statrend

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)
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Das hier ist ein Beitrag in eigener Sache und vielleicht für den einen oder anderen ganz interessant. Ich blogge seit mittlerweile rund 17 Jahren, teils mit eigenen Blogs und teils mit Blogs, die ich betreue bzw. betreut habe. Immer hat es sich um die Webauftritte von Privatleuten oder von (kleinen) Vereinen gehandelt und immer hielt ich ein waches Auge auf die betreffenden Seitenstatistiken, deren Daten ich mir aufhob. Jetzt hat es mich einmal interessiert, ob sich da langfristig Trends raus ermitteln lassen. Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Ich muss dabei allerdings vorausschicken, dass sich über all die Jahre hinweg und über all die verschiedenen Internetseiten eine ganz deutliche Gemeinsamkeit herauskristallisiert hat: Die Erreichbarkeit über Suchmaschinen scheint mir deutlich überbewertet zu sein, denn im Duchschnitt stehen 20% Seitenzugriffen durch Suchmaschinen immer 80% Seitenzugriffe durch Direktlinks oder Bookmarks gegenüber.

Zunächst noch ein kleiner Einschub: Vor drei Jahren nahm ich aus reiner Neugier als einer von 102 Bloggern (und zusätzlich 1.018 Lesern) an einer kommunikationswissenschaftlichen Untersuchung der Uni Hohenheim teil (Anja Briehl: „Die Beziehung zwischen Bloggern und ihren Lesern“). Dabei zeigte sich, dass 82% der kleinen Blogs von Privatleuten durchschnittlich keine bis max. zehn Besucher täglich aufweisen. Nur 9% der Blogs haben bis zu zwanzig Besucher und weitere 9% liegen darüber. Bei den Bloggern ebenso wie bei den Lesern verfügen knapp zwei Drittel über einen höheren Bildungsabschluss; Menschen ohne weitergehende Bildung bzw. Ausbildung sind mit einem Anteil von 5% unterrepräsentiert. Sowohl die meisten Blogger wie auch Leser (gut die Hälfte) wissen recht genau, wie es „unten in der Gesellschaft“ zugeht, denn ihr Haushaltsnettoeinkommen pendelt maximal im Bereich um rund 2.000€ pro Monat – was nun wieder deutliche Rückschlüsse dahingehend erlaubt, als dass Bildung nicht automatisch auch die Gewähr für ein gutes Auskommen liefert. Leserseitig handelt es sich vorwiegend um Menschen, die den Mainstream-Medien längst schon keine Glauben mehr schenken und Blogger-seitig um Personen, welche einerseits Missstände anprangern und andererseits im weitesten Sinne Tipps dahingehend, wie man besser zurecht kommen kann, geben. Die Leser folgen dabei den Bloggern, die sie für kompetent und vertrauenswürdig halten.

Gut, das erstmal dazu. Die Frage, die ich mir stellte, lautete: Inwieweit wirken sich verschiedene Maßnahmen auf die Besucheranzahl eines Blogs aus und sind sehr viele Seitenaufrufe wirklich immer von Vorteil? Das Auswertungsergebnis der zugehörigen, o. e. Datensicherung birgt, gelinde gesagt, doch einige Überraschungen. Doch der Reihe nach. Man startet also einen Webauftritt (Blog, CMS, Webseite – egal). Man möchte, dass andere Leute das lesen, was man mitzuteilen hat. Deswegen verweist man darauf – bspw. per Mail, durch Social Media Kanäle usw. Die Anzahl an Seitenaufrufen verhält sich mager, bestenfalls – wenn man alles perfekt hinbekommen hat – irgendwo so im Bereich von 40-60 Aufrufen täglich, wobei sich jeder Besucher vielleicht zwei Beiträge zu Gemüte führt. Das ist das typische, „hochfrequentierte“ Privat-Blog.

Nun möchte man die Seite vielleicht interessanter und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen. Dazu wird sie bei den dafür infrage kommenden (kleinen bzw. speziellen) Suchmaschinen angemeldet, und zwar nach Möglichkeit kostenlos. Das bringt binnen des dann folgenden Vierteljahres ein gewisses „Mehr“ an Besuchern und die Seitenaufrufe steigen vielleicht (abhängig vom Bloginhalt) auf Zahlen zwischen 200 und 300 täglich. Mit derartigen Aufrufzahlen ist die Seite dann aber auch für die großen Suchmaschinen (Google, Bing, Yahoo, Yandex, DuckDuckGo etc.) interessant geworden, wobei die „großen“ Suchmaschinen die „kleinen“ Suchmaschinen über Bots abgrasen. D. h. etwa ein Vierteljahr bis ein halbes Jahr nach der Anmeldung bei den „kleinen“ Suchmaschinen wird die Seite automatisch und kostenlos auch seitens der „großen“ Suchmaschinen verzeichnet. Doch wie schon gesagt: Über die Suchmaschinen kommen erfahrungsgemäß die wenigsten Besucher. Wichtiger sind Direktlinks.

