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So ein’ Tag,
so abgefuckt wie heute,
so ein’ Tag
möcht’ ich nie wieder seh’n!
(Erkenntnis des Tages)

Mann-Mann-Mann! Das hätte echt ins Auge gehen können! Die positive Nachricht zuerst: Ich lebe noch. Meine Mitfahrer auch. Und dem Auto ist auch nichts weiter passiert, obwohl ich unmittelbar davor stand, gegenzutreten. Heute hatten meine Frau und ich Urlaub genommen, weil wir meine geistig behinderte Schwägerin zur Zahn-OP nach Empelde fahren mussten. Wir fuhren um 10:30 Uhr los. Wie üblich nahezu Luftlinie u. d. h. über die Berge, über den Nienstedter Pass. Lief perfekt. Kamen früh in Empelde an, mussten nicht lange warten, OP (ambulant) verlief wider Erwarten komplikationslos und meine Schwägerin war nach dem Aufwachen die Ruhe selbst, absolut lammfromm, ein absolutes Novum. Alles total supi und easy und irgendwie machte sich bei mir deswegen ein ziemlich mieses Gefühl breit. Weil ich die Heimtücke des Herrn Murphy ja schon zur Genüge kenne!

Gegen 14:00 Uhr die Rückfahrt, auch wieder über die Berge. Eben den Nienstedter Pass hinter mir gelassen – ging jetzt knapp dreihundert Meter talwärts – als sich in der ersten Spitzkehre der Serpentinen das Armaturenbrett übergangslos in so eine Art von Weihnachtsbaumbeleuchtung verwandelte, der Motor ausging, Bremse und Lenkung nicht mehr funktionierten und das Auto immer schneller werdend – so wie man es aus Filmen kennt – Richtung Tal an Fahrt zulegte. Lenken ging als Kraftakt gerade so eben noch, denn der ganze Servoplunder war ausgefallen. Das trug bereits Züge vom freien Fall. Allerdings mit den Flugeigenschaften eines Tresors. Bremsen – na ja … Mit der Kombination aus Runterschalten und mechanischer Handbremse schaffte ich es gerade so eben, die Karre auf einem matschigen Waldweg zum Stehen zu kriegen. Ohne Überschlag oder Beulen. Mein Blutdruck muss in dem Moment irgendwo in der Erdumlaufbahn gekreist sein. Als meine Frau dann noch rummaulte, dass ihr schönes Auto ja in dem Schlamm ganz dreckig geworden sei und was ich mir dabei gedacht hätte – ich hätte ja auch woanders parken können – da kreiste mein Blutdruck in der Mondumlaufbahn und meine Erwiderung auf diese Äußerung ist nicht öffentlichkeitstauglich.

OK, da standen wir nun. Mit einem Auto, das nicht mehr lief. Mitten im Wald. Im Matsch. Bei Scheißwetter. Notrufsäulen gibt’s da oben in den Bergen nicht. Dann auch noch direkt unter dem Nienstedter Pass. Bedeutet kein Handynetz, denn die Gegend kultiviert Funklöcher. Ich also raus aus dem Auto: Matsch-Quatsch-Latsch-Matsch-Quatsch… HANDYNETZ!!! Den ADAC angerufen: “Alle Leitungen sind z. Zt. belegt. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal!” GRRRRR… Ich versuchte. Und versuchte. Wieder und wieder. Bis die Bandansage umschaltete auf: “Sie erreichen uns auch jederzeit über die Internetseite unter www…” Ich mein Handy angebölkt: “Mitten im Wald? Ohne funktionierendes Netz? Wollt ihr mich verarschen?!?” Zwischenzeitlich rief meine Frau von hinten: “Hast du immer noch keinen erreicht?

Dann eben Plan B. Wieder – Quatsch-Matsch-Latsch – ein Handynetz gesucht. Anschließend den Abschlepper bei uns im Ort angerufen. Klappte. Der machte mich sofort darauf aufmerksam, dass das teuer werden könnte, da er nicht im Auftrag des ADAC fährt. Hmm… ja… – gutes Argument. Ich es wieder beim ADAC versucht, nachdem ich – Quatsch-Matsch-Latsch – erneut ein Handynetz gesucht und gefunden hatte: “Alle Leitungen sind z. Zt. belegt. Bitte versuchen Sie es …” Wisst ihr, was der absolute Nullpunkt ist? Das ist da, wo sich meine Laune zu dem Zeitpunkt befand. Ich meine, es war neblig. Es nieselte und alles war schon klamm. Kalt auch. Ich hatte schon seit dem Morgen nichts mehr gegessen oder getrunken. Mittlerweile brach auch noch die Dunkelheit herein und erste Gedanken daran, doch vielleicht den Heimweg unter Tage zu suchen, stellten sich ein. Inzwischen hatte meine Frau noch eine andere ADAC-Nummer rausgekramt. Da probierte ich es, nachdem ich ein Handynetz hatte finden können. Und, welch’ Wunder: Ich kam auf Anhieb durch!

