kennen. Er definierte nämlich Bildung und Ansehen bzw. Rechte über materiell-finanziellen Besitz. Wer nichts besaß – weil er arbeitslos oder Minijobber war – der war in seinen Augen einfach nur blöd und mit dem konnte man alles machen. Da konnte man auch getrost Arbeitsstunden unterschlagen und falsch abrechnen.

Nicht mit mir! Ende Januar kam die nächste Abrechnung. Er hatte bei mir weitere 120 Stunden unterschlagen und von der Lohnerhöhung war keine Rede mehr. Mir reichte es. Ich schrieb einerseits an den Betrüger einen Brief mit letzter Fristsetzung zur Zahlung, andernfalls ginge ich vor Gericht. Zur Zahlung ließ ich ihm eine Woche Zeit. Parallel dazu bat ich um ein Gespräch mit der Abrechnungsstelle in der kommunalen Verwaltung, denn aufgrund der getürkten Abrechnungen war immer noch nicht klar, ob ich nun auf 400-Euro-Basis oder SV-pflichtig beschäftigt wurde. An sich hatten beide Dinge – Brief und Gespräch – gar nichts miteinander zu tun. Die Notwendigkeit des Gespräches ergab sich allein schon aus der Tatsache, dass mir Familien- und Krankenkasse im Nacken saßen – und zwar mit Terminen! Doch dann …

Dann tauchten zum Gespräch mit den beiden Sachbearbeitern aus der Rechnungsstelle unerwartet der alte Betrüger und der Chef der kommunalen Verwaltung auf. Es stellte sich raus: Die Kommunalverwaltung wusste (angeblich) nichts von meiner Vertragsergänzung, von der Weiterbeschäftigung bis Mai und von der Lohnerhöhung. Ich hatte Belege. Ich hatte den Vertrag kopiert. Peinlich für den alten Betrüger. Ich hatte auch Stundenaufstellungen nebst Tätigkeitsbeschreibung und Zeugennennung. Das schmeckte dem Boss gar nicht. Nach der Durchsicht der Unterlagen meinten die Abrechnungsmitarbeiter, das sei eindeutig ein SV-pflichtiger Job und werde jetzt rückwirkend auch so abgerechnet werden. Mehr wollte ich ja gar nicht, denn so konnte ich mit Familien- und Krankenkasse ins Reine kommen. Thema durch? Denkste!

Denn urplötzlich brüllte der alte Betrüger in unverschämtem Ton los: “Sie haben die Eishalle vorsätzlich betrogen! Sie haben soundsoviele Stunden angegeben, die Sie gar nicht abgeleistet haben, für Tage, an denen Sie gar nicht da waren!” Ich wähnte mich im falschen Film. Was sollte denn die linke Tour jetzt? Ich fragte vorsichtshalber: “Reden wir hier wirklich vom gleichen Abrechnungszeitraum?” Und ich nannte Anfangs- und Enddatum des Abrechnungszeitraumes. Darauf der Eishallenboss, noch einmal, brüllend: “Sie haben die Eishalle vorsätzlich um soundsoviele Stunden betrogen! So viele Stunden haben Sie gar nicht gearbeitet!”

Darauf ich, mich innerlich zu Ruhe und Höflichkeit zwingend: “Entschuldigen Sie mal bitte, es gibt reichlich Zeugen dafür.” Die gebrüllte Antwort: “Ihre Zeugen sind mir scheißegal! Die können Sie sich sonstwohin stecken!” “Aber …” “Halten Sie gefälligst Ihren Mund! Jetzt rede ich! Und ich habe mehr zu sagen als Sie!” Ich, jetzt bereits lauter: “Sparen Sie sich bitte Ihre Polemik und bleiben Sie gefälligst sachlich! Dann verlange ich jetzt und hier Einsicht in die Stundenzettel des fraglichen Zeitraumes!” In Folge kramte der Betrüger eine Liste, die er präsentierte, aus seiner Tasche. Es handelte sich um eine Stundenaufstellung von allen Beschäftigten zusammen im DIN-A4-Format. Es handelte sich nicht um die von uns ausgeschriebenen Originalstundenzettel. Mein Kommentar dazu: “Das sind nicht meine Stundenzettel. Das ist irgendein Fetzen Papier ohne meine Unterschrift drauf. Ich verlange umgehend die Einsicht in die Original-Stundenzettel.” Daraufhin die Mitarbeiter der Abrechnungsstelle höchst erstaunt: “Wieso? Gibt es denn noch andere Stundenzettel?” Allein diese Frage war schon bezeichnend!

