Es werde Licht oder: Sprechen wir mal über den Beamer, das unbekannte Wesen! Ich habe im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts immer mal wieder irgendwo irgendwas präsentieren müssen und deswegen auch immer wieder mit unterschiedlichen Beamern zu tun gehabt – und auch die unterschiedlichsten Gemeinheiten der vermaledeiten Technik erlebt. Deshalb vorweg und GANZ WICHTIG: Ob ein Beamer an eurem Rechner bzw. an eurer Datenquelle auch vernünftig funktioniert, müsst ihr rechtzeitig VORHER AUSPROBIEREN! Da führt kein Weg dran vorbei, wirlich nicht! Ich kann und will euch aber mal so ein paar allgemeine, technische Sachen zum Thema Beamer näherbringen, nämlich das, worauf m. M. nach im Rahmen der praktischen Präsentation zu achten ist.

Beginnen wir mit dem Licht. Ältere Beamer arbeiten mit Quecksilberdampflampen. Modernere Beamer verwenden LEDs oder Laser, was eine Frage der Lichtleistung ist. Die Geräte mit Lampen sind recht empfindlich; die Lampen werden säuisch heiß, sind sauteuer und halten nicht besonders lange. Die LED-Technik kommt so ungefähr bis hin zu einer Lichtleistung von 2.500 Lumen und darüber hinaus oftmals der Laser zum Einsatz. BTW: Eine Quecksilberdampflampe von 210W entspricht im Rahmen der Projektion rein optisch und vom Gefühl her auch irgendwas zwischen 2.500 und 3.000 Lumen. Geräte mit LED und Laser werden zwar auch verdammt heiß, aber nicht ganz so säuisch heiß wie die Teile mit der Lampe.

Welche Lichtleistung braucht man eigentlich? Erfahrungsgemäß bilden 1.200 Lumen die absolute, untere Schmerzgrenze. Das reicht für einen kleinen Raum, in den man gerade mal so um die zwanzig Personen passen, gerade so eben noch aus, sofern sich der Raum (gut) abdunkeln lässt. Zum Vergleich: Ein trüber Dezembernachmittag bringt es spielend auf die gleiche Lichtstärke und dann sieht man ohne Abdunkeln des Raumes schon nichts mehr. Das bedeutet aber auch, dass man Geräte mit weniger als 1.200 Lumen Lichtleistung gleich liegenlassen kann, weil sie Spielzeuge sind. Bei weniger als zwanzig Leuten im Raum ist daher der Flatscreen eindeutig die bessere Lösung für die Präsentation!

Für’s Licht gilt also: Je mehr desto besser. Leider aber auch desto schwerer und teurer – während der 1.200-Lumen-Beamer noch in die Preisklasse bis etwa 200€ fällt, muss man für den halbwegs anständigen 3.000-Lumen-Beamer schon zwischen 200€ und 1.000€ rechnen. Derartige Beamer reichen dann allerdings auch für Räume bis hin zu etwa 70 Personen aus, sofern da nicht gerade volles Sonnenlicht reinfällt. Das Gewicht ist für die Aufstellung von Belang: Ein kleiner Beamer in der 1.200-Lumen-Klasse mit rund 1kg Gewicht passt i. d. R. noch auf ein normales Fotostativ; das größere Teil hingegen mit seinen rund 5kg Gewicht erfordert schon ein Profi-Filmkamera-Stativ (und weil das i. d. R. nicht greifbar ist, werden ersatzweise oftmals recht wagemutige Konstruktionen aus Tischen, Stühlen und Büchern bemüht – immer in der Hoffnung, das schon nichts umkippen wird).

