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Im Ofen hat’s das Velociraptorbaby schön warm…

Was ist der Unterschied zwischen Truthahn (engl. turkey) und Puter? Der Truthahn bezeichnet den ursprünglich in Nord- und Mittelamerika wild lebenden Vogel, dessen Hennen (Truthuhn) bis 4kg und dessen Hähne (Truthahn) bis 10kg schwer werden. Der Puter ist im Grunde genommen das gleiche Viech, bloß eben nach Kolumbus hier in Europa eingeführt und hier als Haustier (Haustruthühner) gezüchtet. Die Henne (Pute) erreicht bis 7kg. Der Hahn (Puter) allerdings bis 12kg. Aber lasst euch gesagt sein: Mit 6kg, ganz egal ob Pute oder Puter, ist ein normaler Küchenbackofen schon völlig ausgereizt! Mit so einem Riesenhähnchen bekommt man echte Platzprobleme und spätestens zum Warmhalten braucht man zwei Herde! Warum erzähle ich das? Weil meine Frau und ich das zweifelhafte Vergüngen hatten, so ein Viech zubereiten zu müssen und das weder beabsichtigt war noch wir das schon jemals gemacht hatten. Aber einmal ist eben immer das erste Mal. Kam so: Meine schwer demente Schwiegermutter hatte darauf bestanden, dass es am ersten Weihnachtsfeiertag Puter gibt und wollte den auch selbst zubereiten. Kann sie, denn das hat sie schon zigmal gemacht. Ergo lud sie telefonisch die halbe Verwandtschaft zum Puteressen ein und meine Frau besorgte das 6kg-Megahähnchen.

Anschließend kümmerte Schwiegermutter sich … gar nicht darum! Am Tag vor Heiligabend hatte ich das Velociraptorbaby aus der Kühltruhe genommen, Die Auftauzeit beträgt so rund 24-30 Stunden. Heiligabend und so, Kirchgang, wir kommen wieder nach Hause und erwarten, dass Schwiegermutter mit dem Monster zugange ist, doch Fehlanzeige! Sie saß vor dem Fernseher. Das Weihnachten war hatte sie vergessen. Den Puter auch. Und ihre Gäste ebenfalls. Watt’ nu’? In so einer Art von Gewalt- und Katstrophenaktion nahmen meine Frau und ich das Vieh in Angriff. Wie schon gesagt, noch nie gemacht. Versuch’ macht kluch’. Hinterher aber schien es allen geschmeckt zu haben und jeder hatte nochmal nachgenommen. Ein Rezept dafür hatten wir nicht. Ich bereitete den Vogel vor, so anhand eines Querschnitts aus drei auf die Schnelle im Internet recherchierten Rezepten, denn Schwiegermutter zu fragen wäre in etwa so sinnvoll wie das Gespräch mit einem Backstein gewesen. Klar, wir fragten auch. Und bekamen immer zur Antwort: “Ich weiß nicht …” Wie war das doch gleich – man wächst an seinen Aufgaben? Da das “zusammengewürfelte” Rezept aber offensichtlich ganz gut funktioniert hat, will ich euch das nicht vorenthalten. Hier ist also das Rezept. BTW: Ich glaube, ich erwähnte schonmal irgendwo, dass ich eigentlich gar nicht kochen kann!

Portionen: 12-14
Zeitbedarf: 5-6 Stunden (NACH dem Auftauen, am besten auf zwei Tage verteilen)

Zutaten:

1 Puter (6kg)
1,4kg Rotkohl (2 Gläser)
12-18 Speck-Knödel (2-3 Fertigpackungen)
ca. 180g Rosinen
2-3 Zwiebeln
5 Äpfel
ca. 100g Butter (1/3 Stück)
400ml Geflügelfond (1 Glas)
Rum (dunkel)
Salz
Pfeffer (gemahlen)

Zubereitung:

Erster Tag:

