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Mit diesem Beitrag will ich einmal ein hausgemachtes Problem ansprechen – eines, das viele Menschen zwar offensichtlich brennend interessiert, das aber seitens der zuständigen Politik gar nicht und wenn doch, dann bestenfalls halbherzig-stümperhaft angepackt wird. Es geht nämlich um die Pflege respektive den Pflegenotstand und da insbesondere um die Altenpflege. Dabei ist das Problem keineswegs neu: Es ist schon seit gut einem Jahrzehnt bekannt, aktuell, hat sich verschärft sowie zugespitzt und gewisse “Volksvertreter” glänzen diesbezüglich nicht nur durch konsequente Lernresistenz und Kompetenzallergie, sondern auch durch die neue deutsche Tugend des Aussitzens. Klar, Aussitzen bringt natürlich was: Die betroffenen Pflegefälle sterben von allein weg. Aber da unsere Gesellschaft überaltert ist, rücken noch mehr nach. Doch um das zu kapieren, müssten natürlich noch Lernresistenz und Kompetenzallergie überwunden werden, was man von Politikern nun wirklich nicht erwarten kann!

Hochgradig akut war die Problematik mit dem Pflegenotstand schon im Jahr 2010 und seinerzeit wollte man H4-Empfänger zwangsweise als Pfleger in Altenheime abkommandieren. Was aber nicht funktionierte, denn die brachten die erforderliche Qualifikation nicht mit. Deswegen verschärfte sich die Situation bis 2012 noch einmal drastisch. Doch Anstrengungen hinsichtlich mehr Ausbildungsplätzen, überhaupt einer Perspektive und dahingehend, die Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen, gab es nicht. Stattdessen legte Flintenuschi, seinerzeit noch Familienministerin, das Projekt “Bürgerarbeit” im Jahr 2013 auf. Es erwies sich als Flop. Na ja, nicht so ganz. Immerhin konnte man dadurch so richtig herrlich die Arbeitslosenstatistik fälschen.

Im Wahljahr 2017 versprach die jetzige Regierung, 8.000 Stellen in der Pflege zusätzlich schaffen zu wollen – bei einem tatsächlichen Bedarf von zehntausenden von Stellen: Es lebe die Scheinpolitik und das Lippenbekenntnis! Im Juli 2018 war es dann endlich soweit: Man plant (!!!), bis 2019 etwas zu tun, und zwar insbesondere dadurch, dass man Ausländer reinholt. Was aber Geld kosten wird. Das hat wie üblich Otto Normalverbraucher zu zahlen, nicht aber derjenige, der den fetten Reibach gemacht und gar nicht mal so selten dafür gesorgt hat, dass die Menschen zu Pflegefällen werden. Zitat Merkel: “Die Wirtschaft dient uns allen!” Jawoll! Und so muss es auch bleiben! Heil, Hubertus und Jens Spahn: Arbeits- und Gesundheitsministerdarsteller, deren Verständnis von Pflege offensichtlich durch die Hirnerweichungs-Soap “Bettys Diagnose” geprägt ist: “Kommt einer in die ZNA und wird sofort vom total unterbeschäftigten Pflegepersonal behandelt” … Jetzt, nur einen Monat später, wo sich bereits abzeichnet, dass die anzuwerbenden Pflegefachkräfte aus dem Kosovo und aus Albanien auch rechnen können und es daher vorziehen, zuhause zu bleiben, wird mit dem sozialen Pflichtjahr eine leicht variierte Neuauflage von Flintenuschis “Bürgerarbeits”-Flop propagiert – eine Variante die im Grunde genommen auch nichts anderes als perspektivlose Zwangsarbeit beinhaltet.

