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Weihnachten, das folgt bei uns immer einem ganz bestimmten Ritual. Die Geschenke sind Ende November bis Anfang Dezember besorgt worden, um nicht den Ärger mit den zwei Wochen des traditionellen Vorweihnachtsstreiks diverser Zusteller bzw. Lieferanten zu haben. Zu Heiligabend gibt es mittags traditionell das Schwein des kleinen Mannes, also Kaninchen, und auch das ruht sich schon seit langer Zeit in der Tiefkühltruhe aus. Es wurde irgendwann im Jahresverlauf besorgt. Im Dezember ist zur Monatsmitte der Weihnachtsbaum gekauft worden und wie immer gibt’s daran von jeder Seite was auszusetzen.

Doch da hat sich ein gewisser Konsens eingestellt: Wenn ich den selbst besorge, dann wird am wenigsten dran ausgesetzt. So ein bis zwei Tage vor Heiligabend sammle ich die Familienmitglieder ein u. d. h. ich mache den Fahrdienst. Am 23.12. stehe ich früh auf und bereite das Kaninchen für das morgige Mittagessen vor. Wenn es einen Tag lang hat durchziehen können, dann schmeckt es am besten. Sobald das geschehen ist, gibt es Zoff mit meiner besseren Hälfte, weil die so Torschlusspanik-mäßig unbedingt ganz schnell noch was backen will oder zu müssen glaubt und wir nur den einen Backofen haben. Ich setze mich durch. Ist immer so, seit über dreißig Jahren. Falls irgend möglich, sind die Kinder nach Hause gekommen, so dass zur Abwechslung mal die ganze Familie beisammen ist (selten genug!). In diesem Jahr fehlt allerdings unser Kater (ja, auch der war ein Familienmitglied), aber das ist nun einmal leider der Lauf der Dinge.

Sobald sich das Kaninchen im Ofen wärmt, ist der Weihnachtsbaum fällig. Nachdem der aufgestellt worden ist folgt die Panik, weil irgendwas von Seiten der Baumbeleuchtung nicht funktioniert und noch ganz schnell vor Geschäftsschluss repariert bzw. ersetzt werden muss, wozu ich nochmal so um fünf vor zwölf Elektriker oder Baumärkte abklappere oder unten in der Werkstatt Plan B zusammenfrickele (BTW: In diesem Jahr waren es die Batterien von den Fernbedienungen der beiden LED-Beleuchtungen, denn wer hat schon klitzekleine 12V-Batterien auf Vorrat rumliegen?). Nachdem die Beleuchtung – wie auch immer – funktioniert, überlasse ich das Schmücken des Baumes vorwiegend den anderen, auch wenn ich mich selbst daran beteilige. Dadurch hat keiner ‘nen Grund zum Meckern. Das nennt man “angewandte Püschologie” ;) . In Folge wandern die Geschenke unter den Baum und bleiben da bis zum nächsten Abend liegen.

Es schließen sich weitere Arbeiten am Kaninchen und das Großreinemachen an. Meine Frau backt unterdessen wie wild weiter und das ganze Zeug kann irgendwann sowieso keiner mehr essen. So wird es Abend – Feierabend. Am 24. gibt’s das gemeinsame Mittagessen mit der Familie. Nachmittags wird noch dies und das erledigt und dann folgt der 18:00-Uhr-Gottesdienst in der einmal jährlich rappelvollen Kirche, wie üblich mit ‘nem Stehplatz hinter’m Pfeiler und ich staune immer nur, wie falsch die ganzen “Wohltäter”, die das ganze Jahr über ihre Angestellten sowie Mitmenschen verarschen und betrügen, sich auf einmal benehmen können: Widerlich! Dadurch betrachte ich den Gottesdienst quasi als eine Art von Feldforschung über Primaten.

