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Die Dieseldebatte läuft auf Hochtouren. Wohin man auch hört: Dieselmotoren sind schmutzig, sind bääh und diejenigen, die Diesel fahren, wollen uns an’s Leder! Also bspw. Rettungswagen, Feuerwehren, Kranken- und Seniorentransporte, die Zulieferer unserer Discounter usw. – äh, wie jetzt? Deswegen sind ja auch die Prämien für die Rückgabe alter Dieselfahrzeuge im Gespräch, selbstverständlich ausschließlich unserer Gesundheit und der Umwelt zuliebe. So oder ähnlich kann man es jedenfalls tagtäglich unisono allen möglichen Mainstreammedien entnehmen. Aber stimmt das eigentlich: Ist der Diesel wirklich so verdammt schädlich und geht es beim Ausmerzen der Dieselfahrzeuge nebst Diesel-Fahrverboten wirklich nur um die Umwelt und um unsere Gesundheit? Wenn man – wie in Hamburg geschehen – 800 Meter Straße für Dieselfahrzeuge sperrt und dafür 2,7 Kilometer Umweg mit zig Ampeln in Kauf nimmt, zeitgleich aber die größten Luftverschmutzer (u. d. h. die Kreuzfahrtschiffe im Hafen) überhaupt nicht berücksichtigt, ist das dann wirklich praktizierter Umweltschutz? Oder Verarschung? Betrachten wir das mal etwas detallierter.

Was haben wir beim Diesel? Wir haben einerseits Stickoxide und andererseits Feinstaub. Für beides gibt’s Grenzwerte. Nehmen wir zuerst die Stickoxide. Sie entstehen auf ganz natürliche Weise bei Gewittern und bei Verbrennungsprozessen – auch im Rahmen biologischer Abbauprozesse, wenn also etwas verfault – indem sich Stickstoff mit Sauerstoff verbindet. Es sei nur am Rande angemerkt, dass sich daraus in Verbindung mit dem Wasser(dampf) aus der Luft salpetrige Säure bildet, welche mit dem Kalk im Boden zu Kalkstickstoffdünger reagiert und für das Wachstum von Pflanzen unverzichtbar ist. Bleiben wir aber bei den Stickoxiden.

Für die wurde an den Straßen in Deutschland ein Grenzwert auf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festgesetzt. Der wird ganz gerne auch schon öfters mal an autofreien Tagen oder bei Fahrverboten merklich überschritten, was bereits darauf hinweist, dass diese willkürliche Festsetzung wohl offensichtlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. In geschlossenen Räumen gilt zumindest im gewerblichen Sektor der MAK-Wert. Der beträgt z. Zt. 950 Mikrogramm pro Kubikmeter und liegt damit knapp 24 mal höher als draußen: Ein Adventskranz mit vier brennenden Kerzen kann ihn bereits überschreiten. Wer also Fahrverbote für Dieselautos fordert, der muss konsequenterweise auch Brennverbote für Weihnachtskerzen fordern! Weil das nämlich auf das Gleiche rauskommt!

Kommen wir nun zum Feinstaub. Dessen Hauptverursacher sind häusliche Kleinfeuer und die Landwirtschaft. Rechnet man mal den realen Anteil der Dieselautos als Feinstaubverursacher aus, dann stellt man fest, dass 90% der Feinstaubbelastung auf natürliche Ursachen und nur marginale 10% auf den Dieselverkehr zurückzuführen sind. An dieser Stelle sei mir, um nicht falsch verstanden zu werden, eine Anmerkung gestattet: Mir ist absolut bewusst, dass das, was aus dem Auspuff eines Fahrzeugs rauskommt, gesundheitsschädlicher Dreck ist. Aber man muss die Dreckschleudern auch mal im realistischen Vergleich sehen und dann ist und bleibt der Diesel nur ein klitzekleines Licht im ganz großen Feuerwerk.

Wozu also dann dieser Hype, diese Dieseldebatte? Diese Frage beantwortet sich fast schon von selbst, wenn man die Sache mal aus einer gänzlich anderen Perspektive betrachtet. Zuerst war da die deutsche Automobilindustrie mit ihrer strikten Orientierung auf den Export hin: Deutsche Autos wurden in alle Welt verschifft – ein erstklassiges Geschäft! Vor allem deswegen, weil sie sauberer als die Konkurrenzmodelle aus dem Ausland waren. Oder vielleicht auch nicht, denn der Dieselskandal – Stichwort Mogelsoftware – beendete dieses Märchen. In Folge brach der Dieselverkauf im Ausland ein. Plötzlich waren (und sind) da Fahrzeuge übrig. Die müssen an den Mann bzw. an den Verbraucher gebracht werden.