Dem Chef der Kommunalverwaltung – von dem im Ort gemunkelt wurde, dass er beim alten Betrüger aufgrund von Privatkrediten in der Kreide stehen sollte – war anzusehen, dass ihm diese letzte Frage wirklich peinlich war. “Nun gib schon die Originalzettel raus” forderte er seinen Bekannten, den alten Betrüger, auf. Letzterer guckte dumm aus der Wäsche und fingerte die Original-Stundenzettel aus seiner Tasche. Auch die Abrechnungsmitarbeiter sahen sich an, hatte ihr Chef ihnen doch dieses wichtige Detail vorenthalten. Warum wohl?!? Als der Eishallenboss die Originalzettel über den Tisch hinweg den Mitarbeitern der Abrechnungsstelle zuschieben wollte, da sprang ich auf, griff zu und eignete mir die Belege an. Ich überflog die Zettel und reichte sie an die Mitarbeiter der Abrechnungsstelle weiter. Ich stellte fest, inzwischen kochend vor Wut: “Die Zettel sind korrekt. Das sind meine Stundenzettel. Aber die ersten vier Arbeitstage im Monat sind unterschlagen worden; diese zwei Zettel fehlen nämlich!” Dann nahm ich meine eigenen Aufzeichnungen zur Hand und las vor, wann und zu welcher Zeit welche Tätigkeiten von mir ausgeführt worden waren. Da ich auch Schulklassen betreut und die Unterschriften der Lehrkräfte hatte, konnte ich gleichfalls jede Menge an Zeugen für meine Tätigkeit namentlich benennen. Ich fixierte dabei den Betrüger, um – nun selbst brüllend – zu schließen: “Wenn hier jemand ein Betrüger ist, dann sind Sie es! Das ist ja wohl offensichtlich!” Der Eishallenboss japste nach Luft und schien kurz vor einem Herzanfall zu stehen. Schade, dass es nicht geklappt hat! So einen Ton von einem Mitarbeiter war er wohl nicht gewohnt.

Sein plumper Versuch, einem engagierten Mitarbeiter Betrug unterschieben zu wollen, brach wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der Boss der kommunalen Verwaltung war sichtlich peinlich berührt. Man konnte seinem Gesicht ansehen: “Mist! Hat nicht geklappt! Dann eben Plan B!” Er schaltete sich in das Gespräch ein und bemerkte: “Dann hat sich das mit den Stunden jetzt ja aufgeklärt. Wenn wir Ihre Arbeitsstelle jetzt aber SV-pflichtig abwickeln, dann erübrigt sich das Hintendranhängen der Stunden in den Monaten März bis Mai auf 400-Euro-Basis. Dann sollten wir – um diesen Passus in der Vertragsergänzung rein rechtlich außer Kraft zu setzen – einen Aufhebungsvertrag zum Ende Februar abschließen.” “OK”, stimmte ich zu, denn für mich machte das keinen Unterschied mehr. Obwohl: Bedeutete das denn nicht, dass zumindest der Kommunalobermacker zuvor über die Vertragsergänzung informiert worden war? Und warum hatte der das dann nicht an die Abrechnungsstelle weiter geleitet? Was für einen Filz gab es da zwischen Kommune und Eishallenchef? Lügner! Der wusste alles über die Schiebereien und hat das gedeckt, hat seinen Arsch darüber gehalten!

