Ich fotografiere nun schon seit über vier Jahrzehnten, und das mehr oder weniger ambitioniert. Manche sagen auch semiprofessionell dazu. In all diesen Jahren sind mir etliche Stative untergekommen. Nicht, dass ich die Aufnahmen immer mit Stativ mache, ganz im Gegenteil sogar! Denn je weniger an Gewicht und an sperriger Ausrüstung mitzuschleppen ist, desto beweglicher ist man auch. Aber es gibt eben auch zig Situationen, in denen man um ein Stativ nicht drumrum kommt. Welche Art von Stativ man da nimmt, richtet sich nach der jeweiligen Situation sowie den Anforderungen und das Idealstativ für alle Situationen und Anforderungen gibt es m. E. nicht. Insofern werde ich hier auch kein bestimmtes Stativ empfehlen. Eigentlich lässt sich sogar nur eine allgemeingültige Aussage machen: Wer am Stativ spart, der spart am falschen Ende (und das Zeug in der Preisklasse unter hundert Euro kann man guten Gewissens gleich liegen lassen)!

Wie ist das zu verstehen? Ich hatte mal – ist schon viele Jahre her – ein recht gutes Stativ von Hama. Bei dem war der Stativkopf fest montiert. Die Spiegelreflex mit Riesenzoom davor trug es spielend, nämlich jahrelang. Irgendwann im Winter passierte es dann: Kaltes und obendrein im Laufe der Zeit versprödetes Plastik als Halter für den Stativkopf. Drauf kam die Canon T90 nebst 1000mm-Tele, was zuvor immer problemlos hinhaute, da das Stativ eigentlich für Filmkameras ausgelegt war. “Knacks!“, sagte die Halterung vom Stativkopf, als er sang- und klanglos abbrach. Glücklicherweise hatte ich den Trageriemen der Kamera um meinen Nacken gelegt. Als die Einheit aus Kamera, Objektiv und Stativkopf abbrach, da brach es mir zwar auch fast das Genick, aber Kamera und Objektiv blieben unversehrt. Das Stativ hingegen konnte ich nur noch wegwerfen (bzw. ich hab’s zu was anderem umgebaut). Ein anderer Fall war das Cullman Magic 2. Eigentlich ein Spitzenteil. Uneigentlich aber war an der Mechanik der Beinauszüge gespart worden, was dazu führte, dass zwei der Beine sich auf immer und ewig so fest verklemmten, dass das Stativ nur noch sehr bedingt mit lediglich zwei Dritteln seiner Sollhöhe einsatzfähig blieb.

Worauf also muss man beim Stativkauf achten? Mit einer Ausnahme – nämlich Tischstative bzw. Stativhandgriffe – darf der Stativkopf niemals fest am Stativkörper montiert sein. Er muss IMMER mittels 3/8″ Schraubbefestigung unterseitig an den Stativbeinen montiert werden können und oberseitig die 1/4″ Schraube für das Gewinde in der Kamera aufweisen. Ist diese grundlegende Bedingung nicht erfüllt, dann gilt unbedingt: LIEGENLASSEN! NICHT KAUFEN! Warum? Die meisten Stative weisen Kugelköpfe auf. Mitunter sind die ganz nützlich, gerade beim Einbeinstativ. Häufig aber eben auch ganz und gar nicht und außerdem weisen Kugelköpfe bei rauem Umgebungseinsatz eine doch eher recht begrenzte Lebensdauer auf. Dann müssen sie gegen einen vernünftigen, separat zu beschaffenden Stativkopf ausgetauscht werden und der muss sich standardmäßig befestigen lassen. Dazu dient die o. e. 3/8″ Schraubbefestigung. Die ist Standard. Hat man also ein Stativ in die engere Wahl genommen und weiß nicht, ob der Kopf fest montiert oder regulär verschraubt ist, dann unbedingt vor dem Kauf beim Händler anfragen: Die Festmontage ist ein absolutes NO GO!

Kommen wir nun zu den Beinen des Stativs. Da wird zwischen Monopod (Einbein) und Tripod (Dreibein) differenziert. Das Monopod ist für gewöhnlich klein, leicht und handlich. Es stellt daher das ideale Reisestativ dar. Aber: Es stabilisiert die Kamera lediglich soweit, dass man auch noch bei einer Sekunde Belichtung mehr oder weniger “frei Hand” fotografieren kann. Das funktioniert umso besser, je eher man die auf dem Monopod befestigte Kamera noch zusätzlich irgendwo anlehnen kann (Mauer, Straßenschild, Baum, Geländer usw.). Ein richtiges Stativ ist das aber nicht – jedenfalls nicht in dem Sinne, als dass man die Kamera draufmontiert und das Ding dann von selbst stehen bleibt. Filmen bspw. geht damit also nicht. Auf der anderen Seite muss man für ein gutes Monopod kein Vermögen ausgeben, denn solche Teile bekommt man schon für unter zwanzig Euro in ganz guter Qualität. Vom Stativkopf mal abgesehen. Der taugt i. d. R. nichts, wird abmontiert, weggeworfen und – ggf. per Adapter – durch einen vernünftigen Kopf (s. o.) ersetzt. Hier zeigt sich auch gleich etwas, was für alle Stative gilt: Beine und Kopf werden separat gekauft und anschließend je nach Wunsch zusammengestellt.