Der Job als Altenpfleger ist ein Ausbildungsberuf mit ziemlich hohen Ansprüchen und wirklich nichts für jedermann – schon gar nicht für in Zwangsarbeit abkommandierte, nicht entsprechend ausgebildete Menschen. Die Verdienstmöglichkeiten sind ausgesprochen schlecht und wenn jemand ausgelernt sowie seine Prüfung bestanden hat, dann wird er nicht selten in 450€-Minijobs unter Umgehung aller Arbeitnehmerrechte verschlissen. Unter dem Strich bleibt dem Ausgebeuteten nämlich so gut wie nichts! Kein Wunder, wenn Pflegeberufe dann nicht attraktiv sind, wenn die so genannte “Perspektive” darin besteht, nach erfolgreichem Berufsabschluss die Hälfte oder gar nur ein Drittel dessen, was man zuvor als Ausbildungsbezüge hatte, zu verdienen. Und wer will sich schon für nichts und wieder nichts für andere kaputt machen (lassen)? Den Reibach dabei macht nämlich “die Wirtschaft” und auf die kommt es ja schließlich an, nicht wahr? Die Kanzlerin ist seit mindestens sieben Jahren darüber informiert und glänzt durch Ignoranz kombiniert mit Europa-Gespinne und Flüchtlingsproblem-Ablenkung.

Fakt ist: Aufgrund von gerade auch politischer Untätigkeit, verursacht durch geradezu pathologischen Realitätsverlust, steckt der Karren jetzt im Dreck. Nicht nur bis zur Achse oder bis zum Unterboden – nein – der Schlamm läuft bereits oben rein! Um das Problem zu lösen sind zwei Möglichkeiten praktikabel. Entweder man lässt den Karren im Modder versinken. Bedeutet: Über kurz oder lang wird für Arbeitslose, Arme, Kranke und Alte die Euthanasie wieder eingeführt. Das entspräche ja auch dem neoliberalen Denken ohne Rücksicht auf soziale Bedürfnisse, denn wozu unproduktives Menschenmaterial noch länger durchfüttern? Das kostet doch nur! Man könnte das auch mit dem Begriff “Endlösung” beschreiben. Oder das humanitäre Denken siegt. Bedeutet: Man schafft die gesetzlichen Voraussetzungen dafür, dass sich etwas tut. Und zwar ganz massiv. Dazu sind gewisse “Volksvertreter” ja eigentlich auch da. Stehen die rechtlichen Voraussetzungen, dann werden Nägel mit Köpfen gemacht und Maßnahmen ergriffen. Welche?

- Mindestens Verdreifachung des Gehalts eines Pflegers, um den Job attraktiver zu machen.
- Flächendeckende Tariflöhne in diesem Bereich.
- Geregelte Arbeitszeiten.
- Verpflichtung der zuständigen Arbeitgeber, ein realistisches und festes Mindestverhältnis zwischen Pflegefällen und Pflegekräften zu garantieren.
- Verpflichtung der zuständigen Arbeitgeber, ein Minimum an Ausbildungsplätzen vorzuhalten, um einem Nachwuchsmangel künftig vorzubeugen.
- Verpflichtung der bisherigen Absahner, sich finanziell maßgeblich an der Problemlösung zu beteiligen (Zitat Heiner Geißler: “Es gibt Geld wie Dreck, es haben nur die Falschen.“)

Ein solches Maßnahmenpaket hätte selbstverständlich rein gar nichts mit dem schwer angesagten Neoliberalismus, dafür aber sehr viel mit der Wiedereinführung des Sozialstaates zu tun. Deswegen wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch niemals realisiert werden – denn das ist doch total links, echt jetzt! Hmm.. und der Einführung der Euthanasie steht die Menschenrechtscharta der UN entgegen. Geht also auch nicht. Jedenfalls nicht so ohne Weiteres. Was dann? Gibt’s da nicht vielleicht doch noch ‘ne andere Variante? Aber klar doch! Kopf in den Sand! So tun, als wenn man von nichts wüsste; populistische Scheinpolitik voran! Das hat immerhin schon seit über zehn Jahren hervorragend funktioniert, warum also nicht zukünftig auch? Immerhin hätte man in den zehn Jahren ja schon längst etwas machen können. Wenn man nur gewollt hätte. Wollte man aber ganz offfensichtlich nicht und daher: Weiter so – der Wähler ist ja blöde! Der merkt echt nichts mehr! Vielleicht aber wendet er sich auch gerade deswegen von den etablierten Parteien ab

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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