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Seit März diesen Jahres habe ich beinahe täglich im Garten eine Wildkamera im Einsatz, also fast schon sieben Monate lang. Streng genommen ist es allerdings bereits die zweite Kamera dieser Art, denn trotz Schutzart IP54 ist die erste Kamera im April von einem typisch norddeutschen Gewitterguss glatt ersäuft worden. Der Umtausch auf Garantiebasis ging allerdings problemlos und äußerst prompt vonstatten. Jedenfalls ist es m. E. mal an der Zeit, ein paar Erfahrungen zum Umgang mit einer Wildkamera zum Besten zu geben. Damit, das Teil irgdendwo hinzuhängen, ist es nämlich absolut nicht getan. Was also muss man beachten? Das sind zunächst erst einmal
- der Standort und
- die Einstellungen.
Beide Faktoren sind entscheidend dafür, ob man brauchbare Fotos der nächtlichen Besucher erhält oder ob nicht.

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Der Standort:

Der Standort ist für Aufnahmen mit einer Wildkamera am wichtigsten, denn die Kamera – immerhin eine Fotofalle – kann nur Tiere ablichten, die auch da sind. Aber wo treibt das Viehzeug sich bevorzugt rum? Für die Standortwahl ist folglich ein vorausgehendes Spurenlesen angesagt. Im Winter geben Spuren im Schnee Auskunft. Aber auch während der anderen Jahreszeiten hinterlässt das Viehzeug Spuren: Mal ein Trittsiegel, mal Losung, mal ein durchwühltes Beet mit Nutzpflanzen, mal ein verwüsteter Komposter usw. Anhand derartiger Indizien lässt sich schonmal ungefähr eingrenzen, wo es lohnenswert sein könnte, die Fotofalle aufzubauen. Nun ist die nächste Frage zu klären, nämlich oben oder unten? Normalerweise montiert man Wildkameras in knapp zwei Metern Höhe und dann leicht nach unten geneigt, um Tiere aufnehmen zu können. Das hat zwei Vorteile, nämlich einerseits die Tatsache, dass morgendlicher Tau sich vergleichsweise wenig auf der Linse absetzen kann und andererseits schützt es in Grenzen davor, dass vom IR-Blitz abgenervtes Viehzeug versucht, die störende Kamera abzureißen (ist mir nämlich schon sehr häufig passiert).

Aber es gibt dadurch auch Nachteile. Tieraufnahmen wirken eigentlich immer nur dann, wenn das Tier Auge in Auge fotografiert wird. Für kleine Tiere wie Igel, Marder, Iltis, Waschbär, (Wild-) Katze, Fuchs usw. bedeutet das, dass man die Kamera sehr niedrig montieren sollte, also so zirka zwanzig Zentimeter über dem Boden. Erst dadurch erhält man wirklich knackige Fotos. Hier gilt es also abzuwägen, was einem lieber ist. Um den beliebtesten Aufenthaltsort der nächtlichen Besucher zu ermitteln wird die Kamera für ein bis zwei Wochen an den lt. o. e. Spuren infrage kommenden Stellen, aber mit unterschiedlichen Blickwinkeln montiert – immer so für zwei bis drei Tage. Die Stelle, an der sich auf den Fotos hinterher die meisten Tiere zeigen, wird letztlich als endgültiger Standort gewählt. Es ist dabei übrigens immer von Vorteil, wenn für das Gerät ein gewisser Regenschutz vorhanden ist (bspw. ein Blätterdach o. ä.). Nicht im Aufnahmebereich befinden sollten sich Pflanzen, die vom Wind stark bewegt werden, den dann erhält man nur zahllose Bilder, auf denen nichts interessantes zu sehen ist.

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Die Einstellungen:

Wildkameraufnahmen sind Zufallsaufnahmen! Man kann dem Zufall allerdings auf die Sprünge helfen. Einerseits, indem man anstelle von Einzelbildern ein Video aufnimmt. Dann ist die Speicherkarte nach wenigen Stunden voll, aus dem Video lassen sich aufgrund der schlechteren Auflösung nur im Ausnahmefall Fotos rausziehen und der Batteriesatz ist binnen eines Monats restlos leer. Ich bin kein Freund von Videos. Andererseits aber auch, indem man die Fotos schnell genug hintereinander weg macht. Womit wir bei den Einstellungen wären. Erfahrungsgemäß sehr sinnvoll sind die nun folgenden Justierungen.

