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So, das war’s: Chilisaison 2017 beendet! Aufgrund meiner doch sehr durchwachsenen Erfahrungen mit Chilis in Norddeutschland setze ich grundsätzlich immer auf mehrere Versuche. Über meine Chilis 2016 hatte ich ja bereits im vergangenen Jahr berichtet. In diesem Jahr waren es vier Ansätze. Die Erfahrungen damit will ich hier mal schildern, denn vielleicht zieht der eine oder andere Leser daraus einen Gewinn für den eigenen Anbau.

Ansatz 1:
Die Sorte: Die Sorte ist mir unbekannt, denn das Saatgut entstammt Pflanzen, die als “Blumentopf-Nasch-Chilis sehr scharf 15.000 SHU” bei Netto verkauft worden sind. Die Pflanzen erreichten im Blumentopf eine Höhe von rund 20cm, wobei die sich Blüten (nicht aber die Blätter) schwach violett zeigten. Die Schoten (ca. 1cm Durchmesser und ca. 4cm lang) reiften von grün nach dunkelviolett oder aber von grün über rot nach dunkelviolett bzw. von grün nach rot ab. Sie waren recht dünnwandig mit sehr vielen und sehr kleinen Kernen darin. Geschmacklich erinnerte das Ganze so an grasartigen Schnittlauch und von der Schärfe her würde ich die violetten Schoten irgendwo in der Gegend von Tabasco (also so um die 2.000 SHU) einordnen. Die wenigen rot abgereiften Schoten hingegen erwiesen sich als merklich schärfer und auch viel als blumig-aromatischer; sie wuchsen an der gleichen Pflanze. Es könnte sich um Varianten von NuMex oder Pretty in Purple handeln.
Die Erde: Eine 1:1-Mischung von Komposter- und Blumenerde.
Der Standort: Südostfenster, vor normalem und über 50 Jahre altem Schallschutzglas.
Der Ablauf:
12.11.2016: Das Saatgut wurde in 2 vorbereitete 12cm-Töpfe eingesäht.
25.11.2016: Beginn der Keimung.
30.01.2017: Pflanzen erreichen ca. 20cm Höhe und stehen in voller Blüte. Bestäubt wird durch Schütteln des Blattwerks und vorsichtiges Pusten.
11.04.2017: Viele Früchte haben angesetzt und sind am Abreifen.
16.04.2017: Pünktlich zu Ostern erfolgt die erste Ernte. Künftig wird mehrmals wöchentlich immer weiter geerntet, gerade so, wie die Früchte abreifen.
04.07.2017: Letzte Ernte und die Pflanzen werden entsorgt, zumal die Blätter sich gelblich verfärbt haben, was auf Stickstoffmangel hinweist und ein deutlicher Befall durch Blattläuse erkennbar ist. Insgesamt haben die beiden kleinen Blumentöpfe gut 100 Früchte gebracht.
Noch eine Anmerkung dazu: Irgendwann im August kaufte ich mir dann nochmal neue “Nasch-Chilis” von Netto, die allerdings bloß mit 12.000 SHU angegeben worden waren, aber verdammt nach Holiday Flames aussahen. Die Pflanze brachte so ca. 20-30 Früchte – und die schmeckten auch wie Flames! D. h. da fehlte schätzungsweise ‘ne Null bei wohl doch eher ausgewürfelten Schärfenangabe. Das ist hinsichtlich des Saatgutes was für die kommende Saison. Die letzten Früchte davon wurden am 24.09.2017 abgeerntet und die Pflanze entsorgt, weil sie drinnen binnen nur knapp einer Woche einen enormen Befall an Weißer Fliege und Blattläusen aufwies.

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Ansatz 2:
Die Sorte: Ein Mix aus Thai und Caribbean Red.
Die Erde: Normale Gartenerde.
Der Standort: Geschützte und in Richtung Südwest gelegene Stelle im Garten.
Der Ablauf:
13.04.2017: Freiland-Aussaat. Dieser Ansatz hat sich als kompletter Fehlschlag erwiesen, da (vermutlich witterungsbedingt) nicht eine einzige Pflanze gekommen ist.