War allerdings ‘ne verflucht schlechte Verbindung. Mitten im Gespräch war die nämlich wieder weg. Nochmal versucht und nochmal und … Nach dem x-ten Versuch (unter Tage und zu Fuß wäre ich der Heimat schon sehr viel näher gekommen und garantiert auch nicht annähernd so dreckig wie im Wald in der Pampe gewesen!) klappte es. Meine behinderte Schwägerin wurde inzwischen auch bereits sichtlich unruhig. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich dann eine Dame vom ADAC in der Leitung, die alles aufnahm und einen Abschlepper schicken wollte. “Wo genau auf der A5 stehen Sie denn?“, wollte sie wissen. Ich: “Ähh… – da ist irgendwas falsch angekommen! Ich bin nicht auf der A5!” “Ja, wo sind Sie denn dann?” Dann gab ich ihr das nochmal durch. Und nochmal. Und … Wie schon gesagt, Funkloch. Als ich mich dann auf meine rudimentären Kenntnisse des NATO-Alphabetes beschränkte – Morsen wäre einfacher gewesen! – da klappte das einigermaßen. Kurze Zeit später rief ein Abschlepper an und ließ sich das bestätigen und eine gute halbe Stunde später war der Abschlepper auch da.

Es handelte sich um einen Kranwagen. Im Führerhaus drei Plätze. Passte ja auch: Der Fahrer, meine Frau, meine Schwägerin und ich. Macht … – “Ähem, ich hatte am Telefon doch extra darauf hingewiesen, dass wir vier Personen sind!” “Die passen bei mir nicht rein!“, meinte der Fahrer. “Dann fahre ich eben oben im Auto mit!“, entgegnete ich kurz entschlossen. “Eigentlich ist das nicht erlaubt … Wollen Sie gleich einsteigen und mit dem Kran hochgehoben werden? Dann müssen Sie nicht hochklettern.” “Ja, OK.” Was dann folgte, war eine Art von Schiffschaukel. Anschließend, auf dem Abschlepper, wurde der Wagen meiner Frau nicht sonderlich gesichert, sondern halb stand er und halb hing er am Kran. D. h. jede noch so winzige Bodenwelle, jedes Schlagloch, jede Kurve übertrugen sich Fahrgeschäft-mäßig megaverstärkt auf den Wagen. So im Vergleich: Nordsee bei Windstärke Sieben! Bereits in der ersten Kurve in Nienstedt dachte ich: “Wer nicht seefest ist würde jetzt wohl das Auo vollkotzen!

Na ja, um 17:00 Uhr waren wir dann in der Werkstatt. Dort tippt man so als ersten Verdacht auf einen Fehler in der Kraftstoffzufuhr. D. h. verdreckter Sprit, Kabelfehler an der Benzinpumpe, Benzinpumpe selber, irgendwas mit dem Einspritzsystem, vielleicht auch undichte Leitungen aufgrund eines unliebsamen Besuchs o. ä. Mal abwarten. Jedenfalls hatte ich mir den Verlauf des heutigen Tages gänzlich anders vorgestellt! So ein Tag wie heute gehört ersatzlos gestrichen. Und Herr Murphy hat vor lauter Lachen garantiert auf dem Boden gelegen! Das ist einer von den Tagen, an dem ich mir sage: “Ich hätte meinen alten VW Käfer 1302 niemals Kalli und Hörni vom TÜV überlassen dürfen!

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4 Antworten auf So ein Tag …

  • elfina sagt:

    vielleicht ein schwacher trost doch murphy schlägt auch bei anderen immer wieder zu.

    die nachbarin von gegenüber bemerkte die zerkratzte motorhaube. um den schaden zu beheben brauchte es wohl gut 1.000 euronen.
    letzte woche mittwoch krachte ihr ein porsche suv vorne rein, der schaden wird so bei 3.000 euronen liegen, könnte sich aber auch als totalschaden rausstellen.

    eigentlich wollte die nachbarin im näxten jahr das auto verkaufen und sich ein neues anschaffen, der traum scheint geplatzt zu sein.

    asmodis, dir und deinen lieben ein glückliches und gesundes weihnachtsfest, trotzdem un d überhaupt!!!

    noch ein schwacher trost, deine schwägerin war recht tapfer und hat sich wohl recht angemessen verhalten, sonst hättest du vielleicht noch mehr probleme bekommen können.

  • Heinz Forster sagt:

    Herrlich.. Man muss in solchen Erlebnissen aber doch auch das Positive sehen. Man merkt wieder, dass man noch lebt. Ich leide, also bin ich. Die Deutsche Bevölkerung macht uns das doch jeden Tag vor. Könnte man der Politik nicht noch was Positives abgewinnen, wären längst alle verrückt geworden.

  • Heinz Forster sagt:

    Vielleicht kann dies hier ertwas trösten..
    http://file1.npage.de/009380/99/bilder/blog1223.jpg

    • Na ja, ein ziemlicher Schrecken war’s schon, als die Karre plötzlich bergab rauschte und ich feststellte, dass nichts mehr ging – bzw. fast nichts. Die Lenkung hatte immerhin was von einem im Dreck versackten Trecker, aber die Bremse … Der “Übeltöter” war ein defektes AGR-Ventil – vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Abgasr%C3%BCckf%C3%BChrung – welches den Motor mit Abgas flutete und ihm die Frischluft verweigerte. Daran ist er erstickt; da musste der ja ausgehen. Bloß, dass dann alles andere auch nicht mehr wollte habe ich in dieser Form noch nie so krass erlebt. Man lernt eben immer wieder dazu. Jetzt läuft die Karre wieder: Reparaturkosten 232,05€. Wenn mehr Schnee gelegen hätte oder Eis dazu gekommen wäre oder meine Frau am Steuer gesessen hätte, dann wär’s ein Totalschaden, u. U. mit Verletzten oder sogar Toten, geworden. Gibt meine Frau selber zu. Nochmal Glück im Unglück gehabt! Außerdem hat der Schlamm uns ja relativ weich aufgefangen.

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