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Es gibt da verschiedene Umfragen und auch Untersuchungen auf Seiten der Psychologie. Die besagen, dass Menschen, die weniger intelligent bzw. weniger gebildet sind, sich zu den Parteien des rechten Spektrums hingezogen fühlen, während Menschen mit höherer Intelligenz bzw. höherer Bildung vorzugsweise im linken politischen Spektrum zu finden sind. Dann ist da noch die Untersuchung des negativen Flynn-Effekts, die besagt, dass die Intelligenz der Bevölkerung seit den 1990er Jahren im Sinken begriffen ist. Besagte Jahre waren aber auch der Zeitraum, in dem der Neoliberalismus seinen Aufstieg genommen hat: Kohl hat den Boden bereitet. Schröder hat die Saat ausgebracht. Merkel hat die Ernte eingefahren. Ich bin der festen Überzeugung, dass diejenigen, die heutzutage lauthals “Merkel muss weg!” rufen, das eigentliche Problem gar nicht verstanden haben. Denn nach Merkel käme nur eine andere Gallionsfigur von gleicher Machart, ganz egal, ob die jetzt Kauder, Scheuer, Söder, Nahles oder wie auch immer heißt. Das ist nämlich die heute praktizierte Demokratie: Wenn man sich aussuchen kann, wer einen verarscht!

Der Neoliberalismus galt einst als antisozial. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie (völlig zu Recht!) dagegen gewettert wurde, als Margaret Thatcher damit in den 1980er Jahren in England den Anfang machte. Kohl orientierte sich an ihr und kochte zudem auch noch sein eigenes Süppchen, nämlich den Filz mit seinen schwarzen Kassen betreffend, Stichworte Kirch und Schreiber. Er griff zwar den einstigen, deutschen Sozialstaat noch nicht grundlegend an, doch immerhin bewirkte er, dass der zuvor berechtigterweise strikt abgelehnte Neoliberalismus hierzulande salonfähig wurde. Dann kam Schröder. Schröder war ebenso hemmungs- wie skrupellos: Einschmelzen sämtlicher Sozialleistungen auf ein Minimum, Polemik und Beleidigungen den Schwächeren gegenüber, Statistikmanipulation, Wählerbetrug mittels T-Aktie, das Ermöglichen von Steuerrückforderungen durch Kapitalgesellschaften im ganz großen Stil, neue Monopole auf dem Energie- und Wassermarkt, Steuergeschenke für Superreiche, Umverteilung via Börse, Einführung des größten Niedriglohnsektors Europas (wodurch die Menschen reihenweise Suizid begangen haben), Zurückfahren der Bildung, Ausbluten der Rentenkasse (weil da bei Dumpinglöhnen nichts mehr reinkommt), Deckungslücke im Alter, Einführung von Zwangsarbeit und Entrechtung durch die Menschenrechtsverletzung namens H4 usw. – Umverteilung von unten nach oben im ganz, ganz großen Stil; Raubtierkapitalismus in Reinkultur inklusive gründlicher Vernichtung des (zuvor gut funktionierenden) Sozialstaates zugunsten von unersättlichen Bossen. Und vom Pflegenotstand will ich lieber gar nicht erst anfangen. Keine FDP hätte das alles besser machen können!

Anders ausgedrückt: Spätestens seit Schröder sind die Ideale von Brandt, Wehner & Co pervertiert und durch nackte Machtgeilheit ersetzt worden! Daran hat sich auch unter Müntefering, Gabriel und Nahles nichts geändert. Früher konnten arbeitende Menschen ihren Lebensabend genießen. Heute kochen Omas Kohlrabiblätter aus und beheizen nur noch ein Zimmer, während ihre Ehemänner Pfandflaschen sammeln und sich zwecks Nahrungsbeschaffung bei der Armenspeisung, sprich den Tafeln, anstellen müssen. Zum Vergleich: Bundesminister erwerben 3.256€ Pensionsanspruch für vier Jahre Arbeit. Für einen Rentenanspruch in gleicher Höhe müsste ein Durchschnittsverdiener 168 Jahre arbeiten! Rückschauend bin ich mir ganz sicher, dass Merkel die bestmögliche Chefin der heutigen SPD ist, die man sich nur vorstellen kann – auch wenn sie der CDU angehört. Das liegt nicht an der CDU. Das liegt daran, dass aufgrund von Machtgeilheit aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands das Sozialrassistische Pack Deutschlands geworden ist. Sozial ist an der SPD nämlich gar nichts mehr; spätestens seit der “Genosse der Bosse” und der “Pate der Emirate” die Führung definiert haben. Die sozial Schwachen – pardon: seitens der SPD vorsätzlich sozial schwach Gemachten – sind der heutigen SPD offensichtlich scheißegal: Wer kein Geld hat ist kein Mensch (mehr). Ganz im Sinne des Neoliberalismus!