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Ansatz 3:
Die Sorte: Ein Mix aus Ghost Pepper aka Bhut Jolokia, Habanero 7 Pot, Trinidad Moruga Scorpion und Carolina Reaper.
Die Erde: Eine 1:1-Mischung von Komposter- und Blumenerde.
Der Standort: Südostfenster, vor normalem und über 50 Jahre altem Schallschutzglas.
Der Ablauf:
20.01.2017: 50cm-Balkonkasten-Chilis eingesäht (ca. 15-20 Korn).
30.01.2017: Erste Keimung.
03.03.2017: Ende der Keimung; es sind 12 Pflanzen gekommen; davon werden 4 kümmernde Pflanzen entfernt und weggeworfen.
23.04.2017: Erste Blütenansätze.
05.05.2017: Die erste Blüte offen und die Pflanzen sind enorm gewachsen; sie erreichen mindestens 30cm Höhe.
13.05.2017: Den Kasten erstmals für 4 Stunden raus auf dem Balkon in die Frühlingssonne gestellt.
17.05.2017: Den Kasten bei warmer Witterung wieder für ein paar Stunden nach draußen gestellt.
18.05.2017: Dito. Die Pflanzen vertragen die Sonne sehr gut und legen ein Rekordwachstum hin.
19.05.2017: Der Kasten bleibt nach den Eisheiligen endgültig draußen, wird nur bei zuviel Sonne an einen mäßig schattigen Platz bewegt. Die Pflanzen wuchern! Blüte um Blüte öffnet sich. Bestäubt wird ein- bis zweimal täglich durch Schütteln der Pflanzen sowie mit feinem Pinsel und Wattestäbchen.
30.05.2017: Die Höhe der Pflanzen liegt bei gut einem halben Meter und es haben bereits 9 Früchte angesetzt.
11.06.2017: Mittlerweile sind es 16 Früchte, die wachsen und gedeihen. Das Bestäuben der Blüten wird nach wie vor ein- bis zweimal täglich mittels feinem Pinsel durchgeführt. Der Kasten muss alerdings zum Schutz vor Windbruch häufiger mal an eine geschützte Stelle wandern.
11.07.2017: Das Abreifen der Früchte beginnt und ist am Verfärben erkennbar. Die gelben Sorten reifen dabei von grün nach gelb ab und die roten Sorten von grün über signalorange nach zunächst hell- und später dunkelrot. Das Durchfärben erfordert, einmal eingesetzt und je nach Witterung, rund 3-5 Tage.
13.07.2017: Die Pflanzen zeigen erste, gelbliche Verfärbungen, was auf Stickstoffmangel hinweist. D. h. die Nährstoffe aus der Kompostererde sind jetzt erschöpft (vermutlich aufgrund des wuchernden Wachstums der Pflanzen) und der Anteil an Kompostererde konnte von Anfang an auch nicht mehr erhöht werden, weil er bereits grenzwertig gewesen ist und bei noch mehr die Pflanzen verbrannt hätte. Es ist jetzt der Zeitpunkt für zusätzliche Düngung gekommen. Anstelle von chemischen Düngemitteln entscheide ich mich für den allerersten, widerlich-dreckigen Schlunz aus dem Aquarienfilter, der ja auch wöchentlich gereinigt wird. Dieser müffelnde Modder erweist sich als erstklassiger, natürlicher Chili-Dünger und wird ab sofort einmal wöchentlich zugegeben.
24.07.2017: Wenn die Früchte nach dem vollständigen Durchfärben noch ca. 3-5 Tage lang dran bleiben, dann ist man auf der sicheren Seite und kann ernten. Die erste Ernte bringt 13 Früchte ein.
01.08.2017: Die zweite Ernte umfasst noch einmal 13 Früchte. Mehr als 40 sitzen an den Pflanzen noch dran und müssen reifen.
28.08.2017: Zwischendurch ist immer mal wieder geerntet worden, insgesamt bisher vom Ansatz 3 nämlich 54 Früchte. In Summe werden 71 Früchte an diesen 8 Pflanzen gezählt.
30.08.2017: Die Reifung erfolgt schneller, seit die Pflanzen in zunehmendem Maße sichtlich unter Nährstoffmangel leiden. D. h. sie werden gelb und verlieren Blätter. Jetzt sind noch 17 Früchte dran und wenn die weg sind, dann war’s das. Auffällig ist, dass zwei der Pflanzen nun eine zweite Blüteperiode hinlegen (das hatte ich noch nie!), doch um da noch Gewinn raus zu ziehen, müsste ich Pflanzen wegen des Nährstoffmangels umtopfen und in absehbarer Zeit wegen der Witterung in die Wohnung nehmen. Das lohnt nicht.
01.09.2017: Die Pflanzen weisen einen moderaten Befall durch Blattläuse und einen leichten Befall durch die “Weiße Fliege” auf. Dagegen wird allerdings nicht mehr vorgegangen, weil jetzt nur noch die letzten Früchte abreifen und das Saisonende in Sicht ist.
25.09.2017: Das Abreifen der letzten drei Früchte zieht sich, vermutlich aufgrund der nasskalten Witterung, über mehr als zwei Wochen hin. Von der neuen Blüte hat noch eine Frucht angesetzt, aber die kann schon rein zeitlich nichts mehr werden.
27.09.2017: Die letzten drei teilgefärbten Früchte wurden mit möglichst langem Stiel dran abgenommen und drinnen zum Abreifen hingelegt. Entsorgung der Pflanzen.
01.10.2017: Verarbeitung der jetzt weitgehend durchgefärbten Früchte und Saisonende.