Seltsam auch, dass der kommunale Boss diesen Aufhebungsvertrag bereits fertig in seinen Unterlagen hatte, nun nur noch handschriftlich darin das Datum eben dieses Gesprächstermins durch das Datum vom Ende Februar ersetzte und ihn mir wortlos über den Tisch hinweg zuschob. Eine abgekartete Sache? Mit Sicherheit! Wusste er davon, dass der Eishallenchef mir Betrug unterschieben wollte und hatte er vor, den Betrüger zu decken? Mit Sicherheit! Oder war das alles nur ein wirklich bemerkenswert seltsamer Zufall? Noch während ich mir den Aufhebungsvertrag durchlas, fuhr der Boss der Kommune schon wie beiläufig fort: “Das Geld, das Sie bisher quasi als Vorschuss bekommen haben, zahlen Sie natürlich sofort zurück. Die Lohnerhöhung gilt ja nicht rückwirkend, sondern erst ab dem Datum der Unterschrift auf der Vertragsergänzung. Das Geld steht Ihnen folglich gar nicht zu.” Ich blickte auf, dachte “Verfluchte linke Bande!” und legte den Aufhebungsvertrag wortlos zur Seite.

Ich entgegnete: “Ich sehe das anders. Hier steht: Das Arbeitsverhältnis gilt rückwirkend vom soundsovielten bis zum 31. Mai und der Stundenlohn beträgt 10 Euro. Hier steht nicht, dass der Stundenlohn erst ab einem späteren Datum 10 Euro beträgt. Ich beanspruche daher die 10 Euro pro Arbeitsstunde für die gesamte Vertragslaufzeit, andernfalls gehe ich zum Anwalt.” Ein erschrockener Blick vom Eishallenchef in Richtung Kommunalboss. Der wandt sich wie ein Aal: “Na ja … – der Vertrag ist hier wohl nicht eindeutig formuliert. Wir werden das prüfen.” “Das Ergebnis Ihrer Prüfung teilen Sie mir schriftlich mit?” “Selbstverständlich.” “Gut, ich werde es abwarten. Aber ich behalte mir auch rechtliche Schritte vor.” Der kommunale Obermotz atmete auf – warum? Ich misstraute der verlogenen Betrügerbande inzwischen aus tiefstem Herzen. Da war doch noch was … Ich griff wieder zu dem Aufhebungsvertrag, blickte noch einmal kurz darüber. “Wenn Ihr mich verarschen wollt – ich kann das auch” dachte ich und legte den Vertrag wieder beiseite. Jetzt kam nämlich ich zum Zuge: “Da ist noch was. Ich denke, wir sind uns einig, dass mein Arbeitsverhältnis rückwirkend SV-pflichtig abgerechnet wird?” Einhelliges Abnicken. “Gut. Dann bitte ich aber auch zu berücksichtigen, dass mir bei einem SV-pflichtigen Job per Gesetz ein gewisser Urlaubsanspruch zusteht!” Volle Breitseite! Treffer – versenkt!

Bei dem Betrügerduo entgleisten sämtliche Gesichtszüge. “Gut, dass Sie das ansprechen …” katzbuckelte der kommunale Obermacker, während man ihm den Ärger über diesen Einwurf ansah “… das hätte ich selbst doch beinahe vergessen. Das sind genau 6 Tage.” Sein Verhalten war bezeichnend. “Vergessen?” dachte ich mir und setzte in Gedanken ein “Du verlogenes Arschloch!” hinzu. Ich blickte auf den nicht unterschriebenen Vertrag und meinte: “Dann werden mir diese 6 Tage Urlaub also nach Saisonende im Monat März ausgezahlt werden?” “Nein, den Urlaub nehmen Sie vorher weg.” “Nichts lieber als das” dachte ich mir, warf aber anstandshalber mit Hinblick auf meine Kollegen noch ein: “In dem Fall gebe ich zu bedenken, dass ich im Mittel täglich gut zwei Zentner Müll aus der Halle raus schleppe. Die Hälfte davon muss eingesammelt werden. Auch ist dann niemand mehr da, der mit der Eismaschine mal auf die Schnelle einspringen kann und der die andauernd verstopften Klos wieder benutzbar macht.”