Blicken wir jetzt mal auf die Signalquellen und auf die Anschlüsse, denn irgendwo müssen die Daten, die der Beamer an die Wand werfen soll, ja auch herkommen. Als übliche Signalquellen infrage kommen Fernseher (nebst manchmal DVD-Player), Kamera, Smartphone, Tablet und Computer. Die Datenquellen müssen folglich über entsprechende Ausgänge verfügen oder die Daten drahtlos übermitteln können (was aber ein Thema für sich ist, vgl. unten). Stehen solche Ausgänge nicht zur Verfügung, dann eignet sich das Gerät auch nicht als Datenquelle. Gehen wir mal davon aus, dass irgendwas da ist, was die Infos rausschmeißt. Jetzt müssen die noch in den Beamer gelangen. Dazu hat der verschiedene Anschlüsse bzw. sollte die haben:

- RS232C (Serieller Port): Damit lassen sich einige Computer anschließen.
- Computer/YCbCr/YPbPr (VGA): Damit wird der Beamer wie ein zweiter Monitor angeschlossen (aber ohne Ton!).
- S-Video: Eignet sich vorzugsweise für entsprechend ausgestattete Kameras und Camcorder.
- Video/AudioIn LR: Das sind die drei altbekannten Cynch-Buchsen (weiß-rot-gelb), die man auch nehmen kann, wenn man per Adapter ein Kamerasignal über 3,5mm-Videoklinkenstecker oder ein Scart-Signal vom Fernseher abgreift. Außerdem kann hier mitunter der Ton für das obige Computer-Signal angeschlossen werden.
- HDMI: Eignet sich zur Datenübertragung von einigen Kameras, Fernsehern oder DVD- bzw. BlueRay-Playern sowie bei Computern mit HDMI-Ausgang. Zu beachten ist, dass HDMI zwar Ton übertragen kann, aber nicht muss! HDMI ist elektrisch kompatibel zu DVI-D und DVI-I, so dass DVI-Anschlüsse per passivem Adapter mit HDMI verbunden werden können.
- Audio In: Ist ein 3,5mm Klinkenanschluss für die separate Tonübertragung bei Computer oder HDMI.

Dann sind da noch die Extras. Da wirbt der Beamerhersteller bspw. damit, dass sein Gerät mit einem USB-Anschluss ausgestattet ist. “Prima“, denkt sich der Kunde, “dann nagele ich da bloß einen USB-Stick rein und brauche für die Präsentation keinen Computer mehr!” Weit gefehlt, denn: “Irrtum“, sprach der Igel und stieg von der Bürste. Beim USB-Anschluss lohnt sich nämlich der Blick auf das Kleingedruckte, sprich in die technischen Daten. I. d. R. handelt es sich dabei um einen reinen USB-Ladeport für Smartphones und Tablets. Mir ist in all den ganzen Jahren erst ein einziges Gerät untergekommen, das auch vom USB-Stick Daten lesen konnte. Manchmal findet man auch einen SD-Kartenslot. Das ist positiv zu werten, denn es weist darauf hin, dass der Beamer einen eingebauten Mediaplayer besitzt und man wirklich ohne weitere Datenquelle die Präsentation direkt vom Datenträger aus vornehmen kann. Im Zweifelsfalle gilt aber immer: Den Händler fragen und sich solche Features garantieren bzw. vorführen lassen! Vielleicht an dieser Stelle noch ein Wort zum Ton: Der ist beim Beamer eigentlich immer mickrig. Man sollte ihn daher statt auf den Beamer lieber gleich auf eine Verstärkeranlage übertragen. Die allerdings muss auch erstmal da sein.

Kommen wir nun zum Anschluss selbst. Den Anfang macht – sofern vorhanden – die drahtlose Übertragung. Im gemeinsamen WLAN – u. d. h. wenn der Beamer WiFi-fähig ist – kann man vom Smartphone oder Tablet aus direkt auf den Beamer streamen. Das ist echt bequemer Luxus! Ziemlich frickelig ist es hingegen, beide Geräte per Beamer-Menü miteinander zu koppeln, denn die Bedienungsanleitung dafür versteht man grundsätzlich immer erst dann, wenn man raus hat, wie’s funktioniert. Bis dahin aber wachsen viele graue Haare. Einfacher ist es, wenn der Beamer selbst einen Hotspot stellt. Dann muss man nämlich nur seine Datenquelle beim Beamer-Hotspot anmelden und es kann losgehen. Aber das sind Ausnahmefälle. Daneben sehr beliebt ist noch die Datenübertragung per Miracast. Hört sich toll an. Doch dazu braucht der Beamer in den allermeisten Fällen ein Miracast-Dongle und welches von den zahllosen Teilen er tatsächlich “frisst”, wird erst durch eine Serviceanfrage beim Hersteller beantwortet: Die Anleitungen schweigen sich darüber nämlich grundsätzlich aus, und zwar immer! Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass man für solche Sachen noch eine passende App auf Smartphone oder Tablet zu installieren hat.