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Ansatz 4:
Die Sorte: Ein Mix aus Ghost Pepper aka Bhut Jolokia, Habanero 7 Pot, Trinidad Moruga Scorpion und Carolina Reaper.
Die Erde: Eine 1:1-Mischung von Komposter- und Blumenerde.
Der Standort: Südwestfenster, vor 20 Jahre altem Climaplus-Wärme-Schallschutzglas.
Der Ablauf:
20.01.2017: 50cm-Balkonkasten-Chilis eingesäht (ca. 20 Korn).
30.01.2017: Erste Keimung.
28.02.2017: Ende der Keimung und es sind 14 Pflanzen gekommen. Diese Pflanzen sind allerdings nicht mal halb so hoch wie bei Ansatz 3, was offensichtlich dem stärker gedämpften Licht durch die andere Glassorte geschuldet ist.
23.04.2017: Erste Blütenansätze zeigen sich.
17.05.2017: Den Kasten erstmals für 4 Stunden raus auf dem Balkon in die Frühlingssonne gestellt.
18.05.2017: Alle Pflanzen zeigen Verbrennungen und kümmern; sie sehen aus wie ein Fall für den Müll.
19.05.2017: Der Kasten bleibt nach den Eisheiligen endgültig draußen, und zwar an einem mäßig schattigen Platz ohne pralle Sonne. Einige der Pflanzen scheinen sich anschließend zu erholen bzw. sind “einfach nur da”. Insgesamt bleiben 8 Pflanzen übrig, die jetzt etwa 15cm hoch sind. Am Ende wird eine Wuchshöhe von rund 20-30cm erreicht, wobei die Pflanzen buschartig bleiben.
21.06.2017: Es öffnet sich die erste Blüte. In Folge kommen noch weitere, aber nur vereinzelte Blüten hinzu. Bestäubt wird durch Schütteln der Pflanzen sowie hin und wieder mittels feinem Pinsel.
10.07.2017: Mittlerweile hat eine Frucht angesetzt und wächst auch. Allerdings zeigen die Pflanzen jetzt einen deutlichen Befall durch viele Blattläuse (wie bei den “Nasch-Chilis” im Vorjahr). Mit in die Erde gesteckten, frisch gestifteten Knoblauchzehen werden die Blattläuse vergrämt. Wirklichen Erfolg bringt aber erst der Sud aus 1 zerkleinerten Knoblauchzehe und 1 Zwiebel, in 1l Wasser gekocht und nach dem Abkühlen damit die Pflanzen 3 Tage lang eingesprüht.
01.08.2017: Die erste Frucht wird abgeerntet und 2 weitere Früchte haben angesetzt und wachsen.
28.08.2017: Die Pflanzen stehen erst jetzt in voller Blüte, zu spät, um noch eine merkliche Ernte davon einzufahren. Dennoch weiterhin sporadische Bestäubung mittels feinem Pinsel sowie durch Schütteln der Pflanzen. Es ist wieder ein massiver Befall durch Blattläuse aufgetreten, doch der wird nicht mehr bekämpft, weil sich das nicht mehr lohnt.
31.08.2017: Mit dem Abreifen der Früchte zeigen auch diese Pflanzen gelbliche Verfärbungen der Blätter und somit Anzeichen von Nährstoffmangel. Zu den Blattläusen hat sich ein massiver Befall durch die “Weiße Fliege” gesellt.
15.09.2017: Inzwischen haben 6 weitere Früchte angesetzt, deren Abreifen aber (nur theoretisch, weil es dann bereits viel zu kalt sein wird) bis Dezember beanspruchen dürfte. Mit dem Einsetzen der herbstlichen Witterung ist der Blattlausbefall von selbst merklich zurück gegangen; hingegen ist der Befall durch die “Weiße Fliege” geblieben bzw. hat sogar noch zugenommen.
01.10.2017: Die beiden größten und noch grasgrünen Früchte werden mit knapp 10cm Stiel abgenommen, alle Blätter entfernt und wandern zwecks Reifung nach drinnen in die Fensterbank, und zwar in einer Blumenvase. Entsorgung der Pflanzen.
08.10.2017: Die erste Frucht färbt sich durch.
13.10.2017: Es ist bei einer durchgefärbten Frucht geblieben. Die zweite Frucht wird jetzt weich u. d. allerhöchste Zeit zur Verarbeitung der “letzten Mohikaner”! Bedeutet Saisonende …