“Die Betriebsführung lassen Sie doch bitte unsere Sache sein” wurde ich daraufhin von kommunalen Chef gemaßregelt. “Ist OK” lautete die Antwort und ich unterschrieb. Ich wusste: Der Tag ist absehbar, an dem sich nicht mal mehr ‘ne Kanalratte in die Halle trauen würde – das dürfte erfahrungsgemäß etwa drei bis fünf Tage in Anspruch nehmen. Auch stünde dann aufgrund der permanenten Buchungen mit Sicherheit nicht mehr genügend Personal zwecks Betreuung von Schulklassen zur Verfügung. Nicht mein Problem! Aber bei der ganzen Angelegenheit ist mir eines schleierhaft geblieben: Wie weit reichte eigentlich die Verfilzung zwischen Eishallenchef und Kommune? Ich meine, es müsste doch schon allein aufgrund des reinen Steueraufkommens im Interesse der Kommune liegen, wenn in der Halle SV-pflichtige Jobs angeboten und auch korrekt abgerechnet werden würden. Ebenso müsste es in deren Interesse liegen, dass der Betrieb reibungslos mit ausreichend Personal läuft und dass die Chance zur Saisonverlängerung genutzt wird. Allerdings: Wenn der kommunale Chef selbst als Privatperson durch Bareinlagen an der Sportstätte beteiligt sein sollte (wie gerüchteweise gemunkelt worden ist), dann ist jeder wie auch immer eingesparte Cent – sei es durch Unterschlagung von Arbeitsstunden, durch fragwürdige 400-Euro-Jobs mit Arbeitszeitkonto usw. – irgendwo auch sein eigener Cent. Dann liegt es in seinem eigenen Interesse, alle Schiebereien unter den Tisch fallen zu lassen. Kommt es hier nicht zur Interessenkollision? Warum hält der kommunale Chef seinen Arsch über die ganzen krummen Schiebungsgeschichten? Ein Schuft, wer Böses dabei denkt …

Ich sagte also den Kollegen Bescheid, dass ich voraussichtlich ab der letzten Februarwoche – denn diesen Termin hatte mir der kommunale Boss genannt – in den Zwangsurlaub geschickt werden würde. Mein unmittelbarer Vorgesetzter, der technische Betriebsleiter, mit dem ich sehr gut zurecht gekommen bin, war komplett übergangen worden und das wurmte ihn mächtig. Er wusste wohl nicht so Recht, was er von der ganzen Angelegenheit zu halten hatte. Da war einerseits sein Chef (der alte Betrüger), der mir unterstellte, zu viele Arbeitsstunden aufgeschrieben zu haben und der die Stundenzettel nicht rausrücken wollte und da war andererseits ich selbst, der – wie alle wussten – tatsächlich aber gearbeitet hatte. Wie dem auch sei, es wurde in der noch verbleibenden Woche ein etwas gespanntes – aber dennoch korrektes – Verhältnis.

Jedenfalls ging jetzt nichts mehr mit dem Personaleinsatzplan, weil einfach zu wenig Leute da waren. Der technische Betriebsleiter erwies sich aber als findig und überredete ein paar Freiwillige aus den örtlichen Vereinen, zeitweise gratis mit einzuspringen. So wurde der Engpass bei den Aufsichten beseitigt und der Betrieb konnte weiter gehen. Nur die Schulbuchungen am Vormittag, die gab es nicht mehr. Den Eismeister machte jetzt hauptamtlich Siggi, Günnis Bekannter, den ich noch angelernt hatte. Man ist ja willig. Mal ganz abgesehen davon rechnete ich es unserem Betriebsleiter hoch an, dass er sich zweimal hinsichtlich des Vorschusses für mich einsetzte, denn andernfalls hätte ich vermutlich vorher überhaupt kein Geld gesehen.