Aufgrund der Direktlinks (z. B. auf befreundeten Seiten, Twitter, Facebook etc.) steigen die Seitenzugriffe zwar langsam, aber doch stetig an. Irgendwann im Zeitraum so zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren verzeichnet die Seite, so sie inhaltlich attraktiv genug ist, dann um die 500 Aufrufe täglich und ist damit bereits extrem gut etabliert. D. h. man hat den Bereich der Privatblogs quasi verlassen und befindet sich im unteren Level kommerzieller Blogs. Die Seite wird damit nun für Werbeschaffende – welche über Suchmaschinen kommen – interessant.

Bevor man sich diesbezüglich allerdings allzu große Hoffnungen macht, muss unbedingt betont werden, dass die Zeiten von Trigami und Hallimash wohl endgültig der Vergangenheit angehören. D. h. immer mal ein paar relativ schnell verdiente Euros nebenbei oder eine hochwertige Warenprobe zum Behalten für Testzwecke gibt es im Grunde genommen nicht mehr. Die Anforderungen sind heute so abartig hochgeschraubt worden (bspw. umfangreiches Video-Review o. ä.), dass – wenn man sich das mal vorher durchrechnet – nicht selten ein Stundenlohn irgendwo in der Größenordnung von 0,9 Cent o. ä. dabei rausspringt. Abgesehen davon tummeln sich auf diesem Markt inzwischen auch verdammt viele Trickbetrüger, denen es nur um das Abgreifen von Kontodaten geht (die man ja angeben muss, wenn man den Lohn für die geleistete Arbeit erhalten will). Anders gesagt: Werbung lohnt sich, gerade bspw. in einem gut etablierten Blog, heute NICHT mehr und kann sogar gefährlich werden!

Mit rund 500 Seitenzugriffen täglich erregt die Seite zwar bereits einige Aufmerksamkeit, befindet sich aber immer noch „unter dem Radar“. Was bedeutet, dass sie für Kriminelle (noch) nicht lukrativ genug ist. Das ändert sich, sobald renommierte Portale mehr oder weniger regelmäßig auf einzelne Beiträge auf die Seite verlinken. Die Anzahl an Zugriffen schnellt dann nach oben und erreicht zwischen 1.000 und 3.000 Zugriffen täglich. Erfahrungsgemäß sind ungefähr 1.000 Zugriffe täglich eine magische Grenze: Die Seite kommt „über den Radar“. D. h. es werden Abzocker auf sie aufmerksam – Spammer, Abmahner, Hacker. Man ist dann u. U. mehr mit deren Abwehr als mit der Seite selbst beschäftigt und daran ändert sich auch nichts mehr, wenn man wieder auf unter 1.000 Zugriffe täglich kommt: Die Seite ist „verbrannt“. Kommt noch erschwerend hinzu, dass auch Gratis-Hoster solche Seiten wegen zu hohem Traffics gerne übergangslos sperren und die Seite damit vom Betreiber selbst nicht mehr erreichbar ist. Diese leidvolle Erfahrung habe ich bereits mehrfach machen müssen.

Welche Erkenntnisse lassen sich nun aus diesen langjährigen, statistischen Trends ziehen?
– Das Anmelden einer privaten Seite bei den Suchmaschinen ist nicht unbedingt von Vorteil.
– Mit rund 500 Seitenzugriffen täglich sollte man sich wirklich zufrieden geben, denn dann ist man noch auf der sicheren Seite.
– Mehr lohnt sich nicht und bringt bloß Ärger mit sich, weil die Zeiten, zu denen man mit so einer Seite noch Geld verdienen konnte, vorbei sind.
– Um Leser zu gewinnen sollte man mehr auf Direktlinks und damit auf Überzeugung und weniger auf Suchmaschinen setzen.
– Internetseiten werden heute als selbstverständlich gewordene Serviceleistung bzw. Unterhaltung betrachtet und die Funktion als Marketinginstrument ist zumindest bei den Seiten von Privatleuten und kleinen Vereinen überbewertet.
Klingt reichlich ernüchternd, nicht wahr? Und was bedeutet das für den Seitenbetreiber? Die Just-For-Fun-Seite ist völlig OK, gerade auch als Infoplattform für Gleichgesinnte. Doch demjenigen, der euch mehr verspricht, geht’s nur um euer Geld u. d. h. um’s Abzocken!

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