Also doch lieber die Sache mit den Kabeln? Meistens schon. Meistens ist das nämlich einfacher. Aber dabei ist auch einiges zu beachten. Aus leidvoller Erfahrung weiß ich – weil sich einmal ein Mainboard mit lautstarkem “PAFF!” verabschiedete (glücklicherweise war’s nicht mein Rechner) – dass Rechner und Beamer möglichst am gleichen Stromkreis zu hängen haben. Die Kombination mit zwei Stromkreisen, von denen einer auf die alte, klassische Nullung zurück greift (d. h. Verlegung von zweiadrigen Leitungen aus den 1960er Jahren), kann für die Geräte nämlich tödlich werden (weil mitunter hohe Spannungen auf dem Null-Leiter herum vagabundieren). Außerdem wird grundsätzlich alles nur stromlos zusammengestöpselt und danach eingeschaltet! Das man zum Zusammenstöpseln eine größere Tüte voller Adapter mit sich rumzuschleppen hat versteht sich eigentlich schon von selbst. BTW: Bei Billig-Beamern können die Adapter übrigens teurer als der eigentliche Projektor sein!

Gut, zusammengestöpselt ist alles, jetzt wird eingeschaltet und es tut sich – nichts! Weil nämlich die Geräte erst einmal aufeinander abgestimmt werden müssen. Dazu wird am Beamer zunächst einmal der verwendete Eingang gewählt, also bspw. “Computer”, wenn der Anschluss aus einem simplen VGA-Kabel besteht (bitte beachten, dass in dem Falle der Ton separat zu übertragen ist, also von der Kopfhörerbuchse des Rechners zur Audio-In-Buchse des Beamers). Anschließend … sieht man immer noch nichts! Gerade Laptops müssen nämlich noch auf den zweiten Bildschirm – sprich den Beamer – umgeschaltet werden: Die erkennen das nicht von selbst! Dazu dient die Fn-Taste in Verbindung mit einer Funktionstaste (meist F5 oder F8; das ist je nach Hersteller verschieden und die betreffende Funktionstaste durch ein Bildschirmsymbol gekennzeichnet). Übrigens kann es, je nach Leistungsfähigkeit des Computers, durchaus ein paar Minuten beanspruchen, bis beide Geräte einander “gefunden” haben: Also Geduld!

Danach wird es trickreich. Bei einigen Geräten öffnen sich ein kleines Menü oder eine kleine Dialogbox mit den “Grafikoptionen” (die erreicht man auch, wenn man mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich des Desktops klickt). Dort findet sich z. B. (je nach Gerät etwas unterschiedlich) unter “Ausgabe in/ Clone-Displays” der Eintrag “Monitor + Integriertes Display”. Der ist zu aktivieren. Oder man drückt Windowstaste+p und wählt “Doppelt”. Oder man klickt mit der rechten Maustaste in einen freien Bereich des Bildschirms und wählt “Bildschirmauflösung”, anschließend unter “Anzeige” “1/2 Mehrere Monitore” sowie unter “Mehrere anzeigen” dann “Diese Anzeige duplizieren”. Es kann aber auch sein, dass gar keine Dialogbox o. ä. erscheint und stattdessen nur ein Piepton ertönt. Dann bedeutet z. B.: Einmal Fn+F5 Monitor des Laptops ist an und Beamer ist aus, zweimal Fn+F5 Monitor des Laptops ist aus und Beamer ist an sowie dreimal Fn+F5 beides ist an. Aber auch das wird von Gerät zu Gerät und von Betriebssystem zu Betriebssystem unterschiedlich gehandhabt und muss ausprobiert werden. Das war jetzt der Idealfall.