Was blieb war der Engpass beim Hausmeister, denn den gab’s ja aufgrund meines Zwangsurlaubs nun auch nicht mehr. Der kommunale Obermacker beorderte deswegen zwei Freibad-Bademeister, die gerade ihren Jahresurlaub nahmen, als Hausmeister in die Eishalle. Ich zeigte den beiden Bademeistern, was so alles anfällt: Dreck wegräumen, Müll rausschaffen, angefrorene Kotze abspachteln, Blut wegbürsten, Schnee schaufeln, verstopfte Klos sauber machen, Bindeneimer schrubben, die Eisfläche auf Vordermann bringen, den für Feiern reservierten Bereich immer rechtzeitig herrichten, vor dem offiziellen Betriebsbeginn für die Vereine und Schulen da zu sein inklusive Sonntagmorgen ab halb Sieben, die Logistik und und und. Mit jedem Wort und mit jedem Schritt durch die Halle wurden deren Gesichter länger.

Nun – die Beiden waren fest angestellte Gemeindemitarbeiter. Die konnten sich an ihren Betriebsrat wenden, was sie auch taten. Kurz und gut: Sie hielten die Arbeitsbedingungen für unzumutbar und kamen deswegen gar nicht erst. Günni wandte sich daraufhin an meine Kollegen und ordnete an, dass die jeder früher anfangen und zusätzlich Hausmeistertätigkeiten zu verrichten hätten. Der Befehl dazu war vom alten Betrüger mit Absicherung durch die Kommune gekommen. Meine Kollegen allerdings verweigerten das mit der Begründung, davon stünde nichts in ihren Arbeitsverträgen, das Jobcenter würde den etwaigen Mehrverdienst ohnehin einkassieren, die ganze Hausmeistertätigkeit sei – u. a. wegen mangelhafter hygienischer Bedingungen wie Ausleeren und Wiederverwenden der Einweg-Müllsäcke – ohnehin unzumutbar und sie hätten ihr Geld ja allesamt auch noch nicht in vollem Umfang bekommen usw.

Ergo wurde entschieden, den Betrieb ohne Hausmeister weiterlaufen zu lassen. Unser Betriebsleiter rückversicherte sich aber bei seinem Chef und vorsichtshalber auch noch bei der Kommune, dass ich wirklich erst ab dem Beginn der letzten Februarwoche und keinesfalls früher in den Zwangsurlaub geschickt werden würde. Günni erhielt die entsprechende Bestätigung. Noch bevor er sich rückversicherte erhielt ich ein Schreiben, in dem zu Lesen war, dass ich bereits zwei Tage vorher zu Hause zu bleiben hätte, weil ich ja monatelang in einer (unzulässigen) Sieben-Tage-Woche beschäftigt worden war. Das Schreiben trug die Unterschriften vom alten Betrüger und vom Kommunalchef. Beide hatten folglich zuvor Günni ganz bewusst glatt angelogen!

Ich wusste: Wenn einer erst einmal mit dem Bescheißen anfängt, dann hört er auch nicht mehr damit auf. Im Gegenteil, dann weitet sich das aus! Und genau das hatten die mit unserem technischen Betriebsleiter gemacht. Eine Hand wäscht die andere: Er hatte für meinen Vorschuss gesorgt und ich kopierte am letzten Arbeitstag besagtes Schreiben und informierte ihn. Ich dachte, er bekommt einen Herzanfall. So habe ich den noch nie erlebt! Ich muss dazu sagen: Er machte den Job ehrenamtlich. Und am besagten Tag wollte er den hinschmeißen. Er ist nun aber quasi der Motor der Eishalle. Ohne ihn hätten die die Tür zunageln und den Schlüssel wegschmeißen können. Irgendwie muss der Vorstand ihn dann aber doch überredet haben, zumindest noch bis zum Saisonende weiterzumachen. Von Saisonverlängerung war schon längst keine Rede mehr (obwohl sich das wahrscheinlich gut gerechnet hätte), weil einfach die Leute fehlten. Keiner mehr da, der die Arbeit machte. Stattdessen: Zwanzig Häuptlinge und keine Indianer.