Damit aber ergibt das alles durchaus einen Sinn: Bildung runterfahren und die arbeitenden Menschen auf den Überlebenskampf reduzieren lässt deren intellektuelle Kompetenz schrumpfen. In Folge wenden sie sich mehr oder weniger rechtem Gedankengut zu, während die Verursacher der Misere zeitgleich selbst in die rechte Richtung wandern: Man hat folgsame Untertanen erzeugt! Der Rechtsdenkende sucht Schuldige und macht dafür x-beliebige Minderheiten aus, denn dadurch, dass er auf andere herabsehen kann, erhöht er sich selbst. Das bringt Unruhe und Uneinigkeit in die Bevölkerungsgruppen, die am meisten unter den gravierend verschlechterten Lebensbedingungen zu leiden haben. Uneinigkeit sichert die soziale Position derer, die das Ganze angerührt haben. Um unangreifbar zu werden, muss dann noch die eine oder andere Gefahr – ganz egal ob ausgedacht, konstruiert oder real – von der Mücke zum Elefanten hochstilisiert werden, damit die Gebeutelten selbst nach mehr Überwachung und mehr Kontrolle schreien. Die merken dabei nämlich gar nicht mehr, wieviele ihre Freiheiten und Bürgerrechte sie selbst beerdigen und so wird genau das zu Tode geschützt, was eigentlich schützenswert ist. Indessen steht eine abgehobene Zeckenkaste daneben und lacht sich nicht nur über die Blödmänner halbtot, sondern verhöhnt die sogar obendrein noch ganz offen. Streit gibt es in der Zeckenkaste bloß noch darum, ob man bereits weit genug rechts ist oder noch rechter werden soll. Dem Blödmann von der Straße – d. h. dem gemeinen Stimmvieh – will man dabei weismachen, dass es noch viel Schlimmere gibt und weist mit dem Finger angeekelt auf die AfD, der man selbst ihre Anhänger zugeschustert hat. So funktioniert GroKo – und das steht für “Großes Kotzen”. Sozial ist daran gar nichts. Asozial hingegen alles!

Es gibt in der Massenpsychologie diese Regel vom “kritischen Viertel”. Sie besagt: Eine Minderheit hat erst dann Erfolg, wenn ihr Anteil an der gesamten Gruppe mindestens 25% beträgt, denn so groß ist die kritische Masse, die benötigt wird, um eine gefestigte Meinung zu stürzen. Das kritische Viertel pro Neoliberalismus haben wir – entgegen früherer, sehr viel positiverer Erfahrungen contra Neoliberalismus – bereits vor einigen Jahrzehnten überschritten. Das kritische Viertel für einen erneuten, kräftigen Rechtsruck erreichen wir gerade, wenn man sich einmal die Umfrageergebnisse von AfD und CSU anschaut. Und was macht die Linke? Sie verharrt intern zerstritten bei ihren nicht einmal annähernd ausreichenden 9%. Was machen derweil die Grünen? Sie tun alles, um eine Öko-FDP und der CDU dienlich zu sein. Ist folglich für die Zukunft eine Veränderung in Sicht? Ja, durchaus – aber hin zu Zuständen, wie wir sie vor 80 bis 90 Jahren schon einmal hatten. Lernen aus der Geschichte? Fehlanzeige … Wer hat uns verraten? So jedenfalls sehe ich das!

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(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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