flugreisen

Meine erste Flugreise liegt jetzt rund 32 Jahre zurück. Seinerzeit störte das am Gürtel getragene Taschenmesser niemanden. Im Flugzeug existierte noch ein Raucherbereich. Ich konnte eine kleine Reisetasche (sie musste nur irgendwie in das Gepäckfach passen) zzgl. der (großen) Tasche mit der umfangreichen Fotoausrüstung mitschleppen. Auf Flüssigkeiten an Bord achtete niemand und den transparenten Zipper-Beutel gab’s noch nicht. Trotz allem aber wurde das Thema Sicherheit groß geschrieben. Wenn ich mir das letztgenannte Thema heute so anschaue, dann finde ich vieles davon doch reichlich überzogen. Andererseits lässt sich selbstverständlich mit all dem, was die Fluggäste nicht mitführen dürfen, was anschließend aber im Duty-Free-Bereich für viel Kohle vertickert wird, ‘ne Menge Geld verdienen. Ich mein’ ja nur …

Meiner Ältesten, aufgrund ihres JUNON-Engagements eine ausgesprochenen Vielfliegerin, ist jetzt auf einer Flugreise die Powerbank abgenommen worden. Grund genug für mich, um mich einmal darüber zu informieren, was man eigentlich so an Elektronik auf Flugreisen mitschleppen darf und ob das ins Handgepäck oder in den aufzugebenden Koffer gehört. Denn Gebrauchselektronik: Das sind Alltagsgegenstände! Um das Ergebnis meiner Recherchen vorweg zu nehmen: Einheitliche Regelungen scheinen diesbezüglich nicht zu existieren. Jede Airline und jeder Flughafen handbaben das etwas unterschiedlich.

Im Zweifelsfalle ist das Handgepäck für elektronische Geräte immer die bessere Wahl, denn dort kann das Sicherheitspersonal sich gleich vor Ort durch einen Funktionstest (d. h. durch das Einschalten des betreffenden Gerätes) davon überzeugen, dass es sich eben nicht um eine Bombe in Form einer Attrappe handelt. Allerdings ist Elektronik aufgrund von darin verbauten Akkus auch schwer und mitunter mit dem ganzen Zubehör auch recht umfangreich, also wohin damit? Packt man nämlich etwas, was dort nicht reingehört, in den Koffer – der vor dem Verladen durchleuchtet wird – und wird es entnommen, dann hat man je nach Zeitaufwand dabei auch gute Chancen, dass der Koffer mit diesem Flug nicht mehr ankommt bzw. gerne auch mal gänzlich falsch verladen wird. Weg ist das entnommene Teil so oder so: Es wird i. d. R. vernichtet; die §§ 5 und 9 LuftSiG machen’s möglich.

Warum ist das so? Die primären Gefahrenquellen sind verbaute Lithium-Ionen-Akkus oder Li-Metall-Batterien. Diese Dinger können (was selten vorkommt) unvorhersehbar abrauchen, Feuer fangen oder auch explodieren. In das Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte die Thematik, als Samsung im Jahr 2016 sein “brandneues” ;) Galaxy Note 7 auf den Markt brachte. Jeder Li-Akku enthält das Alkalimetall Lithium und das ist nun einmal extrem reaktionsfeudig – gegenüber Luft ebenso wie gegenüber Wasser respektive Wasserdampf. Chemisch bedeutet das: “2Li + 2H2O -> 2LiOH + H2″ und “2H2 + O2 -> 2H2O”. Die erste Reaktion ist schon ganz schön heftig (Bumm!), aber die Zweite fällt noch’n ganzen Zahn üppiger aus (BUMMM!!!), denn es handelt sich um die bekannte Knallgas-Reaktion.