Ich genoss meinen Urlaub. In der letzten Februarwoche kam ein Schreiben von der Kommune: Meine erste, richtige Abrechnung nach nunmehr über vier Monaten! Die war auch fast gut. Fast. Nur kann ich manchmal gemein sein, vor allem dann, wenn ich ich misstrauisch bin. Und misstrauisch war ich in allerhöchstem Maße! Deswegen rechnete ich die Abrechnung nach – und kam auf einen Stundenlohn von 4,42 Euro anstelle von 10 Euro. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes-Arbeitsgerichts ein sittenwidriger Lohn. Auch fehlten am Ende gut hundertfünfzig Euro aufgrund von schon wieder durch den alten Betrüger unterschlagenen Arbeitsstunden. Aber ich war’s leid, da noch mal hinterher zu laufen. Ich informierte lediglich meine Kollegen per Mail, PN und Telefon, dass die unbedingt ihre Abrechnungen genau kontrollieren sollten. Und siehe da: Bei allen war immer gut ein Hunderter unterschlagen worden, weil die betreffenden Stundenzettel nie in der Abrechnungsstelle angekommen sind. Ich hab’s mal überschlagen: Die so genannte Helferparty nach Saisonende ließ sich von dem uns vorenthaltenen Geld ganz gut ausrichten.

Meine Gattin schäumte, als sie das hörte. Ohne mein Wissen schnappte sie sich meine Abrechnung, ging damit direkt zur nächsten Vorstandssitzung und verlangte vor versammelter Mannschaft (also vor den o. e. zwanzig Häuptlingen ohne Indianer), dass das Unterschlagen der Stundenzettel jetzt endlich ein Ende haben müsse. Der Vorstand war wohl wie vom Donner gerührt, denn der wusste – mit Ausnahme des alten Betrügers – von nichts. Einen Tag später rief mich Günni an und teilte mir mit, dass besagter Chef auf Drängen des Vorstandes jetzt auch noch die letzten Stundenzettel rausgerückt hätte. Das sollte dann im März abgerechnet werden. Hmm… – unterschlagene Stundenzettel sind auch eingesparte Nebenkosten und sowas ist auch Steuerhinterziehung … Mein Arbeitsverhältnis endete damit am letzten Februartag und ich war wenigstens vier Monate lang wieder kranken- und rentenversichert gewesen.

Irgendwie war ich auch froh, dass die Sache jetzt endlich (wenigstens für mich) vorbei war. Einerseits, weil es doch tierisch geschlaucht hat (und die zehn Kilogramm, die ich dabei abgenommen habe, waren nur ein rein körperliches Anzeichen dafür). Andererseits, weil mir der Gang zum Gericht jetzt erspart blieb. Ich hatte es mir nicht nehmen lassen, kurz vor Saisonende noch einmal einen Blick in die Halle zu werfen. Die sah verheerend aus! Die ersoffen zuletzt im eigenen Dreck. Wäre glatt ein Fall für’s Ordnungsamt gewesen …

Von Seiten meines Vorgängers als Hausmeister – Werner, der genauso beschissen worden war wie ich (dem die rund 300 Arbeitsstunden fehlten und der trotz SV-pflichtiger Beschäftigung keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten hatte) – kümmerte sich inzwischen die Rechtsabteilung des Jobcenters um die Sache. Denn das Jobcenter musste für den Hartz-IV als Kredit bezahlen, weil kein Geld kam. Und wer schon einmal mit der Gier des Jobcenters konfrontiert worden ist, der kann sich ja leicht ausrechnen … Na ja, nicht mein Bier! Er gewann den Prozess spielend. Ob das den Ausschlag dafür gab, dass bei allen dann zuletzt doch noch korrekt abgerechnet worden ist, weiß ich nicht – ich vermute es aber. Die Restzahlung kam völlig unerwartet im April. Allerdings ohne korrigierte Abrechnung. Die konnte ich mir im Herbst des Jahres bei der Kommune selbst abholen.

