bremse

“Computer lösen Probleme, die man ohne Computer nicht hätte.”
(Verfasser unbekannt)

In diesem Spruch steckt viel Wahrheit. Vielleicht aber sogar noch sehr viel mehr schlechte Erfahrung. Schlechte Erfahrungen kann man auch mit Navis machen; man muss dazu nur mal bspw. in Cuxhaven außendeichs auf der Cassen-Eils-Straße in Richtung Stadt fahren und der Aufforderung seines Navis “jetzt rechs abbiegen” Folge leisten. Dann landet man absolut zuverlässig in der Nordsee, weil die Straße “rechts ab” dazu dient, Boote vom Anhänger zu Wasser zu lassen! Mit Navis ist das also immer so eine Sache und man tut sehr gut daran, den nervigen Besserwissern rechtzeitig den Strom abzuwürgen. Ich habe aufgrund der geschilderten Erfahrung zu den Dingern doch ein ziemlich gestörtes Verhältnis. Bedeutet: Auf der Langstrecke orientiere ich mich an Sonnenstand oder Sternenhimmel. Da sind die Himmelsrichtungen nämlich unverwechselbar.

Muss ich von einer Autobahn auf die andere, dann hilft der gute, alte “Flachglobus” – sprich Autoatlas – in Verbindung mit der Beschilderung weiter. Bevor man von der Bahn abbiegt, wird nochmal schnell das unschlagbare Fachwissen der durch und durch ortskundigen Klofrau von der Autobahnraststätte konsultiert. Irgendwann bin ich dann aber in der fremden Stadt, sehe nur noch Baustellen und Umleitungsschilder und stehe vor dem Problem: Durchfragen oder Navi? Durchfragen würde ganz gut funktionieren – hat es ja früher auch immer – wenn nicht das Hupkonzert hinter einem die Antwort des Gesprächspartners übertönen würde oder wenn der Einheimische die Nebenstraße auch ohne Google Maps kennt. Letzteres kann man heute aber leider nicht mehr voraussetzen.

Dann also doch wieder das elendige Navi! Das taugt allerdings nur was, wenn sein Kartenmaterial halbwegs aktuell – will sagen nicht älter als ein Vierteljahr – ist. Anständige Navis verfügen dazu über einen Updater. Den installiert man auf dem PC, hängt das Navi dran und voila: Das war’s auch schon! Alles in bester Butter! In der Theorie … – die Praxis sieht nämlich gänzlich anders aus. Ich habe ein Garmin-Navi. Oftmals ist das recht brauchbar, außer wenn es spinnt (s. o. oder wenn man dreimal im Kreis gelotst worden ist und dann doch lieber auf den Sonnenstand vertraut). Dessen Updater ist eine Software namens “Garmin Express” und die hat’s offensichtlich in sich, seit es diese Navis gibt.

Die Installation von Garmin Express zieht sich hin. Das Erkennen des daraufhin angestöpselten Navis auch; mitunter funktioniert das allerdings erst beim vierten oder fünften Versuch. Irgendwann ist es dann soweit: Garmin Express ist drauf, das Navi wurde erkannt und das Update kann losgehen! Ich meine, hier hat man den (unzuverlässigen) Computer mit dem (unzuverlässigen) Navi verbunden. Rein mathematisch gemäß “- * – = +” sollte das zwar funktionieren, doch arbeiten Computer bekanntlich ja nach den Regeln der Boole’schen Algebra, womit es (wie auch zu erwarten ist) nach “0 AND 0 = 0″ natürlich nicht funktioniert. Am Anfang steht das Software-Update des Navis. Das klappt. Jedenfalls meistens. Es folgt das Kartenupdate des Navis. Das dauert, und zwar i. d. R. so mindestens vier Stunden, währenddessen man eigentlich kaum noch was anderes am Computer machen kann. Im Regelfall bricht während des Kartenupdates die Leitung zusammen und man beginnt von vorne: Ein durch und durch verregneter Sonntag eignet sich ganz gut dazu, sofern man gleich frühmorgens um 06:00 Uhr anfängt. Bis Mitternacht hat man es dann meistens geschafft.

