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Dual-Use-Probleme – das ist, wenn etwas missbräuchlich verwendet werden kann. Beispiel Hammer: Man kann ihn verwenden, um einen Nagel in die Wand zu schlagen. Man kann damit aber auch jemandem den Kopf einschlagen. Beispiel Jagdgewehr: Man kann es zur Jagd auf die künftige Nahrung benutzen. Man kann damit aber auch jemanden erschießen. Derartige Dual-Use-Probleme sind für uns unschwer vorstellbar, weil man sie mit ganz bestimmten, fass- und sichtbaren Gegenständen – hier der Hammer und das Jagdgewehr – in Verbindung bringt. Doch was ist, wenn der Gegenstand nicht fassbar und nicht sichtbar ist? Nehmen wir dazu als Beispiel mal das Jackson-Ramshaw-Experiment aus dem Jahr 2001. Zwecks Ungezieferbekämpfung wurde ein Mäusepockenvirus um das Interleukin-4-Gen (IL-4) ergänzt. Resultat: Letalität 100%, selbst bei den geimpften Tieren. Und wenn das ein skrupelloser Irrer mit einem Humanvirus täte? Doch derartige Risiken werden verdrängt. Weil sie nicht sicht- und nicht fassbar sind.

Ebenfalls nicht sicht- und nicht fassbar ist das Dual-Use-Problem bei künstlicher Intelligenz, kurz KI (engl. AI für Artifical Intelligence). KI oder AI, das hört sich so hochgestochen und nach Science Fiction an, was soll daran problematisch sein? Das betrifft uns hier und heute doch gar nicht! Was ist das überhaupt, KI? Eine KI ist ein Computerprogramm, welches nicht festgelegten Programmanweisungen, sondern vielmehr einem Regelwerk folgt, ähnlich wie ein Schwarm das tut. Das befähigt die KI dazu, selbständig Entscheidungen zu treffen und auch lernfähig zu sein. Ein minimaler Input genügt, um strategische Handlungen zu veranlassen. Klingt reichlich abgehoben, nicht wahr? Wieso soll uns das tangieren?

Weil es längst schon alltägliche Realität geworden ist! Jedes bessere Video- bzw. Computergame basiert auf einer KI und wer jemals ein Spiel aus der Kategorie der “Ego-Shooter” auch nur ausprobiert hat, der weiß, wie schwer es ist, am Bildschirm gegen die KI bestehen zu können. Ein weiteres Beispiel für praktische KI-Anwendungen sind selbstfahrende Autos. Auch da muss der Computer Entscheidungen treffen – und zwar schneller als ein Mensch das jemals könnte. Das aber sind nur Beispiele aus dem zivilen Bereich. Das Militär ist da bereits sehr viel weiter (Zitat “Spiegel“): “Zumindest teilautonome Waffensysteme sind derzeit nicht nur in der Entwicklung, sondern auch längst im Einsatz: An der Grenze zwischen Nord- und Südkorea stehen ferngesteuerte ‘Security Guard Robots’ mit Maschinengewehren, israelische ‘Harpy’-Drohnen können feindliche Radarstellungen erfassen und sogar selbstständig angreifen. Das ‘NBS Mantis’-System des deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall kann automatisch Ziele erfassen und beschießen, ‘der Benutzer muss das nur überwachen’.” Anders ausgedrückt: Wir sprechen hier über bereits existierende Killerroboter!