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Fazit:

Chilis in Norddeutschland geht durchaus, auch mit relativ gutem Ertrag (d. h. mit ca. 20-25g entkernten und aufgearbeiteten Früchten pro Pflanze). Allerdings muss ich aufgrund von permanent schlechten Erfahrungen von der Freiland-Aussaat grundsätzlich abraten! Was bleibt sind Blumentöpfe und Balkonkästen, die man vorzugsweise bereits im Herbst vor der kommenden Saison vorbereitet und dann bis zum Gebrauch an einen dunklen und kühlen Ort (z. B. in den Keller) stellt. Unter Vorbereitung ist dabei das Beschicken mit einer 1:1-Mischung von Blumen- mit Kompostererde zu verstehen. Nicht mehr Kompostererde, denn das würde die Pflanzen verbrennen. Die 1:1-Mischung ist bereits grenzwertig. Dennoch reicht sie für wirklich große Pflanzen irgendwann nicht mehr aus, so dass im Moment des Abreifens der Früchte i. d. R. nachgedüngt werden muss. Zum Nachdüngen bietet der Handel zwar entsprechende Präparate an, doch der Dreck aus dem Aquarienfilter tut es genauso (wenn nicht sogar noch besser). Auffällig ist, dass die Pflanzen im Zuge von beginnendem Nährstoffmangel und Abreifen der Früchte anfällig für Schädlinge werden (Blattläuse und Weiße Fliege).