Nun mag man vielleicht meinen, so besonders viel Lithium ist da doch gar nicht drin. Kommt auf den Akku an. Bei dem üblichen Handy- oder Kamera-Akku hat man es nur mit ein paar Milligramm des äußerst reaktionsfreudigen Metalls zu tun. Ähnliches gilt für das Tablet, auch wenn es da bereits ein paar Milligramm mehr sind. Anders beim Laptop, denn hier erreicht man schnell Größenordnungen bis hin zu 8 Gramm reines Lithium. Das entspricht ungefähr einer Kugel von rund 4cm Durchmesser. Erinnert ihr euch noch an den Schulversuch, als der Chemielehrer Natrium oder Kalium in Wasser geworfen hat? Lithium reagiert genauso! Im Schulversuch werden nur klitzekleinen Mengen verwendet. Jetzt stellt euch das mal mit einer 4cm durchmesenden Kugel im Flugzeug vor …

Das ist der Grund, warum Li-Akkus im Flugverkehr nur äußerst ungern gesehen sind. Andererseits aber sind die mittlerweile fast überall drin. Sicher, es passiert nur in Einzelfällen mal was. Aber wenn … – und genau deswegen gibt es im Grunde genommen auch keine einheitlichen Regelungen. Genug der Vorrede. Um welche Elektronik geht es jetzt eigentlich ganz konkret? Es geht um
- Handy,
- Kamera,
- E-Book-Reader,
- MP3-Player,
- Tablet,
- Laptop,
- Powerbank,
- Ersatzakkus,
- Wecker,
- Rasierer,
- Ladegeräte u. ä.
Wo packt man das jetzt also hin?

Ins Handgepäck gehören: Handy, Kamera, E-Book Reader, MP3-Player und Ersatzakkus, wobei die Letztgenannten aber i. d. R. auf 2 Stück je Fluggast für die Beförderung in der Kabine und auf 100Wh bzw. manchmal im Ausnahmefall auf 160Wh beschränkt sind. In den Koffer gehört Kleinelektronik wie z. B. Reisewecker, Rasierer oder Ladegerät. Unterschiedlich gehandhabt wird die Sache allerdings bei Tablet und Laptop: 2016 waren die Teile im Koffer noch verboten und 2017 mussten sie in den Koffer, weil im Handgepäck verboten. Die Powerbank ist eigentlich ein absolutes No Go, doch einzelne Flughäfen wie bspw. Hannover erlauben sie dennoch ausschließlich im Handgepäck. Hinsichtlich Tablet, Laptop und Powerbank (die am besten sowieso zuhause lassen) informiere man sich daher beizeiten vor Reiseantritt, wo die denn nun hingehören, sofern man keine bösen Überraschungen erleben will!

Wie informiert man sich? Bei Pauschal-Flugreisen ist immer der Veranstalter der erste Ansprechpartner. Da derartige Veranstalter Inlandsniederlassungen betreiben, ist hier der Anruf wohl die optimale Lösung. Anders bei den Airlines und den Airports. Hier steht das Internet an erster Stelle, indem man in die Suchmaschine des Vertrauens
- Name der Airline oder Name des Flughafens + “Gepäckbestimmungen” oder
- Name der Airline oder Name des Flughafens + “Baggage Claims” oder
- Name des Flughafens + “Service” oder “Infos”
eingibt. Zumeist wird man da dann auch irgendwo fündig (kann aber dauern). Vorsicht geboten ist hingegen mit den Service-Telefonnummern der Airlines, denn nicht selten sitzen die im Ausland und dann fallen (mitunter hohe) Gesprächsgebühren an, von etwaigen Sprachproblemen ganz zu schweigen. Und wer nun unbedingt eine Powerbank mitschleppen will, der ist mit der Info der Airline im Grunde genommen auch besser bedient, denn wenn der Startflughafen die im Handgepäck erlaubt, dann muss der Zielflughafen beim Rückflug das noch lange nicht tun! Tablet, Laptop und Powerbank: Hier lohnt sich die nicht selten zeitaufwändige Vorabinformation auf jeden Fall. Denn wenn die entnommen werden und weg sind, dann ist der Verlust i. d. R. doch ziemlich groß.

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

Eine Antwort auf Elektronik auf Flugreisen

  • Schnakenhascher sagt:

    Wenn es jemand schaft, mit einer Nagelschere ein Flugzeug zu entführen, dann hat er es sich auch verdammt nochmal verdient. :lol:

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