Betrachten wir jetzt das Tripod. Das ist bereits ein “richtiges” Stativ, denn da kann man die Kamera draufpappen und stehen lassen. Allerdings gilt es, ein paar Feinheiten quasi “unter der Haube” zu beachten. Da ist zunächst einmal die Beinform des Stativs. Bei Aluprofilen verstehen sich Schnappverschlüsse von selbst. Bei Rohren MÜSSEN es Schnappverschlüsse sein, denn Schnellklemmenverschraubungen zum Drehen bieten die absolute Gewähr dafür, dass sich irgendwann eines oder mehrere Beine mit Sicherheit unwiderruflich verklemmen und das Stativ unbrauchbar machen! Übrigens haben die Gelenke, mit denen die Stativbeine befestigt sind, aus Metall und NIEMALS aus Plastik zu bestehen, denn andernfalls ist ein Zerbrechen, gerade bei Alterung oder Kälte, vorprogrammiert.

Doch es gibt gerade beim Tripod noch mehr, was unbedingt zu beachten ist. Da ist einmal die maximale Belastbarkeit. Bei der bilden 2kg das absolute Minimum: Je mehr, desto besser! Warum? Weil die Herstellerangaben unrealistisch, sprich nach oben hin ausgereizt sind. Der Hersteller gibt eigentlich immer das an, was ermittelt worden ist, wenn das Stativ gerade so eben beim schräg Angucken noch nicht zusammenbricht. Realistische Belastbarkeiten liegen erfahrungsgemäß bei zwei Dritteln oder der Hälfte dieses Wertes! Montiert man Kamera und Objektiv auf ein Stativ, dann kommen schnell ein paar Kilo zusammen. Gehen wir mal beispielsweise von drei Kilogramm aus, dann kann man Stabilität nur dann erwarten, wenn die maximale Belastbarkeit bei vier bis sechs Kilogramm liegt.

Dann wird oftmals noch die maximale Arbeitshöhe angegeben und das ist auch so eine Mogelangabe für sich, denn 1,4m braucht man realistisch gesehen minimal, eher mehr. Nur, wenn das bereits der Angabe für die maximale Arbeitshöhe entspricht, dann ist die ganze Konstruktion mit aufgesetzter Kamera bereits soweit ausgereizt, dass sie wackelt, wenn man nur leicht gegenpustet. Ergo sollte man für die maximale Arbeitshöhe (die man hinterher aus Stabilitätsgründen eben NICHT ausreizt) eher so 1,6-1,8m anpeilen. Das wiederum ist nur dann stabil zu bauen, wenn die Stativbeine vier Auszüge (NIEMALS weniger!) aufweisen, auch MÜSSEN die Beine bis zur Stativkopfbefestigung reichen, also ein hohes Dreibein bei kurzer Mittelsäule bilden! Andernfalls wird das ganze Geschiebe extrem vibrationsanfällig; nicht nur gegen Wind, sondern auch bereits beim Anhusten oder wenn ein LKW vorbei fährt.

Nun gibt es die Tripods als Reisestative ebenso wie als Normal- oder Vollstative. Normal- oder Vollstative sind deutlich schwerer, da massiver gebaut. Die nimmt man für Videoaufnahmen. Bei Reisestativen stellt erfahrungsgemäß ein Gewicht von 1,4kg in etwa das Maximum dessen dar, was man ständig noch zusätzlich mit sich herumschleppen kann bzw. möchte und derartige Stative sind gut für die Fotografie, aber eher weniger für’s Filmen geeignet. Aber mal ganz ehrlich und so aus der Erfahrung heraus: Auf Reisen ist man, finde ich jedenfalls, rein in fotografischer Hinsicht mit dem o. e. Monopod wesentlich besser bedient.

Kommen wir zu den werbewirksamen Extras. Ein “bodennaher Blickwinkel” soll zumeist (allerdings nicht immer) kaschieren, dass das Stativ viel zu mickrig ausfällt. Die “Höhenverstellbarkeit über eine Kurbel” suggeriert zwar High-Tech, ist m. E. zumindest draußen aber dreckanfälliger, überflüssiger Nonsens. Drinnen, bspw. im Rahmen der Portraitfotografie, ist so etwas hingegen sogar ganz nützlich. Eine Wasserwaage ist im Rahmen des Filmens und (in Grenzen) im Zuge der Panoramafotografie ganz sinnvoll, doch außerhalb dieser Bereiche braucht man sie in der Praxis kaum jemals. Das ruckelfreie Schwenken des Stativkopfes benötigt man gleichfalls eigentlich nur für’s Filmen und für Panoramen; ansonsten stören kleine Ruckler beim Fotografieren nicht. Das integrierte Monopod im Tripod ist m. E. auch eher so ein Versuch in Richtung auf die “eierlegende Wollmilchsau”, sozusagen der Ganzjahresreifen bei den Stativen: Nicht Halbes und nichts Ganzes. Und die Spikes an den Stativfüßen habe ich in über vierzig Jahren niemals gebraucht.

Wenn man sich also ein Stativ kauft, dann lohnt es sich allemal, die obigen Ausführungen zu beachten, damit man nicht zweimal kauft und lange etwas von dem Zubehör hat. D. h. lieber gleich bei den etwas teureren Geräten für die semiprofesionelle Anwendung nachschauen! Andernfalls ist es nämlich nur eine reine Zeitfrage, bis ein Billig-Möchtegernstativ zusammenklappt und auf seinem Weg die teure DSLR nebst vermutlich noch teurerem Objektiv mit sich in den Tod reißt. Auf die Art kommen schnell tausend Euro an Schaden zusammen. Weil man zuvor vielleicht fünfzig Euro eingespart hat. Lohnt sich das wirklich?!? Mal ganz abgesehen davon lässt sich ein reichlich dimensioniertes Stativ auch recht gut als Ständer für einen Beamer verwenden.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Wetterwarnungen

News per RSS

Counterize

Seitenaufrufe: 1487828
Seitenaufrufe heute: 497
Letzte 7 Tage: 16409
Besucher online: 2

September 2018
M D M D F S S
« Aug    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Social Media

free twitter buttons



Meine HP & Bücher