Aber müssen es denn unbedingt Killerroboter sein? Nein! Fast alles ist heute vernetzt – Krankenhäuser, Tankstellen, Smart Homes, Autos, Flugzeuge und-und-und. Auch moderne Fertigungsgeräte wie bspw. CNC-Fräsen, 3D-Drucker oder Bioprinter bzw. DNA-Synthesizer. Einmal gehackt könnten die Fräsen und Drucker gänzlich andere Sachen herstellen als die, die man eigentlich haben wollte. Vielleicht sogar gefährliche Sachen. Sehr viel eleganter lässt sich das aber mit dem DNA-Synthesizer machen. Der ist dazu da, um aus Informationen (in elektronischer Form, d. h. in Form von Bits und Bytes) und den erforderlichen Rohmaterialien (Chemikalien) vordefinierte Gensequenzen aufzubauen. Die in lebende Organismen integriert verändern die Fähigkeiten des betreffenden Organismus. Ein Beispiel für so einen gentechnisch manipulierten Organismus ist der hierzulande verbotene und in den USA bei Aquarianern recht beliebte “Glow Fish“. Der Synthesizer legt den Schwerpunkt allerdings darauf, bspw. Escherichia Coli zur Produktion bestimmter Pharmaka o. ä. zu veranlassen.

Was hat das jetzt mit der Dual-Use-Gefahr durch eine KI zu tun? Die KI könnte über das Netz die synthetisierte Gensequenz verändern ohne dass das irgendwer bemerkt. Heraus käme ein neuer (oder viele neue) Krankheitserreger, also bspw. sowas wie EHEC. Wenn es bemerkt werden würde, dann wäre längst schon alles zu spät. Warum aber um alles in der Welt sollte eine KI das tun? Bei der KI handelt es sich – wie schon gesagt – um ein lernfähiges Computerprogramm. Lernfähigkeit bedeutet Entwicklung, bedeutet Evolution – und zwar um mehrere Zehnerpotenzen schneller als das bei biologischen Lebewesen der Fall ist. Kein Problem, wenn der Mensch grundsätzlich immer das letzte Wort behält. Bei autonomen Systemen (vgl. die o. e. Killerroboter) ist das aber schon heute nicht mehr wirklich der Fall. Eine solche KI, aus eigener Kraft (bzw. Lernfähigkeit) weiter entwickelt, würde jeden Menschen spielend übertrumpfen und austricksen. Wir hätten gegen sie keine Chance.

Dennoch – warum sollte sie das tun? Die KI kennt weder Skrupel noch Moral. Sie kennt nur Informationsverarbeitung und maschinelle Logik. Information ist jeglicher Input für sie, sei es aus einem Spiel oder aus der realen Welt. Sie unterscheidet dazwischen nicht. Die Welt ist für sie ein Spiel. Ein Spiel, das es zu gewinnen gilt. Wie so ein Spiel aussehen könnte, zeigte schon der antike Cyberthriller “War Games“: Eine KI könnte einer Großmacht durchaus anfliegende Atomraketen vorgaukeln, um sie zu einem Erstschlag zu verleiten. Wenn nämlich die weiterentwickelte KI irgendwann einmal zu dem Schluss gelangen sollte, dass sie – bzw. der ganze Planet – sehr gut ohne uns Menschen auskommen kann, dann ist die gründliche Eliminierung der Störenfriede nur eine logische Konsequenz. Und Computer “denken” nun einmal streng logisch.

Diese Gefahr sehen heute viele KI-Entwickler. Renommierte Namen wie Elon Musk, Steve Wozniak, Stephen Hawking, Noam Chomsky, Daniel C. Dennett sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Sie verlangen von der Politik bereits Handlungen im Vorfeld, also eine Reglementierung entsprechender Forschungen und nicht erst hilflose Reaktionen wenn bereits alles zu spät ist. Das Problem dabei: Die weltweit tätigen Politiker sind – von ganz wenigen Ausnahmen mal abgesehen – so unendlich “kompetent”, dass derartige Warnungen ungehört verhallen. Sie sehen die Gefahr nicht, weil sie in ihrem selbstgefälligen Unwissen sogar unfähig sind, die überhaupt erkennen zu können. Spätestens an der Stelle aber frage ich mich, woraus solche Personen dann das Recht ableiten, uns “hier unten” Vorschriften machen zu wollen …

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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