Es beginnt mit der Füllung. Die Rosinen waschen, bis der Ablauf klar und nicht mehr grau ist, anschließend für mindestens eine Stunde im Rum einweichen, dabei öfter mal umrühren. Die Äpfel schälen, entkernen und halbieren. Die Zwiebeln saubermachen und zerkleinern. Vier von den fünf Äpfeln ebenfalls zerkleinern. Alles inklusive der Rosinen (den restlichen Rum-Sud aufheben, denn der wird später noch gebraucht) in einer großen Schale zur Füllung vermischen. Nun den Puter gut waschen (normalerweise mit kaltem Wasser, doch sollten noch irgendwo Eiskristalle dran zu sehen sein, dann mit warmem Wasser). Abtropfen lassen, aber NICHT abtupfen – er muss noch gut feucht sein! Mit Baumwollgarn die Flügel an den Körper binden (dazu unter Einspannen einer zweiten Person gut umwickeln, denn das Garn reißt sehr leicht – einer hält und einer wickelt) und die Füße zusammenbinden. Das verhindert, dass der Vogel beim Braten vorzeitig auseinander fällt. Danach alles gut mit Salz und Pfeffer innen wie außen einreiben: Viel hilft viel! Dadurch, dass der Vogel noch feucht ist, bleibt beides ganz gut haften. Nun mit einer Hälfte des verbliebenen Apfels das Loch am Hals von innen her zustopfen. Füllung hinein geben und mit der anderen Apfelhälfte den Abschluss machen. Diese größere Öffnung wird mit dem Baumwollgarn zugenäht. Der Puter ist nun fertig vorbereitet und wird in eine hinreichend große Vierkantpfanne (die in etwa der Backblechgröße entsprechen muss) überführt. Bis hierhin hat die ganze Aktion gut eine Stunde gedauert. Backofen auf 180°C (Umluft) vorheizen und den Rost in die unterste Raste einhängen. Wenn die Temperatur da ist den Vogel samt Vierkantpfanne in den Ofen geben. Umgehend die Butter auf dem Herd schmelzen. Sobald sich erste Zeichen einer Bräunung des Puters zeigen den Vogel löffelweise und gleichmäßig verteilt mit der Butter begießen. Anschließend so alle 10-15 Minuten auf die gleiche Art nach und nach den Geflügelfond und zuletzt den Rum-Sud der Rosinen darüber geben. Wenn alle Zutaten drin sind, dann geschieht das weitere Befeuchten mit Hilfe einer Soßenkelle aus dem Bratensud in der Vierkantpfanne. Insgesamt bleibt der Braten für gut drei Stunden im Backofen, anschließend Backofen abschalten und offen abkühlen lassen. Beachten: Der Puter muss NICHT gewendet werden! Wer es dennoch versuchen möchte: Nur zu, eklige Verbrennungen mindesten zweiten Grades sind bei dem Monsterhähnchen kaum zu vermeiden!

Zweiter Tag:

Der Puter wandert wieder in den Backofen und wird warm gemacht. Das dauert bei 110°C rund eine Stunde. Zwischenzeitlich werden die Beilagen zubereitet. Die Kartoffelknödel in leicht gesalzenes Wasser geben, zehn Minuten quellen lassen, erhitzen und zehn Minuten lang leicht sieden (ziehen) lassen. Anschließend rausnehmen und warm stellen. Den Rotkohl erwärmen und während dieser Zeit ggf. noch mit ein bis zwei zerkleinerten Äpfeln verfeinern (nimmt die Säure), anschließend gleichfalls warm stellen. Daraufhin den Puter nebst Pfanne aus dem Backofen nehmen und den Vogel auf ein hinreichend großes Schneidebrett bugsieren (verbrannte Finger sind garantiert). Das Garn abpulen und den Puter oberseitig mittels (großer!) Geflügelschere aufschneiden (‘ne Spaltaxt geht vielleicht auch, hab’s aber nicht probiert). Die Füllung entnehmen, in eine Schale geben und warm stellen. Den Vogel anschließend weiter zerteilen und das Fleisch auf mehreren Fleischplatten anrichten, wieder warm stellen. Fehlt noch die Soße. Dazu im Bratensud mehrere Esslöffel voll Mehl gleichmäßig verteilen und unterrühren. Mit etwa der doppelten Menge an heißem Wasser aufgießen und vermischen, nun zwei bis drei gehäufte Esslöffel Sahne unterrühren. Wenn es zu dick wird noch etwas Wasser zugeben; wenn es zu dünn wird dann helfen Sahne und/oder Paniermehl weiter. Wer möchte kann jetzt noch ein paar Trockengewürze mit hinzufügen (ist im Normalfall aber nicht notwendig). Kurz aufkochen und in die Saucieren abfüllen. Zuletzt kommt alles auf den (großen!) Tisch. Als Getränk eignet sich Weißwein und als Nachtisch Eis.

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… und so endete der Versuch des (völlig überflüssigen) Wendens!

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