Die Aussaat richtet sich danach, ob die Pflanzen in der Wohnung verbleiben oder aber nach draußen gestellt werden. Bei Pflanzen in der Wohnung scheint der Zeitpunkt der Aussaat ziemlich egal zu sein. D. h. man kann auch im Herbst säen und zu Ostern ernten. Allerdings werden diese Pflanzen oftmals und auch vergleichsweise schnell von Schädlingen befallen. Anders verhält es sich mit den Pflanzen, die später nach draußen wandern sollen. Hier empfiehlt sich die Aussaat unbedingt möglichst früh im Jahr u. d. h. bereits um Mitte Januar herum, denn andernfalls reicht die Vegetationsperiode nicht mehr aus – denn die Pflanzen müssen ja erst einmal keimen, anschließend wachsen, bestäubt werden und die Früchte reifen. All das dauert seine Zeit, nämlich Monate. Erfolgt die Aussaat zu spät, dann ist zum Erntezeitpunkt bereits wieder der erste Bodenfrost da und der tötet die Pflanzen ab, so dass die ganze Arbeit vergebens gewesen ist! Erfahrungsgemäß keimt knapp die Hälfte des ausgebrachten Saatgutes, was bei der Aussaat selbstverständlich zu berücksichten ist. Also immer mehr Einsäen als man hinterher braucht!

Während der Keimung scheint das Spektrum des Lichts offensichtlich keine gravierende Rolle zu spielen. Das ändert sich grundlegend, sobald die ersten, zarten Pflänzchen da sind. Heutiges Isoglas filtert viel zuviel Sonnenlicht raus, so dass die Pflanzen kümmerlich bleiben. Später bei der Ernte bedeutet das, dass sie um gut ein Vierteljahr zurück liegen und die Vegetationsperiode dann nicht mehr ausreicht. Auch sind derartige Pflanzen offensichtlich sehr viel anfälliger für den Befall durch Schädlinge. Wann immer möglich, sollten die (noch) in der Wohnung wachsenden Pflanzen daher NICHT hinter volldämmendes Isoglas gestellt werden – wobei allerdings die pralle Sonne auch tunlichst zu vermeiden ist.

Bei einer Höhe von etwa 15cm werden kümmernde Pflanzen entfernt, so dass die verbleibenden, kräftigen Pflanzen genug Platz zum Ausbreiten haben. Für einen 50cm-Balkonkasten bedeutet das, dass dort nicht mehr als acht Pflanzen drin sein sollten (sie wuchern ohnehin weit nach draußen). Je nach Witterung kann man die Kästen dann bereits, sofern 10°C sicher nicht unterschritten werden, vor den Eisheiligen mal für max. vier Stunden nach draußen in die Sonne stellen. Aber auch hier gilt: Nicht in die pralle Sonne, denn die Pflanzen müssen sich ja erst an das andere Licht gewöhnen. Zuviel Sonne verbrennt! Die Gewöhnungsphase lässt sich mit rund einer Woche veranschlagen. Erst nach der Gewöhnung an das andere Licht und NACH den Eisheiligen – d. h. wenn KEIN Frost mehr zu erwarten ist – dürfen die Kästen endgültig nach draußen. Aber auch wieder nicht in die pralle Sonne!

An dieser Stelle zeigt sich der große Vorteil bei der Chilizucht im Blumenkasten, denn Kästen sind mobil. Man kann sie zum Schutz vor Staunässe durch Regen (was zum Verfaulen der Pflanzen führt) oder zum Schutz vor Windbruch oder vor zuviel Sonne (was Verbrenungen verursacht) immer mal umstellen und so den Pflanzen optimale Bedingungen bieten. Sobald die Blütephase eingesetzt hat, ist es wenig erfolgversprechend, sich hinsichtlich der Bestäubung auf den Wind oder auf Insekten zu verlassen. Deswegen bestäubt man selbst. Mit einem feinen Pinsel oder Wattestäbchen, mit dem man täglich von Blüte zu Blüte geht, funktioniert das ziemlich zuverlässig. Die erfolgreiche Bestäubung sollte nach ungefähr drei Wochen gut erkennbar sein u. d. h. es haben sich deutliche Fruchtansätze herausgebildet.