Auf der Festplatte des Computers sind aufgrund des Kartenupdates allerdings auf wundersame Weise so vier bis fünf Gigabyte an Speicherplatz abhanden gekommen. Man kann suchen soviel man will: Wo der verschwundene Speicherplatz hin ist, wissen wohl nur die Entwickler vom Garmin Express. Und die behandeln das als Betriebsgeheimnis. An sich ist das auch kein Thema, wenn man noch massenhaft Platz auf der Speicherplatte hatte. Waren da aber vorher bloß noch so ungefähr 25 GB frei, dann ist in Folge bei allen möglichen Programmen die Meldung “Zuwenig Speicherplatz auf C:” oder so ähnlich an der Tagesordnung. Windows will ja auch noch was zum Auslagern haben, nicht wahr?

Will man daraufhin das Navi im Fahrzeug benutzen, dann erfreut es einen mit der Meldung einer “Softwareinstallation” (die dauert) und mit erhöhtem Blutdruck, weil man vorher nie weiß, ob’s hinterher auch wirklich (wieder) funktioniert. Meistens aber funktioniert es: Die Fahrt kann beginnen! Unabhängig von der Fahrt bleibt da aber zuhause noch der Computer, auf dem sich Garmin Express befindet. Der wird beim nächsten Start des Rechners im Hintergrund aktiviert, auch dann, wenn man ihn gar nicht benötigt UND wenn man ihn im Systray explizit abschaltet (dadurch verschwindet nämlich nur das Programmsymbol). Seinen Autostart zu deaktivieren funktioniert zwar ein paarmal, aber irgendwann läuft das bockige Teil dann trotzig doch wieder im Hintergrund. Selbstverständlich ohne dass dessen Task irgendwo angezeigt wird oder gar gestoppt werden kann, versteht sich.

Wie sieht dieser Hintergrundbetrieb aus? Genau weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass Garmin Express permanent nach irgendelchen Updates fahndet und die ggf. auch insgeheim runterlädt und irgendwo installiert. Natürlich ändert sich die Programmversion des Installers dabei nicht, so dass man da eigentlich auch nur durch Zufall drauf kommt. Plötzlich sind dann schonmal acht bis zehn Gigabyte an Plattenspeicher “verdampft”. Nach so einem heimlichen Update verändert sich das Icon. Da ist anstelle des Garmin-Express-Zeichens plötzlich nur noch ein weißes Blatt zu sehen und Garmin Express lässt sich nicht mehr starten. Will man das Programm später erneut verwenden, dann muss man es deinstallieren und neu installieren (vgl. oben) – erst danach geht’s wieder.

Irgendwann kommt aber zwischendurch auch der Punkt, an dem man sich die Augen reibt – wie jetzt??? Mausklick: Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig … Der Rechner ist quälend langsam geworden. Zwischen Mausklick und Reaktion liegen, so man Glück hat, immer ein paar Sekunden und wenn man Pech hat auch schonmal drei Minuten. Wer ist Schuld? Selbstverständlich Garmin Express als absolut unerwünschter Hintergrundtask! Das Ding wirkt wie die ultimative Systembremse! Was tun? Ganz einfach: Garmin Express wird einzig zum Update des Navis gebraucht. Sobald das geschehen ist, macht es hinterher nur noch Ärger. Es ist als Einwegsoftware anzusehen: Will man das Programm erneut benutzen, dann funktioniet es nicht und Deinstallation nebst Neuinstallation sind nötig. Warum also Garmin Express nach erfüllter Aufgabe nicht umgehend von der Platte fetzen? Plötzlich ist der zuvor verschwundene Festplattenspeicher wieder da. Plötzlich ist auch der Rechner wieder ganz schnell …

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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