Bei jedem einzelnen Schritt ertönt ein unangenehmes, schmatzendes Gurgeln. Der zähe, klebrige Matsch versucht mir das Schuhwerk auszuziehen und durch die hohen Gummistiefel ist die inzwischen bereits ziemlich unangenehme Kälte des allgegenwärtigen Wassers deutlich zu spüren. Die Luft ist klar und kalt, riecht aber nach Fäulnis, Erde, Moder und Verwesung: Ich musste unbedingt mal wieder raus! Das Ziel meines kleines Rundgangs in der Regenpause war das uralte Weidengehölz am Mühlgraben neben dem fast vergessenen Judenfriedhof. Ruhe pur, denn ein Weg existiert hier nicht und folglich verirrt sich auch kaum ein Mensch dorthin. Den Weg muss man sich durch das Unterholz selbst suchen, immer am Bach entlang. Einem Bach, der gestern sein Bett verlassen und das nahe gelegene Feld geflutet hat. Entsprechend hoch ist auch der Wasserstand. Was früher mal ein Rinnsaal war, das ist heute schnell fließend, teils reißend und ein bis zwei Meter tief. Schlamm auf der einen und Wasser auf der anderen Seite. Dazwischen – mehr zu erahnen denn zu sehen – ein schmaler Streifen, auf dem Gräser und Brennnesseln den Untergrund noch halbwegs fest halten. Nur dort kann man ungefährdet auftreten, muss aber auch bei jedem Schritt zunächst die Tragfähigkeit des Bodens prüfen. Wasser und Pfad – so man das denn so nennen will – liegen auf gleicher Ebene.

Der vermeintliche Pfad ist ständig versperrt. Versperrt durch abgebrochenen Bäume, denn die vorausgegangenen Stürme haben hier böse gewütet. Nicht ganz ungefährlich, denn viele der alten, morschen Weiden sind nicht komplett abgebrochen, sondern hängen in einem labilen Gleichgewicht so zwei bis drei Meter über mir. Immer wieder der prüfende Blick: Kann ich da drunter durchgehen? Hält das oder bricht das runter? Bei einem der Bäume bin ich mir nicht sicher. Vorsichtig tippe ich das brüchige Gebilde nur leicht mit dem Zeigefinger an, woraufhin alles zu schwanken beginnt. Lieber nicht drunter durch. Lieber drum herum. Man soll seinem Schutzengel ja keinen übermäßigen Stress bereiten. Drumherum wird mühsam, weil die Stiefel bis über den Knöchel im Schlamm versacken. An anderer Stelle versperrt mir unvermittelt ein Gitter aus Weidenholz das Durchkommen. Nun heißt es klettern. Schließlich muss ich mich etwas beeilen, denn das Licht schwindet bereits merklich. In einer Stunde u. d. um 17:00 Uhr ist es schon finsterste Nacht. Eigentlich kann ich mich ja heute wie der typische Niedersachse fühlen. Den erkennt man bekanntlich an den Gummistiefeln in Kombination mit der Regenjacke und dem Tornister auf dem Rücken, in dem sich ein Schlauchboot befindet. Einige Zeitgenossen sollen ja sogar schon Schwimmhäute zwischen den Fingern haben. OK, das Schlauchboot habe ich weggelassen und die Schwimmhäute sind noch nicht voll ausgebildet. Kiemen wäre wahrscheinlich der nächste Evolutionsschub. ;) Jedenfalls hat sich die Tour gelohnt, weil ich ein paar ganz brauchbare November-Fotos schießen kann. Denn seien wir mal ganz ehrlich: So besonders viel hat der graue Monat nun landschaftlich wirklich nicht zu bieten! Hier mal ein Dutzend Aufnahmen von der Tour. Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!

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Eine Antwort auf Matschrundgang

  • Jokerman sagt:

    Ihr habts gut in Niedersachsen! Bei uns braucht man keinen Sturm, damit die Weiden und andere Bäume umfallen. Das schafft der Biber schon ganz allein, zu jeder Jahreszeit. Letztes Jahr hat er alle Apfelbäume an der Straße gefällt. Da haben wir sonst immer Äpfel zum Mosten geholt, rund 12 Liter sind da schon bei rausgekommen. Das ist nun vorbei. Ich liebe Biber – am liebsten gegrillt!

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