Es wird immer wärmer. Man merkt das auch an den Tierarten. Hier im Schaumburger Land sind einige Tiere hinzu gekommen, die es hier bis vor ein paar Jahren nicht gab bzw. sie treten jetzt sehr viel häufiger auf: Tannenhäher, Wacholderdrossel, Maikäfer, Wolf, Luchs, Mufflon, Waschbär … – und auch das Taubenschwänzchen, mitunter aufgrund der Verwechslungsgefahr als Kolibrischwärmer bezeichnet. Kleiner Einschub: Als konvergente Evolution bezeichnet man es, wenn unterschiedliche Arten unabhängig voneinander gleiche Merkmale herausbilden, also bspw. die ledrigen Gleitflugschwingen beim Pterosaurus (Reptil) und bei der Fledermaus (Säugetier). Oder die Flossen beim Hai (Fisch), Pinguin (Vogel) und Wal (Säugetier). Nehmen wir mal den Kolibri: Das ist ein geradezu winziger (Zug-) Vogel mit irrsinning schnellem Flügelschlag, höchstem Energieumsatz und einem langen Schnabel, der ihn dazu befähigt, Nektar aus kelchförmigen Blüten zu saugen. Der bereits erwähnte Kolibrischwärmer bzw. das Taubenschwänzchen sieht auf den ersten Blick ziemlich ähnlich aus und verhält sich auch beinahe gleichartig, ist aber kein Vogel, sondern ein Insekt – nämlich ein eigentlich nachtaktiver Schmetterling. An die Stelle des Schnabels tritt bei ihm ein Saugrüssel.

Manchmal ist dieser Nachtschwärmer auch tagaktiv. So einer mit gestörter innerer Uhr besucht seit einiger Zeit unsere Balkonblumen. Ich hatte mir daher auch vorgenommen, das Tier einmal abzulichten, was sich aber nicht als ganz einfach erwies. Aufgrund seines irre hohen Energieumsatzes muss das Taubenschwänzchen nämlich pro Minute um die hundert Blüten aussaugen. D. h. es lässt sich pro Blüte gerade mal 600 Millisekunden Zeit. Das ist nicht wirklich lange. Mit ungefähr einem Flügelschlag pro Zehntelsekunde und 80km/h Geschwindigkeit sind die Viecher auch nicht wirklich langsam, so dass zum Scharfstellen der Kamera nicht wirklich viel Zeit bleibt. Überflüssig zu erwähnen, dass man dabei im Makrobereich arbeitet und dessen Tücken gleichfalls mit zu berücksichtigen hat. Aber mit etwas Glück … – und mit der Ruhe und Geduld eines Faultiers, gepaart mit dem Reaktionsvermögen einer angreifenden Klapperschlange kann es wieder Erwarten schließlich doch was werden: Jetzt wird’s bunt – ein Dutzend Aufnahmen. Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!

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(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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