Jetzt liegen, bedingt durch die gesundheitlichen Probleme meiner Frau, ein paar aufregende Tage hinter mir. Mit viel Krankenhaus-Fahrerei und noch mehr ZNA-Warterei (ZNA = Zentrale Not Aufnahme). Kam so: Zuerst ist sie auf der Arbeitsstelle bewusstlos geworden und gestürzt. Als Ursache gilt, nach Untersuchungen im Krankenhaus, mittlerweile starke Hypotonie (Blutunterdruck), hervorgerufen durch einen vermutlich angeborenen Herzfehler. Der nun wiederum auch nur zufällig nach 57 Jahren entdeckt worden ist und mit dem den Statistiken zufolge wohl so rund jeder Fünfzigste rumläuft. So weit, so gut. Entlassung aus dem Krankenhaus und plötzlich konnte sie den rechten Arm nicht mehr bewegen. D. h. jede Bewegung verursacht enorme Schmerzen. Also in die ZNA und das abklären lassen. Resultat ist eine innere Prellung, bei der die Sehne wahrscheinlich im Zuge des Sturzes was von Kalkablagerungen am Knochen abbekommen hat. Damit sie mir nicht zusammenklappt, verlegte ich mich auf die Art von Kommunikation, die zu einem erhöhten Adrenalin-Ausstoß führt: “Du bist nunmal jetzt in einem Alter, in dem man mehr Anwendungen als Zuwendungen bekommt!” Je makabrer der böse Spruch, desto mehr Adrenalin: Läuft!

Mein eigener Adrenalinspiegel ist dabei allerdings auch angestiegen. Ursache waren die Verwaltungsmaßnahmen. Immer wieder: Anamnese, die Frage nach Allergien, Anschrift, lebensbredrohlichem Fußpilz usw. Das nervte! OK, ich verstehe ja, dass das alles seine Ordnung haben muss. Außerdem hilft jede noch so kleine Info dem Arzt weiter. Aber muss man wirklich jedesmal das Rad neu erfinden oder das Feuer neu entdecken? In dem Zusammenhang kam mir eine Idee. Lt. Statistik haben wir hier in Deutschland ca. 49 Millionen Smartphonebenutzer; das entspricht rund 60% der Bevölkerung. Für Rettungskräfte ist es schonmal sehr hilfreich, wenn ein Verunfallter auf seinem Handy die unmittelbar zu informierenden Angehörigen mit dem Kürzel ICE (international verwendetes Kürzel für “In Case of Emergency”) kenntlich gemacht hat. Aber man könnte – auf freiwilliger Basis – auch noch sehr viel weiter gehen, nämlich indem man z. B. ein PDF mit den ganzen Gesundheitsdaten auf dem Handy vorhält.

Was müsste da drin stehen? Personalien, Familienstand, wer im Notfall zu informieren ist, bisherige Impfungen, die Krankengeschichte bzw Anamnese (Unfälle, Infektionen, sonstige Erkrankungen), chronische Erkrankungen, Allergien, aktueller Medikamenten-Einnahmeplan usw. Eben alles, was für einen Rettungsdienstler und für einen Arzt von Belang ist. Das ließe sich mit einer x-beliebigen Textverarbeitung anfertigen, PDFen und auf das Smartphone überspielen. Dort liegt es dann als lokales Dokument vor. Es muss nur noch gefunden werden. Letzteres funktioniert am einfachsten, wenn man besagtes Dokument als Icon unmittelbar auf dem Screen legen könnte. Mit einem gleichfalls x-beliebigen PDF-Viewer ließe es sich dann aufrufen und im Bedarfsfall auch teilen – bspw. mit dem System einer Krankenhausverwaltung. Das alles ist bereits heute schon mit vorhandenen Mitteln problemlos machbar. Um den Datenschutz zu gewährleisten, könnte man das PDF vielleicht noch per Password sichern.

Alles, was man nun noch bräuchte, wäre eine Handy-App, die besagtes PDF mit einem Notfallsymbol versieht (z. B. ein Erste-Hilfe-Koffer, ein rotes Kreuz o. ä.), auf den Screen des Handys legt und beim Antippen über den separat installierten PDF-Viewer (s. o.) aufruft. Leider ist mir eine App, die das kann nicht geläufig und von der App-Programmierung habe ich auch keine Ahnung. Doch vielleicht jemand aus der Leserschaft, der sich diesbezüglich angesprochen fühlt? Und wie würde das in der Praxis dann ablaufen? Da sind zwei Fälle zu unterscheiden, nämlich ansprechbarer und nicht ansprechbarer Patient.