Es geht nämlich noch schlimmer. Der Beamer zeigt ein kurzes Flackern und das war’s. Das ist immer ein Hinweis darauf, dass irgend etwas mit der Bildauflösung nicht kompatibel ist. Wenn also bspw. der Beamer maximal 1024*768px “macht” (oftmals ist es sogar weniger; auch 800*600px ist durchaus üblich und mit 1280*800px ist man schon im Luxusbereich dessen, was ein Beamer an Auflösung kann) und der Laptop 1366*768px liefert, dann sind Kompatibilitätsprobleme vorprogrammiert. Dann muss man mit der rechten Maustaste in einen freien Bereich des Bildschirms klicken, “Bildschirmauflösung” wählen und die nach und nach verringern – so lange, bis der Beamer etwas anzeigt. War’s das an Gemeinheiten? Nee … – natürlich nicht, weil Computer bekanntlich bei der Bewältigung von Problemen helfen, die man ohne Computer nicht hätte! Es geschieht nämlich oft und gerne, dass zwar Bilder, aber keine Videos über den Beamer wiedergegeben werden.

Das liegt an der Grafikkarte der Datenquelle. Wenn die nämlich keine zwei Videosignale simultan generieren kann, dann erscheint das Video zwar auf dem Bildschirm des Laptops, nicht aber auf dem Beamer. Der projiziert dann zwar das ganze Drum und Dran – also bspw. Menüleiste und Bedienungselemente des Mediaplayers – korrekt, doch dort, wo eigentlich ein Filmchen erscheinen sollte, findet sich nur eine schwarze Fläche. Abhilfe ist hier zwar meist dadurch möglich, dass man den integrierten Bildschirm abschaltet (vgl. oben) und alles nur noch über den Beamer wiedergibt, aber die Bedienung der Kiste ist dann – da höchstgradig ungewohnt – absolut katastrophal.

Soviel zu den Problemen mit Elektrik und Kompatibilität (auf passende Adapter bei der Verkabelung will ich hier lieber gar nichts erst eingehen, denn das würde den Rahmen dieses Beitrages garantiert mehr als nur sprengen). Schwierigkeiten können aber zusätzlich auch noch von ganz anderer Seite kommen, nämlich von der Mechanik. Wie ist das zu verstehen? Es gibt Beamer, die fest unter der Decke montiert sind. Das ist von Vorteil, denn dann muss man Schärfe (Fokus) und Trapezfehler-Korrektur meist nicht mehr extra großartig einstellen. Bloß: Etliche Beamer unterstützen so eine Unter-der-Decke-Befestigung nicht problemlos. Das bedeutet, dass sie nur Oberseite-unten (also kopfüber) so montiert werden können. Die Folge der Sache dürfte klar sein: Das projizierte Bild steht Kopf! Gute Beamer weisen daher auch eine Funktion zum Drehen des Bildes auf. Sollte die fehlen, dann muss man die Präsentation eben “kopfstehend” vorbereiten, damit hinterher alles perfekt läuft!

So, das waren jetzt so die Erfahrungen, die ich mit zig verschiedenen Beamern gesammelt habe. Das Fazit davon: Wenn man auf eine irgendwo vorhandene Anlage zugreifen kann, dann sollte man die auch nutzen – aber vorher gründlich ausprobieren und ggf. die Präsentation entsprechend anpassen! Wenn die Möglichkeit des vorhergehenden Ausprobierens nicht besteht, dann ist eine eigene Anlage (so die denn ausreicht) allemal die bessere Wahl, weil man dabei weiß, dass alles aufeinander abgestimmt ist. Und wenn man eine eigene Anlage zusammenstellen will – dann empfiehlt sich vorab ein sehr intensives Studium der technischen Daten nebst eines dicken Finanzpolsters, damit man nicht zweimal kauft. Eines funktioniert jedenfalls nur in den allerseltensten Fällen: Beamer anstöpseln und läuft. Das ist ungefähr so häufig wie ein Sechser im Lotto …

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