Abgesehen davon ist organisierte Religion in meinen Augen ohnehin Massenwahn und zu Weihnachten sollte man sich immer mal vor Augen halten, dass dem das Yule-Fest zugrunde liegt, weil die christliche Kirche die großen, alten Jahresfeste nicht hat ausrotten können und deswegen kurzerhand vereinnahmte sowie in ihrem Sinne umdeutete. Ich meine, Weihnachtsgeschichte hin oder her, aber welcher Hirte hat schon sein Viehzeug im Winter, wenn’s nichts zu fressen gibt, draußen auf der Weide und verbringt selbst die Zeit draußen bei Kälte und Sturm? Ich halte mich hinsichtlich Jesus & Co lieber an archäologische Erkenntnisse!

Nach dem Gottesdienst geht’s ab nach Hause, Weihnachtslieder an (auch wenn ich vielen davon nichts mehr abgewinnen kann), Bescherung und zum Abendessen gibt’s Schlesische Weißwurst. Die Kerzen auf dem Adventskranz werden letztmalig entzündet und manchmal muss auch der ganze, völlig ausgetrocknete Kranz gelöscht werden. Am nächsten Tag werden Papierberge beseitigt und vielleicht gibt’s nochmal ein paar gemeinsame Stunden. So langsam fällt dann alles wieder auseinander: Die eine Tochter fährt nach Hause, die andere muss – spätestens am zweiten Feiertag – zur Arbeit (denn die Tätigkeit im Gesundheitswesen bringt das so mit sich). Was bleibt sind Berge von Verpackungsmüll und Essensreste jedweder Art, von denen keiner weiß, wohin damit.

Heute daher keine weitere Tipperei mehr und ich glaube, ihr ahnt schon, warum das so ist: Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein Frohes Fest! Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle selbstverständlich auch für die Treue derjenigen bedanken, die hier regelmäßig mitlesen. Passend zum Anlass gibt es ein Weihnachtslied. Viele werden es nicht kennen, denn es ist einerseits schon recht alt (35 Jahre) und andererseits spielt man es praktisch nie im Rundfunk. Aber mir gefällt’s! Es kommt von Truck Stop. Die haben im Jahr 1982 eine Weihnachts-LP mit dem Titel “Weihnachten im wilden Westen” (Wiederveröffentlichung als CD 1991) rausgebracht. Das sind deutsche Country-Weihnachtslieder und die kann man sich durchaus anhören. Warum der Rundfunk darum einen Bogen macht ist mir völlig unverständlich. Davon habe ich mal den Titel “Weihnachtstraum Montana” rausgesucht.

Weihnachtstraum Montana

Der Wetterfrosch sagt Regen an
und das zur Weihnachtszeit.
Das geht nun schon seit Jahren so,
kein Rentier hat’s hier leicht.
Möcht’ wieder weiße Weihnacht seh’n,
wie’s früher einmal war.
Drum steig’ ich in den Flieger ein
in Richtung USA.

Mein Weihnachtstraum liegt in Montana,
zieh’ meine Spur durch tiefen Schnee.
Der Weihnachtsmann heißt Santa Claus hier,
er kommt mit ‘nem Rentier über’n See.
Er parkt den Schlitten gleich vor der Haustür
und kommt zum Schornstein rein.
Es bleibt dabei nichts hält mich mehr,
möcht’ in Montana sein.

Die Cowboys zieh’n vom Berg ins Tal,
haben auch den Stall geschmückt.
Die Rinderherde hat es nun
ganz warm und weihnachtlich.
Die Kinder sitzen vor’m Kamin
in Decken eingehüllt.
Sie warten dort auf Santa Claus
der ihre Strümpfe füllt.

Mein Weihnachtstraum liegt in Montana,
zieh’ meine Spur durch tiefen Schnee.
Der Weihnachtsmann heißt Santa Claus hier,
er kommt mit ‘nem Rentier über’n See.
Er parkt den Schlitten gleich vor der Haustür
und kommt zum Schornstein rein.
Es bleibt dabei nichts hält mich mehr,
möcht’ in Montana sein.

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