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“Letzten Pfingsten war es, glaub’ ich um halb acht,
da rief ein Mann an, völlig aufgebracht.
Bei ihm sei ein Rohr gebrochen,
er selbst nass bis auf die Knochen
und das sprudelt, und das gluckert, und das kracht.
‘Prima’, sagte ich, ‘das wird sofort gemacht’.

An einem nebligen Novembertag
bracht’ ich ihm erstmal den Kostenvoranschlag.
Nur muss er zum Keller schwimmen
und zur Nacht sein Dach erklimmen,
denn vor Juni tu’ ich keinen Hammerschlag.
So hat jeder seine Sorgen heutzutag’.

Ich bin Klempner von Beruf,
ein dreifach Hoch dem der dies gold’ne Handwerk schuf!”

(Reinhard Mey in “Ich bin Klempner von Beruf” aus dem Jahr 1974 – manches ist wirklich zeitlos!)

WARNUNG: Dieser Beitrag befasst sich mit der größten und schlimmsten Geißel der Menschheit und ist daher absolut nichts für schwache Nerven! Nein, es geht nicht um Krieg, Hungersnot oder Seuchen. Es gibt viel schlimmeres. Vor allem gewisse Handwerker: Klempner… – grrrr! Reicht mir ‘ne Bazooka und sorge für leerstehende Geschäftsräume, echt jetzt … :( – wir haben hier zwei Klempnerunternehmen am Ort. Eins legt den Schwerpunkt auf Heizungen. Das hatte unser Nachbar mal und konnte es nicht wirklich empfehlen. Das andere macht daneben noch alles so in Richtung auf Gas-Wasser-Scheiße. Beim letztgenannten Unternehmen bekommen wir aufgrund einer Vereinsmitgliedschaft auch 10% Rabatt. Bei einer Auftragssumme i. H. von rund 15.000€ sind 10% schon ‘ne ganz schöne Hausnummer. Besagter Betrieb ist auch der Haus-und-Hof-Klempner seit die Hütte 1959/60 erbaut worden ist. D. h. der kennt die Leitungen und alle Schlechtigkeiten hier. Der hat auch 1989/90 schonmal die Heizungsanlage erneuert. Ist mittlerweile bereits wieder 29 Jahre her. Jetzt ist die zweite Anlage fällig. Allerdings ist der Gas-Wasser-Scheiße-Betrieb schon vor vielen Jahren altersbedingt in die Hände eines Nachfolgers übergegangen und da hat sich inzwischen doch so einiges verändert. Vor allem im Umgang mit den Kunden – eine Timeline:

- Mai 2018: Plötzlich hat das Haus kein Warmwasser mehr. Grund ist der Heizkessel. Der ist hinüber; Schaden durch Kalk. Die Reparatur erfolgt provisorisch und wir machen uns mit dem Gedanken vertraut, dass wir in absehbarer Zeit wohl eine höllisch teure neue Heizunganlage benötigen. Weil: Kessel und Brenner jetzt zu trennen macht wenig Sinn, da der Brenner ja auch schon 29 Jahre auf dem Buckel hat.
- August 2018: Gleiches Problem wie im Mai und erneute, provisorische Reparatur. Wir bitten die Sanitärfachfirma um Angebot und Kostenvoranschlag für neues Equipment. Uns wird mitgeteilt, dass so etwas kostenpflichtig ist und, falls es nicht zur Auftragserteilung kommt, mit 50€ pro Angebot zubuche schlägt. Irgendwie ein etwas merkwürdiges Geschäftsgebaren, aber gut … ist ja auch Arbeit. Wir wollen die Sache verständlicherweise möglichst noch vor Beginn der nächsten Heizperiode vom Tisch haben. Bankgespräche wegen eines Kredites schließen sich an.
- Anfang September 2018: Nach der dritten Nachfrage erhalten wir zwei Angebote. Eins davon kommt uns reichlich merkwürdig vor, denn soviel Platz ist doch da unten im Heizungskeller gar nicht. Wir bitten folglich um eine detaillierte Erläuterung vor Ort. Dazu muss aber erst wieder ein Termin gemacht werden.
- 11.09.2018: Der Herr “von Klempner” trifft termingemäß ein (nur eine Stunde Verspätung!), um uns vor Ort über die beiden Angebote zu beraten und bringt (welch’ Wunder!) sogar einen Zollstock mit. Er stellt mittels seines Messgerätes fest, dass für eines seiner beiden Angebote der Platz im Heizungskeller gar nicht ausreicht. Nachdem wir ihn darauf hinweisen mussten: Es geht doch nichts über qualifizierte Fachleute! Er wird unsererseits auch gleich noch daran erinnert, dass zusätzlich drei Uralt-Heizkörper in drei verschiedenen Räumen unserer Wohnung sowie in einem weiteren Raum ein Heizungsventil zu erneuern sind (das war nämlich im Angebot vom Klempner schlicht vergessen worden). Seine Durchlaucht “von Klempner” nimmt auch das in Augenschein und stellt fest, dass dazu einiges an Mobiliar beseitigt werden muss: Der Drei-Meter-Kleiderschrank im Schlafzimmer, der Kleiderschrank im früheren Kinderzimmer unserer Jüngsten und noch ein paar Sachen, die ich persönlich unter den Begriff “Kleinigkeiten” einordne, weil man sonst an die Heizkörper nicht rankommt. Eben das hatte ich bereits befürchtet. Die Schränke sind übrigens proppevoll. Er will das neue Equipment nun umgehend bestellen und sich schnellstmöglich wegen der Terminabsprache melden.
- 25.09.2018: Wir warten und warten, aber es tut sich … – gar nichts! Ich frage erneut, diesesmal persönlich, im besagten Unternehmen nach und erfahre, dass das zuständige Personal im Urlaub ist. Von einer Bestellung weiß niemand etwas und es entsteht bei mir der Eindruck, dass dort die linke Hand nicht weiß was die rechte tut: Gelebtes Chaos! Ich soll im Verlauf der Folgewoche noch einmal nachfragen.
- 01.10.2018: Es ist die Folgewoche. Ich frage nochmals nach. Ohne Ergebnis. Es wird allerdings ein Rückruf im Verlauf der Woche zugesagt.
- 05.10.2018: Ein Rückruf ist nicht erfolgt. Nochmalige Nachfrage meinerseits – ergebnislos. Dazu Leckage am Kaltwasserzulauf unserer alten Anlage, Klempner über die Dringlichkeit der Sache informiert und Eimer drunter gestellt.
- 12.10.2018: Der Rückruf erfolgt mit nur einer Woche Verspätung und der ausgewiesene Fachmann rät höchst qualifiziert wegen der Leckage: “Stellen Sie einfach einen Eimer drunter!” Vor soviel geballter Sach- und Fachkompetenz kann man als Laie nur noch erblassen! Hinsichtlich der neuen Anlage wird gesagt: “Wir kommen dann am nächsten Mittwoch so gegen Mittag und bis Freitag sind wir fertig!“. Das ist kurzfristig. Ich rückversichere mich, dass ich das auch richtig verstanden habe. Habe ich, wird mir bestätigt. Umgehend informiere ich meine Frau, die daraufhin recht kurzfristig Urlaub von Mittwoch bis Freitag anmeldet, damit jemand im Haus ist. Unsere Große wollte uns gegen Ende der Folgewoche besuchen kommen und wir verschieben den Besuch um eine Woche wegen der Handwerker, denn ihr Zimmer ist erst dann wieder benutzbar, wenn die Schränke wieder aufgebaut worden sind. Weil wir das Zeug ja auch irgendwo zwischenlagern müssen.
- 13.10.2018 bis 15.10.2018: In unserer Wohnung Schränke ausräumen und zerlegen und alles im früheren Zimmer von unserer Großen deponieren. Sieht jetzt aus wie auf ‘ner Baustelle!
- 16.10.2018: Abbestellen der Sozialstation, die wöchentlich zum Waschen unserer drei Pflegefälle kommt, denn ohne Warmwasser können die auch nichts machen.
- 17.10.2018: Die Heizung ist abgeschaltet. Kein Warmwasser im Haus. Wir sind startklar. Wir warten. Es tut sich … – gar nichts! Bis 12:00 Uhr wollten die da sein. Um 13:00 Uhr fragen wir bei Gas-Wasser-Scheiße telefonisch nach. Nein, also … – davon weiß keiner was. Die Leute sind auch außerorts zugange. Ob wir denn überhaupt einen Termin hätten? Ja, haben wir, verflucht nochmal – sonst würden wir ja nicht wie die Blöden warten! Wollt ihr uns verarschen, ihr Spacken? Das sage ich so direkt natürlich nicht, obgleich es mir doch extrem schwer fällt, auch nur annähernd höflich zu bleiben. Gegen 14:00 Uhr dann ein Rückruf: Man verschiebt das Ganze einfach mal so eben um eine Woche, weil das Material ja gerade erst bestellt worden und noch längst nicht geliefert ist. Von der Terminzusage am vergangenen Freitag will man plötzlich nichts mehr wissen. Ich koche!!! Ich mache mich selbst zu besagter Firma auf den Weg um denen mal so richtig die Meinung zu geigen … und stehe dort vor verschlossener Tür.

Mit Kunden kann man es ja machen! Sozialstation nochmal absagen. Besuch unserer Großen nochmal verschieben. Urlaub haben wir keinen mehr. Dafür aber dürfen wir jetzt minimal ‘ne Woche lang auf ‘ner halben Baustelle leben. Gebt mir ‘ne Bazooka! Die haben noch keinen Handschlag getan und ich habe jetzt schon kein’ Bock mehr auf die ganze Gas-Wasser-Scheiße! Ich weiß echt nicht, welches Unternehmen ich hier aus der Gegend empfehlen könnte. Aber ich weiß ganz genau, welches ich aufgrund von Unzuverlässigkeit NICHT empfehlen würde!

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(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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