Erster Fall: Der Rettungsdienst wirft nach der Versorgung des (nicht ansprechbaren) Patienten einen Blick auf dessen Handy, findet das Notfallsymbol und tippt drauf. Daraufhin startet der PDF-Viewer und präsentiert die Personalien des Verunfallten sowie die zu informierenden Angehörigen, u. U. auch bereits die medizinischen Daten. Dieser Fall ist aber eher unwahrscheinlich, denn er setzt ein völlig entsperrtes Handy inklusive eines ungeschützten PDFs voraus. Das würde also nur unter völliger Vernachlässigung von jeglichem Datenschutz funktionieren können.

Zweiter Fall: Der Patient ist ansprechbar. Er zückt selbst sein Handy (bzw. informiert die Helfer entsprechend), entsperrt das PDF mittels des ihm bekannten Passwords und kann das PDF mit den Gesundheitsdaten mit Hilfe des PDF-Viewers nun teilen – mit dem Handy des behandelnden Arztes, der Krankenhausverwaltung usw. Dann haben die zuständigen Stellen sofort alle relevanten Daten zur Hand.

Was haltet ihr von der Idee? Machbar und nützlich oder habe ich dabei was entscheidendes übersehen? Man könnte das Ganze selbstverständlich auch ohne die o. e. fiktive App realisieren, aber mit wäre es natürlich einfacher. Oder man könnte besagte App auch den Datensatz gleich selbst erstellen lassen – der Möglichkeiten gibt’s viele!

7 Antworten auf Nur so eine Idee …

  • elfina sagt:

    deiner lieben gattin wünsche ich gute genesung mit einem herzlichen gruß.
    leider kann ich bestätigen, dass ab einem gewissen alter einschränkungen zunehmen.
    mir ist arthrose in vielen gelenken beschieden.

    allerdings wurden die chronischen schmerzen in den handgelenken vor der diagnose arthrose jahre später damit erklärt, einfach zu zart zu sein.

  • somethingswrong sagt:

    Super Idee!
    Ich habe vor einigen Tagen ein Beispiel dazu gefunden:
    http://www.toenning-rathaus.de/fileadmin/download/Notfallmappe.pdf

  • Berlingonaut sagt:

    Gute Idee. Und das gibts auch schon als App: ICE.

  • Soeckchen sagt:

    Alles gute Ideen aber was ist wenn? Deine Idee setzt ein noch funktionierendes Smartphone bis hin zum gläsernen Menschen voraus, das IMMER funktioniert.

    Und was machen wir wenn beim Unfall das scheiss Smartphone kaputt geht, der Akku tot ist? Alles gute Ideen aber was ist wenn?

    Ich kann Deine Begeisterung für die Smartphones verstehen, aber sie sind Segen und Fluch zugleich und hätten meines Erachtens nach NIE erfunden werden dürfen. Wer gibt mir denn die Garantie dafür, dass im Notfall wirklich nur mein “Notfall-PDF” ausgelesen wird? Da kann man ja auch gleich sein gesamtes Leben mit allen Lastern an die nächste Litfass-Säule kleben sofern es diese noch gibt.

    • Letztlich ist es ziemlich egal, ob du die betreffenden Daten (zum Inhalt s. oben verlinktes RTF) im Gedächtnis hast, auf ‘nem Zettel mit dir rumschleppst oder auf dem Handy vorhältst. Es geht ja nur um das, was im KH oder in einer Arztpraxis sowieso abgefragt wird. Da man im Falle einer Verletzung kaum dazu bereit bzw. in der Lage ist, ein derartiges “Quiz” durchzustehen (stell’ dir einfach vor, dein Arm oder Bein ist gebrochen und dann nervt so ein Verwaltungshengst) bleiben Zettel oder Handy übrig. Den Zettel nimmt man doch sowieso nicht immer mit, denn was soll man noch alles mit sich rumschleppen? Daher bietet sich – logische Folgerung – das i. d. R. sowieso mitgeführte Handy an. Hat man da die Daten nicht (ich schrieb oben was von freiwillig) und auch den Zettel nicht, dann bleibt wieder nur das Gedächtnis. Genauso: Wenn Handy oder Akku tot sind, dann geht’s eben damit nicht. Ganz einfach. Und mal ehrlich: Ist der Datenschutz im Krankenhaus oder in der Arztpraxis wirklich um so Vieles besser als beim Umgang mit dem Handy? Wenn ich Gesundheitsdaten von irgendwem abgreifen wolle, dann wäre das Smartphone des Betreffenden ganz bestimmt nicht meine erste Wahl …

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*Das Captcha bitte eingeben!

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Wetterwarnungen

News per RSS

Counterize

Seitenaufrufe: 1224171
Seitenaufrufe heute: 320
Letzte 7 Tage: 5973
Besucher online: 1

Januar 2018
M D M D F S S
« Dez    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Social Media

free twitter buttons



Meine HP & Bücher

Uhrzeit