- Modus Kamera
- Fotoformat 12M, entsprechend 4000*3000px
- Fotoanzahl 3
- Intervall 10-30 Sekunden
- Automatische Abschaltung nach 5 Minuten
- Beleuchtungsdauer 1 Minute
- Timer 20:00 Uhr bis 06:00 Uhr
- Zeitwiedergabe im 24h-Format
- Zeiteinblendung eingeschaltet

Mit diesen Einstellungen “lebt” ein aus 8 Mignonzellen bestehender Batteriesatz erfahrungsgemäß etwa ein halbes Jahr. Die Kamera ist nur in der Nacht aktiv und schießt bei Auslösung hintereinander weg 3 Fotos von maximaler Auflösung im Abstand von 10-30 Sekunden, wobei ihr IR-Scheinwerfer eine Minute lang eingeschaltet bleibt. Nach 5 Minuten ohne Auslösung schaltet sie sich wieder ab um Strom zu sparen. Wann das Bild geschossen wurde wird unten im Bild eingeblendet. Diese Zeitangabe ist nützlich, wenn man herausfinden will, ob die nächtlichen Besucher zusammen oder aber in einer bestimmten Reihenfolge aufschlagen. Bei meinen Fotos gab es immer die feste Reihenfolge von Hauskatze, Waschbär, Hauskatze, Marder oder Wildkatze oder Fuchs und zuletzt (wenn die Morgendämmerung bereits einsetzt) verschiedene Vögel: Die Besucher kommen sich also nicht ins Gehege und das erklärt auch die fehlenden Blutspuren. Übrigens: Bei den obigen Einstellungen laufen pro Nacht so ungefähr 10-40 Aufnahmen auf. Da es aber nachts stockfinster ist und das Viehzeug sich sehr schnell bewegt, sind nur etwa 5-20% der Bilder einer näheren Betrachtung wert.

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Die Aufnahmen:

Nun noch ein paar Worte zu den Bildern selbst. Es handelt sich um Fotos mit IR-Beleuchtung u. d. um Graustufenbilder. Da die Kamera einen sehr weiten Erfassungsbereich aufweist wird man nur sehr selten ein Tier formatfüllend vor der Linse gehabt haben, auch ist es eher die Regel, dass reichlich Fotos da sind, auf denen
- nichts zu sehen ist,
- nur eine helle Fläche abgebildet wird oder
- nur ein verwischter Schatten auftritt.
Nichts zu sehen ist auf den Fotos immer dann, wenn ein Tier (kann auch ein Nachtfalter, eine Fledermaus oder sowas gewesen sein) vorbeigehuscht ist o. ä. Die Kamera knipst dann das, was nicht mehr da ist. Die helle Fläche hat drei Ursachen, und zwar entweder Nebel oder aber Tau vor der Linse (bzw. Schnee im Winter) und zuletzt das Tier, welches versucht, die Kamera abzureißen. Der verwischte Schatten ist nichts weiter als ein aufgrund von Bewegungsunschärfe unbrauchbares Foto. Derartige Aufnahmen sortiert man also tunlichst zuerst aus und wirft sie weg.

Was übrig bleibt – wenn denn noch etwas übrig bleibt – lohnt vielleicht der Nachbearbeitung, so die Bilder denn eine akzeptable Schärfe aufweisen. Ausschnitte zwecks formatfüllender Darstellung macht man am besten mit IrfanView und die Korrektur von Kontrast, Hellgkeit etc. übernimmt der JPG Illuminator – in beiden Fällen handelt es sich um portable Windows-Freeware, die per WinE auch unter Linux läuft. Bessere Ergebnisse als mit dem JPG Illuminator lassen sich allerdings mit dem Photoshop-kompatiblen Plugin “Pog’s Mono Renditionizer” (ein 8bf-Filter, welches auch unter IrfanView eingebunden werden kann) erzielen, da diese Freeware auf Graustufen- bzw. SW-Fotos spezialisiert ist – allerdings ist dann der Arbeitsaufwand ungleich größer. Die Ausschnitte bewegen sich normalerweise im Bereich zwischen 1600*1200px und 2848*2136px und damit, bezogen auf Abzüge, ungefähr in der Größenordnung von maximal DIN A5 bis DIN A3. Man darf seine Erwartungen an solche Zufallsbilder eben nicht zu hoch schrauben. Doch für Fotobücher reicht das allemal.

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(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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