Die Früchte wachsen anschließend etwa sechs Wochen lang, wobei die Witterung eine Rolle spielt (nasskalte Witterung verzögert das Wachstum enorm, ebenso das Abreifen). Das Abreifen erkennt man am Verfärben. Hat die Verfärbung erst einmal eingesetzt, dann vergehen bis zum Durchfärben und auch wieder witterungsabhängig bei warmem Wetter noch einmal drei bis fünf Tage. Belässt man die Früchte anschließend noch einmal für den gleichen Zeitraum an der Pflanze, dann kann man sicher sein, dass sie auch komplett abgereift sind. Es empfiehlt sich zum Kontrollieren des Reifegrades auch die Druckprobe. Dazu wird die Frucht vorsichtig und mit Gefühl zwischen zwei Fingern etwas gedrückt. Fühlt sie sich fest an, dann ist sie OK. Fühlt sie sich hingegen weich an, dann ist sie bereits überreif und sollte schnellstens geerntet werden. Zur Ernte empfiehlt es sich unbedingt, sie mit anhängendem, grünem Pflanzenfortsatz abzuschneiden. Warum? Nur dann, wenn dieser Fortsatz noch dran ist, reifen die Früchte auch nach. Das ist bspw. für den Fall wichtig, dass eine doch noch nicht ganz durchgefärbte Frucht versehentlich zu früh abgenommen wurde.

Geerntete Früchte kann man problemlos einen Tag liegen lassen, doch spätestens am zweiten Tag sollte man sie dann doch verarbeiten, damit sie nicht verschimmeln. Wäre ja echt schade darum, nicht wahr? Zum Verarbeiten sind die üblichen Sicherheitsvorkehrungen u. d. h. mindetens Schutzbrille und PE-Handschuhe (KEIN Vinyl, Latex o. ä., weil sich das binnen Rekordzeit auflöst!) zu verwenden; bei den extrem scharfen Sorten ist auch ein Atemschutz (Gasmaske mit HEPA-Filter) nicht verkehrt. Wie man die Chilis verarbeitet hängt davon ab, wie man sie konservieren will. Ich selbst schwöre dabei ja schon seit Jahren auf das Entkernen (d. h. das Extrahieren von Saatgut für die nächste Saison, wobei die Kerne 1-2 Wochen auf Küchenpapier in der Fensterbank getrocknet werden und anschließend in eine licht- und luftdicht schließende Dose wandern) mit nachfolgendem Kleinschneiden (wichtig für ein gutes Portionieren) und Einfrieren.

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Sonstiges:

Gekauftes Saatgut ist in erster Linie für die Reinzucht von Interesse und auch vergleichsweise teuer, gerade bei den superscharfen Sorten. Erfahrungsgemäß bietet der Fachhandel solches Saatgut auch immer erst dann an, wenn es eigentlich bereits zu spät für die Aussaat ist. Eine m. E. sehr gute Alternative, die sich allerdings weniger für die Reinzucht als vielmehr für Chilis zum Essen eignet, sind frühzeitig im Internet bestellte und fertig geerntete, frische Früchte. Zugegeben, auf dem Postweg ist im Zuge der Lieferung und bis zum Erreichen des Empfängers bereits die Hälfte verdorben. D. h. das kommt als Matsch zum Wegwerfen an. Aber es bleibt immer noch genug Material übrig, um daraus sehr gutes Saatgut zu gewinnen. D. h. entkernen, die Kerne auf Küchenpapier trocknen und bis zur Aussaat luft- und lichtdicht aufbewahren. Wenn man also bspw. im Oktober oder November frische Chilifrüchte bestellt, dann hat man zur Saat im Januar garantiert genug Saatgut. Bei den ganz scharfen Sorten – so ab Habanero aufwärts – gilt als Faustregel übrigens die alte Ehefrauen-Weisheit, nämlich je faltiger, desto giftiger. Das mag damit zusammenhängen (nur eine Vermutung meinerseits), dass jede Falte der Früchte innen zur Plazentabildung führt und gerade darin konzentrieren sich ja die Schärfestoffe. Also je mehr Falten, desto mehr Plazenta und auch desto mehr Schärfe. Wohl bekomm’s! ;)

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