warenfrust

Heute bei Aldi ‘ne Kiste Milch gekauft und gestaunt: Ein Milchkarton war (mal wieder) mittels Tacker mit dem Palettenboden vernagelt worden, und zwar durch ein TetraPack hindurch. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie das Resultat ausgesehen hat. Da frage ich mich: Ist das Frust? Liegt das am Desinteresse, an unmenschlichen Arbeitsbedingungen (was noch durchaus nachvollziehbar wäre), an Unachtsamkeit oder … schlicht an der menschlichen Dummheit?

Aber es gibt ja noch soviel mehr: Die Feuerschale, in der das Feuer erstickt, weil die Rauchgase mangels Luftzufuhr nicht abziehen können. Um das Ding funktionsfähig zu machen muss man ganz verschärft zur Bohrmaschine greifen. Da ist die Digitalkamera, deren Polyurethan-Griffschale sich bei sommerlicher Hitze vom Gehäuse ablöst. Die Wildkamera mit Schutzart IP54, die nach 12 Wochen und sehr wenigen Regenschauern abgesoffen ist. Oder neulich, als ich meinen (theoretisch!) WiFi-fähigen Drucker per Netzwerk ansteuern wollte – was ich nicht hinbekommen habe und wozu ich die Bedienungsanleitung zu Rate zog (Zitat): “Verbinden Sie den Computer mit der Angabepunkt. MIT einem USB Kabel verbinden Sie das Drucker und dem Computer und schlaten Sie den Strum ein. Stellen Sie sicher, dass der Computer und Drucker schon drahtlose verbunden wurde. Checken Sie bitte, ob das Brandmauer die Konmmunikation sperrt.” Sehr hilfreich! :(

Da gibt’s die LED-Taschenlampe, die schon von vornherein nicht leuchtet oder die Kaffeemaschine, die einerseits endlos lange braucht und die sich andererseits nach ‘ner halben Kanne voll von selbst abschaltet. Oder, hatte ich am Wochenende erst, die Kaffeemaschine, bei der die Kanne theoretisch unter dem Filter ein Ventil betätigen sollte, damit der Kaffee reinläuft. Praktisch hingegen funktioniert das nur, wenn man die Kanne ankippt, weil’s einfach ein Konstruktionsfehler ist, denn andernfalls wird der Ventilmechanismus nicht betätigt. Vergisst man das, dann läuft der Filter über. Da ist der Repeater, der im Netzwerk seinen Dienst verrichtet – bis man mal den Router tauschen muss. Auf den neuen Router kann das Ding nicht konfiguriert werden, weil die Reset-Taste funktionslos ist: Ein Fall für den Müll. Von dem Akkuschrauber, der sich mit bloßer Hand stoppen ließ, will ich gar nicht erst anfangen. Sowas kann man bestenfalls noch zum Apfelschäler umbauen (Apfel draufstecken und rotieren lassen und die Schale fällt dabei dem Spargelschäler zum Opfer).

Ich könnte diese Aufzählung jetzt noch sehr lange fortsetzen, aber das erspare ich uns allen mal, weil wohl jeder schon zur Genüge so seine ureigenen Erfahrungen mit dem alltäglichen Warenfrust gemacht hat. Worauf ich hinaus will: Fast jede Anschaffung gerät heutzutage zum reinen Glücksspiel. Man weiß vorher eigentlich niemals, ob man brauchbare Ware oder schlicht Schrott für die Tonne erhält. Man muss nur bezahlen. Wenn das das Resultat von internationalen Handelsverflechtungen ist, dann können mir besagte Verflechtungen gestohlen bleiben! Ein Unternehmen, das Qualität produziert, leistet sich eine vernünftige Qualitätskontrolle. Für ein Unternehmen aber, das Quantität produziert, rechnen sich vermutlich der Verzicht auf Qualitätskontrollen bei gleichzeitiger Akzeptanz von Garantiefällen – wenn man die denn überhaupt akzeptiert und nicht gleich einer abschmetternden Rechtsverdreherabteilung übergibt.

Früher war nicht alles schlecht. Ich kann mich noch sehr gut an eine Zeit erinnern, als “Made in Germany” ein Qualitätssiegel darstellte. Unten im Keller steht immer noch meine allererste Stereoanlage vom Typ “SABA Konstanz Stereo H”, Baujahr 1972, und die funktioniert auch noch – nach nunmehr 46 Jahren. Welches heutige Stück Unterhaltungselektronik wird wohl in 46 Jahren noch funktionieren? Früher produzierte man für die Ewigkeit. Heute produziert man für Mt. Kippe. Gleich geblieben ist dabei, dass der Verbraucher für derartige Waren saftig zur Kasse gebeten wird, heute sogar im Endeffekt noch wesentlich mehr als früher. Warum? Nur, damit einige Konzerne ‘nen Riesenreibach machen und deren Manager sich hemmungslos die eigenen Taschen füllen können?

Wie lässt sich gegensteuern? Zum Beispiel durch ein Bewertungsportal nach dem Vorbild der Produktbewertung bei Amazon. Man nennt ein Produkt und vergibt dafür ein bis fünf Sterne. Anhand von so einer Datenbank könnte sich jeder VOR dem Kauf umfassend genug informieren und Hersteller mit qualitativ besonders zuverlässigen Produkten hätten obendrein auch noch ein kostenloses Werbemittel zur Hand. Wer könnte so etwas machen? Mir fallen da auf Anhieb die Verbraucherzentralen ein, doch die dürften schnell überfordert sein. Aber haben wir nicht auch noch ein Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz? Und würden nicht qualitativ hochwertige Produkte auch irgendwo unter die Rubrik des Verbraucherschutzes fallen müssen? Ach ja, ich vergesse eins dabei … auf wessen Lohnlisten gewisse Nebeneinkünfte-Millionäre tatsächlich stehen!

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*Das Captcha bitte eingeben!

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Wetterwarnungen

News per RSS

Counterize

Seitenaufrufe: 1372840
Seitenaufrufe heute: 762
Letzte 7 Tage: 6074
Besucher online: 0

Juni 2018
M D M D F S S
« Mai    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  

Social Media

free twitter buttons



Meine HP & Bücher

Uhrzeit