Zwei Schmankerl am Rande sind noch zu erwähnen. Obwohl der alte Betrüger im Prozess gegen Werner unterlegen war, schrieb er dem zuständigen Richter einen Brief, in dem er verlangte, die Kosten des Verfahrens dem ehemaligen Hausmeister aufzubürden. Der Richter soll einen Schreikrampf bekommen haben, so wird erzählt. Und dann war da noch die Kasse in der Eishalle, die mit elektronischer Präzision die Anzahl der Gäste erfasste. Diese Zahlen erfuhr ich während meiner Tätigkeit jeden Tag. Hinterher, nach Saisonende, stand in der Zeitung etwas von 25 Prozent weniger an Besuchern zu lesen. Die Zeitung bezog sich dabei auf die offizielle Abrechnung der Eishalle. Diese Zahlen deckten sich nun aber ganz und gar nicht mit dem, was ich selbst gesehen hatte. Einige Zehntausend Euro verschwanden auf diese Weise in der Versenkung. Nennt man das nicht Steuerhinterziehung?

Daraus ergeben sich dann allerdings einige Konsequenzen. Die Abrechnung wurde seitens der Kommune gemacht. Die Zahlen dafür lieferte der alte Betrüger. Mindestens der Chef der Kommune musste über die Tatsache gefälschter Zahlen im Bilde gewesen sein. Doch er deckte die Sache. Ist das nicht ein eindeutiges Kennzeichen für den Filz aus Unternehmen und Politik? Und ist es denn so verkehrt, wenn man unter diesen Gesichtspunkten von einer “Dorfmafia” spricht? Eine Dorfmafia allerdings, die sich wunderschön mit dem Anstrich der Legalität tarnt …

Eine Pointe hatte die Geschichte später auch noch. Der kommunale Chef mauschelte derart zusammen mit einem Journalisten der örtlichen Käseblätter herum, dass man besagten Journalisten ruhigen Gewissens als seinen Haus- und Hof-Berichterstatter bezeichnen konnte. Keine Lüge konnte dick und platt genug sein, um nicht vom Haus- und Hof-Berichterstatter in den schillerndsten Farben dargestellt zu werden. Der Sohn des besagten Berichterstatters war arbeitslos. Er erhielt den unbefristeten Job, den man mir in Aussicht gestellt gestellt hatte: Honny soit qui mal y pense! (Ein Schuft, wer Böses dabei denkt!) Und dass jetzt nur keiner auf die Idee kommt, im Öffentlichen Dienst würden Pöstchen verschachert und nur durch Schiebung zu ergattern sein …

Eine Antwort auf Eine wahre Geschichte

  • Jokerman sagt:

    Hat mich sehr an meinen letzten Chef erinnert. Nicht von den Vorkommnissen her, aber vom psychopathischen (soziopathischen) Verhalten her. Wie krank muss eine Gesellschaft sein, die Leute mit solch einer Persönlichkeitsstruktur nicht in die Klapse, sondern in die Chefetagen befördert!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*Das Captcha bitte eingeben!

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Wetterwarnungen

News per RSS

Counterize

Seitenaufrufe: 1154683
Seitenaufrufe heute: 106
Letzte 7 Tage: 5246
Besucher online: 3

Oktober 2017
M D M D F S S
« Sep    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Social Media

free twitter buttons



Meine HP & Bücher

Uhrzeit