Jetzt mal ein ganz anderes Beispiel. Angenommen, du kaufst dir einen Fernseher mit Twin-Receiver da drin. Das Ding soll Sat und DVBT2 empfangen. Zuhause stellst du fest, dass der Sat-Empfänger gar nicht eingebaut ist: Du bist betrogen worden! Jetzt hast du das Recht auf Wandlung, Minderung oder du gibst den Schrott einfach wieder ab und willst dein Geld zurück haben. Das wäre der normale Weg und jedes Gericht würde dir dabei Recht geben. Setze nun anstelle des Fernsehers das Dieselauto und anstelle des Empfängers das relativ saubere Abgas ein. Gibt’s ‘ne Nachbesserung? Nein! Gibt’s den Kaufpreis zurück? Nein! Gibt’s den Umtausch gegen ein sauberes Auto? Nein! Stattdessen gibt’s ein Benutzungsverbot, verbunden mit dem Angebot, dir eine Prämie zu zahlen, wenn du das Ding zurück gibst und stattdessen nochmal neu kaufst. Im Klartext bedeutet das: Der Betrüger wird geschützt, sein Gewinn wird vermehrt und der Betrogene wird nochmal zur Kasse gebeten – in diesem ganz speziellen Fall sogar mit politischer Unterstützung von ganz oben!

Warum mit politischer Unterstützung von ganz oben? Weil die Lobbyisten längst ganz oben sitzen. Das von Greenpeace herausgegebene “Schwarzbuch Autolobby” porträtiert in diesem Zusammenhang u. a. Spitzenpolitiker wie Alexander Dobrindt, Angela Merkel, Sigmar Gabriel und nicht zuletzt sogar Winfried Kretschmann. Mir drängt sich hierbei allerdings ein ganz böser Verdacht auf: Könnte es nicht sein, dass die ganze und m. E. völlig überflüssige (da sachlich nicht wirklich zu begründende) Dieseldiskussion ein Versuchsballon ist? Sollte dieser Versuch nämlich hinhauen, dann könnte man in einem nächsten Schritt das gleiche Spielchen nochmal machen um Elektroautos unter die Leute zu bringen. BTW: Ich habe nichts gegen Elektroautos. Ich befürworte sie sogar, sofern ihr Strom aus regenerativen Quellen stammt. Solange das aber nicht der Fall ist, werden der Auspuff und die Abgase bloß verlagert – und zwar in die schmutzigsten Braunkohlekraftwerke der Welt inklusive aller Nachteile, die da sonst noch mit dranhängen! Denn auch daran scheint ein gesteigertes Interesse zu bestehen, wie dem “Schwarzbuch Kohlepolitik” unschwer zu entnehmen ist.

Womit wir bei dem Triumvirat von Spitzenpolitik, Autoindustrie und Energieversorgern angekommen sind: Es geht längst nicht mehr um den Diesel! Der ist offensichtlich nur vorgeschoben! Es geht vielmehr um das ganz große Geld: Die Politik stellt die Weichen und die Autoindustrie sowie die Energiewirtschaft kassieren satt ab. Der Kreis schließt sich, wenn man dann noch berücksichtigt wo die Parteispenden für die Politik herkommen! Logisch, dass der Klimaschutz dabei den Bach runtergehen muss; das geht gar nicht anders. Auch logisch, dass Verkehrswende und Energiewende dabei auf bloße Lippenbekenntnisse reduziert werden.

Derartige Veränderungen sind nur dann möglich, wenn sie zusammengefasst Hand in Hand und auf regenerativer Basis erfolgen. Wie das geschehen könnte lässt sich in dem Buch “Schubumkehr – Die Zukunft der Mobilität” von Professor Stephan Rammler aus dem Jahr 2014 nachlesen, denn bereits damals wurde ein umfassendes und auch machbares Konzept präsentiert. Das braucht aber offensichtlich keiner. Jedenfalls keiner von denen, die das Sagen haben. Vergesst also die ganze Dieseldebatte – es geht gar nicht um den Diesel und es geht noch weniger um die Umwelt. Der Diesel bildet nur den Aufhänger zum Geldscheffeln im ganz großen Stil …

(Hinweis: Dieser Beitrag ist auch unter “Quergedacht! v4.0” erschienen.)

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